Elektronische Handbremse. Wie funktioniert sie und was passiert, wenn man sie während der Fahrt aktiviert?

Elektronische Handbremse. Wie funktioniert sie und was passiert, wenn man sie während der Fahrt aktiviert?

Martin Novák, 25. September 2019

In den letzten Jahren haben die Autohersteller gemeinsam begonnen, sich von klassischen Handbremshebeln zu verabschieden und stattdessen auf einen kleinen Knopf umzusteigen, der sie ersetzt. Dieser bedient die sogenannte elektrische Parkbremse, deren Abkürzung EPB lautet und die als erste die Marke BMW vorstellte. Das geschah bereits bei der 7er Reihe/Generation E54, und vielleicht wusste nicht einmal der Hersteller selbst, welche Revolution er damit auslösen würde.

Man muss sagen, dass sich am Funktionsprinzip mit dem Einzug des Knopfes eigentlich gar nicht so viel geändert hat. Nach dem Drücken des Bedienelements werden die hinteren Bremsen aktiviert. Nur geschieht das nicht mehr mithilfe von Bowdenzügen, wie sie die ursprüngliche Handbremse hatte, sondern elektronisch. Also, nicht ganz immer. EPB gibt es in zwei Versionen. Die erste arbeitet mithilfe eines Elektromotors, der weiterhin an zwei Bowdenzügen zieht. Das ähnelt der Handbremse stark, nur fehlt im Innenraum der große Hebel. Üblicher ist heute aber eine Lösung mit Elektromotoren in den Bremssätteln, konkret an den Hinterrädern (jeweils einer pro Rad). Nach Aktivierung der Taste zieht die Elektrik einen der Beläge an, und durch die Konstruktion der Scheibe wird anschließend auch der zweite angezogen.

Bei der überwältigenden Mehrheit der Modelle mit Automatikgetriebe aktiviert sich die elektronische Bremse nach dem Parken selbst und deaktiviert sich beim Anfahren wieder. Eine automatische Aktivierung kann auch bei Autos mit Schaltgetriebe erfolgen, ihre Deaktivierung vor dem Losfahren müssen Sie aber selbst manuell durchführen - von selbst löst sie sich nur bei manchen Autos und erst dann, wenn Sie trotz angezogener Bremse anfahren. Das funktioniert ähnlich wie die Funktion autohold oder das Anfahren am Berg mit Handbremse. Ein Gegenbeispiel kann etwa die aktuelle Generation des Mazda 3 sein. Wenn Sie vor dem Losfahren nicht die Taste drücken - und das geht nur, wenn Sie auf dem Bremspedal stehen -, fahren Sie schlicht nicht los. Manche Autos, etwa Honda, sagen Ihnen das sogar. Andere weisen nur im Display des Bordcomputers darauf hin. Für das automatische Lösen der Bremse müssen jedoch alle Türen geschlossen sein, und meistens muss die Insassen angeschnallt sein.

Warum diese Änderungen?

Der Grund, warum Hersteller immer stärker auf die elektronische Parkbremse setzen, ist, dass sie Platz im Innenraum sparen wollen. Der fehlende Bremshebel hat etwa Platz für ein Fach fürs Handy oder für Getränke geschaffen. Außerdem ist es einfach Teil der Entwicklung. Autos beziehungsweise ihre Systeme bedienen wir heute per Stimme oder Gesten. Und zu einer solchen Entwicklung gehört eben auch EPB. Nicht zu vernachlässigen ist auch die höhere Sicherheit - die Elektronik überwacht die Bremse und erlaubt ihre Deaktivierung nur dann, wenn das Auto fahrbereit ist (geschlossene Türen, Fuß auf der Bremse usw.). Dasselbe gilt auch für die Aktivierung: Bei manchen Autos zieht die Bremse automatisch an, wodurch die Möglichkeit ausgeschlossen wird, dass sich der Wagen etwa bei unzureichend angezogener Handbremse selbstständig in Bewegung setzt.

Außerdem können wir dank dieses Parkbremssystems die Präsenz von Sicherheitsassistenten wie Auto Hold genießen, der das Auto zum Beispiel an der Ampel gebremst halten kann, ohne dass Sie als Fahrer auf dem Pedal stehen müssen. Darüber hinaus hilft das System weniger sicheren Fahrern beim Anfahren am Berg, indem es das Auto ein paar Sekunden lang hält. Tatsache ist, dass dies manche Modelle auch mit klassischer „Handbremse“ konnten, doch erst mit dem Einzug der elektronischen Bremse ist das System zum Halten des Autos beim Anfahren am Berg stark verbreitet.

Teurerer Service?

Sobald etwas elektronisch arbeitet, ist klar, dass es in der Werkstatt nicht billig wird. Während es bei einer mechanischen Bremse genügte, von Zeit zu Zeit die Seile nachzuspannen, ist es bei der elektronischen Handbremse etwas anders. Um ein Problem bei EPB festzustellen, braucht man einen Computer, also eine Diagnose. Wenn Sie ein Problem mit der Bremse feststellen, weist Sie eine Kontrollleuchte im Bordcomputer darauf hin; in der Werkstatt bringen sie die Bremse zunächst  per Computer in die „Servicestellung“, in der die Bremse vollständig gelöst wird. Danach kann sich der Mechaniker bei einem möglichen Bremsenwechsel oder bei der Kontrolle sämtlicher Schläuche und Kabel die Hände schmutzig machen.

Es kann passieren, dass Ihr Auto vollständig entladen ist, Sie trotzdem hineinkommen und den Gang herausnehmen müssen, um das Auto vielleicht nur ein Stück wegzuschieben. Die Bremse ist elektronisch und wird ohne Batterie nicht funktionieren. Wir empfehlen, eine Werkstatt zu kontaktieren, die Ihnen sagt, ob gerade Ihr Wagen einen clever versteckten manuellen Bremshebel hat. Auch das Handbuch zum Auto kann helfen.

Was passiert, wenn Sie sie während der Fahrt aktivieren?

Für manche ist die schlechte Nachricht, dass man mit dem Knopf statt des Hebels in der Kurve keinen spektakulären Drift hinzaubert. Schluss mit dem Spaß. Autohersteller setzen heute auf Sicherheit, und Drifts sind, auch wenn sie kontrolliert sind, nicht sicher. Wenn Sie die Taste während der Fahrt nur kurz aktivieren, ruckt das Auto höchstens ein wenig, das System warnt mit einem akustischen Signal, und sonst passiert nichts weiter.

Wenn Sie die Bremse für längere Zeit „anziehen“, aktiviert sich das Notstoppsystem des Autos, bei dem alle Bremsen voll arbeiten und das Auto anhält. Dabei beginnt auch die Warnblinkanlage zu blinken. Das können etwa Beifahrer nutzen, wenn dem Fahrer schlecht wird und er nicht mehr anhalten oder lenken kann. Bei einigen älteren Autos muss das Fahrzeug nach einem solchen Eingriff allerdings in die Werkstatt, um die elektronische Bremse oder direkt die Bremsen zu wechseln.

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