Wie funktioniert der adaptive Tempomat und welche Arten gibt es? Wir erklären es

Wie funktioniert der adaptive Tempomat und welche Arten gibt es? Wir erklären es

Martin Novák, 28. August 2019

Den klassischen Tempomat, der die vom Fahrer gewählte Geschwindigkeit halten kann, kennen wir schon seit vielen Jahren. Schließlich hat ihn die überwältigende Mehrheit der Marken im Angebot. Der adaptive Tempomat ist zwar ebenfalls keine große Neuheit mehr, gehört aber weiterhin vor allem zur Sonderausstattung und ist längst nicht bei allen Modellen und in allen Ausstattungen zu finden.

Seine Grundfunktion ist dieselbe wie beim klassischen Tempomaten. Er soll dem Fahrer also Arbeit abnehmen und die gewählte Geschwindigkeit halten. Gleichzeitig können die intelligentesten adaptiven Tempomaten aber auf die Geschwindigkeit der Autos vor uns reagieren, also je nach Bedarf bremsen und beschleunigen. Einige schaffen es in Kolonnen sogar, automatisch mitzurollen oder vollständig anzuhalten. Es gibt gleich mehrere Arten von Radarsystemen, wobei eines eine Besonderheit des japanischen Subaru ist. Alle stellen wir heute vor.

Vergessen wir aber nicht, dass der adaptive Tempomat, wie alle anderen elektronischen Helfer, ein guter Diener, aber ein schlechter Herr ist. Seine Funktion ist es, dem Fahrer die Fahrt angenehmer zu machen. Sobald das Auto mithilfe von Kameras und damit auch des adaptiven Tempomaten Tempo, Abstand und Vorschriften einhält und das Auto in der Spur hält, können wir Fahrer aber schnell die Konzentration verlieren. Und dann ist der Unfall nicht mehr weit. Betrachten wir also den Tempomaten oder jede andere elektronische Spielerei nur als freundliche Unterstützung. Nicht als Garantie!

Subaru Eye Sight

Nach und nach stellen wir alle Arten adaptiver Tempomaten vor, beginnen aber mit einer Spezialität, die ihren eigenen Weg geht. Man muss sagen: einen sehr guten Weg. Schon vor einigen Jahren stellte Subaru das Sicherheitssystem Eye Sight vor, mit dem die Marke zum sichersten Autohersteller der Welt werden will. Im Rahmen dieses Systems verfügen Fahrzeuge von Subaru über eine ganze Reihe von Sicherheitsfunktionen, darunter auch einen adaptiven Tempomaten. Als einziger arbeitet er mit Stereokameras, die normalerweise Verkehrszeichen lesen oder das Auto in den Fahrspuren halten.

Bei Subaru funktionieren sie zusätzlich aber auch als Tempomat, der mithilfe dieser Kameras einen sicheren Abstand zum vorausfahrenden Auto hält. Der einzige Nachteil dieses Systems (die Kameras sitzen oben an der Windschutzscheibe) ist schlechtes Wetter. Frost, Schlamm, Schnee oder starker Regen können die Kameras regelrecht blind machen, und dann funktionieren weder das Radar noch ein anderes kamerabasiertes Sicherheitssystem.

https://www.youtube.com/watch?v=4-iAHive8xY

Radarsystem

Die am weitesten verbreitete, fast schon standardmäßige Version des adaptiven Tempomaten arbeitet mit Mikrowellen, also ähnlich wie Fledermäuse. Es handelt sich wohl um das am weitesten verbreitete System des adaptiven Tempomaten, das man als Radarsystem bezeichnen kann. Einfach gesagt sendet das Radar ständig Wellen in sehr kurzen Impulsfolgen aus. Gleichzeitig empfängt es in der Pause zwischen den einzelnen Impulsen die Reflexionen von einem Objekt vor ihm, wodurch es zum Beispiel die Entfernung des Autos vor uns erkennen kann.  

Wenn Sie einen solchen Radartyp in einem Auto mit Automatikgetriebe haben, ist er oft um eine Anfahrfunktion in Kolonnen ergänzt. Das bedeutet, dass das Radar das Auto in der Stadt hinter  dem letzten Fahrzeug in der Kolonne anhält, und wenn dieses Fahrzeug innerhalb einer bestimmten Zeit wieder losfährt, kann auch Ihr Auto selbstständig wieder anfahren. Doch jeder Hersteller begrenzt die Zeit, in der dieses System das schafft, anders. Meist geht es um wenige Sekunden. Wird diese Zeit überschritten, muss das System erneut aktiviert werden, meist durch ein leichtes Antippen des Gaspedals. Nach längerer Zeit deaktiviert sich das System automatisch. Dieses System nutzt zum Beispiel auch Škoda Auto, und im kurzen Video unten zeigt es Ihnen anschaulich, wie es funktioniert.

https://www.youtube.com/watch?v=7oLMTR6EtHY

Lidar

Lidar ist in der Autoindustrie bislang noch nicht besonders weit verbreitet, aber das soll sich laut den jüngsten Meldungen bald ändern. Dieses System arbeitet mit einer Laserdiode, die über eine optische Linse Lichtimpulse aussendet, für das Auge natürlich unsichtbar, und nach der Reflexion an einem Hindernis wieder empfängt. Sie werden jedoch nicht wie Radar von jedem festen Hindernis reflektiert, sondern von dessen reflektierenden Flächen, also meist von reflektierenden Stellen auf Kennzeichen oder Reflektoren in Scheinwerfern. Ansonsten funktioniert es aber genauso wie das oben beschriebene Radar. Aus der Zeit, die der Strahl für die Rückkehr braucht, leitet das System den Abstand zum Hindernis ab, und das Steuergerät passt die Geschwindigkeit des Autos entsprechend an.

Das Problem des Lidars ist jedoch, dass sein elektromechanisches System extrem empfindlich auf Erschütterungen reagiert, also etwa bei Fahrten auf unebener Straße. Dann ist es sehr ungenau. Derzeit läuft allerdings die Entwicklung eines Lidars ohne jegliche bewegliche Teile auf Hochtouren, das dann besser mit Unebenheiten und Karosserieerschütterungen zurechtkommt. Schließlich soll gerade dieses System so etwas wie ein zweites Augenpaar autonomer Autos sein.

https://www.youtube.com/watch?v=JC94Y063x58

Dennoch ließ etwa Elon Musk, der Chef von Tesla, es entwickeln, stellte nach einiger Zeit aber fest, dass dieses System völlig ungeeignet ist. Für seine autonomen Autos wolle er lieber etwas anderes, Präziseres entwickeln. Viel ist davon die Rede, dass autonome Autos sowohl mit Lidar als auch mit Radar arbeiten werden, was am präzisesten und sichersten sein soll. Ob das stimmt, werden wir aber noch eine Weile abwarten müssen.

Versionen für Schaltgetriebe

Wie Sie oben schon bemerkt haben, erwähnen wir den adaptiven Tempomaten vor allem zusammen mit Automatikgetrieben. Es gibt ihn aber auch für Schaltgetriebe. Nur ist seine Funktion dann nicht so angenehm wie bei Automatikgetrieben. Das Halten der Geschwindigkeit lässt sich erst ab höheren Geschwindigkeiten und in einem engeren Bereich einstellen, und sobald vor dem Tempomaten der Weg frei wird und er wieder zu beschleunigen beginnt, muss man oft den passenden Gang einlegen. Dasselbe gilt, wenn der Tempomat vor einem langsamer fahrenden Auto oder Hindernis verzögert.

Prädiktiver Tempomat

Sie wissen nicht, worum es geht? Es ist eine Erweiterung des adaptiven Tempomaten. Premiumhersteller wie etwa Mercedes-Benz haben ihn schon seit einigen Jahren. Škoda Auto nahm ihn mit dem Facelift des Superb in sein Angebot auf, also ist es möglich, dass wir ihn mit der Zeit auch in anderen Modellen sehen werden. Wenn auch sicher als Sonderausstattung. Der prädiktive Tempomat kann alles, was der adaptive Tempomat kann, arbeitet darüber hinaus aber mit Daten aus dem Navigationssystem und passt die Geschwindigkeit automatisch vorausschauend an, z. B. vor Kurven oder entsprechend den Geschwindigkeitslimits.

Vielleicht haben Sie den Begriff prädiktiver Fußgängerschutz gehört. Er ist Teil des Systems Front assist und hat mit einem prädiktiven oder irgendeinem anderen Tempomaten nichts zu tun, außer vielleicht der Nutzung desselben Radars. Bei Škoda Auto handelt es sich zum Beispiel um ein System, das den Fahrer in der ersten Phase optisch und akustisch vor einer möglichen Kollision warnt, anschließend durch ein kurzes Anbremsen. Reagiert der Fahrer nicht, kann das Fahrzeug vollständig anhalten.

Verschiedene Namen, gleiche Funktion

Ist der adaptive Tempomat für mich geeignet?

Wenn Sie überlegen, ob ein adaptiver Tempomat für Sie geeignet ist, haben wir ein paar Tipps. Erstens muss man sich bewusst machen, dass sich zumindest bei Fahrzeugen des VW Konzerns (Škoda, Seat, VW, Audi,..) die adaptive Funktion nicht abschalten lässt und der Tempomat nicht ohne sie genutzt werden kann. Das zeigt sich auch etwa daran, dass Sie den Tempomaten komplett verlieren, wenn Sie das Radar im vorderen Stoßfänger zum Beispiel beim Parken beschädigen. Der adaptive Tempomat eignet sich auch nicht für dynamisches Fahren in dichterem Verkehr - er hält relativ große Abstände, sodass Ihnen ständig jemand in die Lücke vor Ihnen fahren wird und das Auto immer wieder bremsen muss; für diese Nutzung ist die nicht adaptive Variante besser. Wenn Sie aber vor allem Komfort bevorzugen, ist der adaptive Tempomat ein unschätzbarer Begleiter. In fortgeschritteneren Versionen kommt er sogar in Kolonnen selbst zurecht, wodurch Stadtfahrten auf einmal deutlich erträglicher werden.

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