Launch Control – aus der Kreuzung zu starten war noch nie so einfach

Launch Control – aus der Kreuzung zu starten war noch nie so einfach

Jan Nemrava, 14. März 2022

​​Launch Control ist eines von vielen Ausstattungsmerkmalen, die ihre Wurzeln im Motorsport haben. Es ermöglicht auch weniger erfahrenen Fahrern, das Gefühl des maximal möglichen Beschleunigungsstarts ihres Fahrzeugs zu erleben. Dabei handelt es sich um einen recht komplexen Vorgang, bei dem die Motorleistungssteuerung mit dem Antriebsschlupfregelsystem und gegebenenfalls auch mit der Getriebearbeit abgestimmt werden muss. Am häufigsten findet man dieses System bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe, aber auch bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe ist es keine Seltenheit.

Was steckt hinter Launch Control?

Es handelt sich um ein System zur elektronischen Steuerung des Starts aus dem Stand. Erstmals wurde dieses System in den 1980er Jahren auf Rennstrecken vorgestellt. Bis heute wird es in zahlreichen Motorsportdisziplinen wie etwa der Rallye eingesetzt und hat sich dank der allgegenwärtigen Elektronik auch in Serienfahrzeugen verbreitet. Dieses System ermöglicht es Fahrern, die bestmögliche Beschleunigung aus dem Stand zu erreichen, ohne besondere Fähigkeiten zu benötigen. Das Auto selbst, genauer gesagt die darin verbaute Elektronik, steuert alle Systeme so, dass die bestmögliche Übertragung der Motorleistung nicht nur auf die Räder, sondern vor allem auf die Fahrbahn erreicht wird.

Ein technischer Blick auf die Sache

Betrachtet man das gesamte System aus technischer Sicht, nutzt es ein Steuergerät, das die passende Motordrehzahl regeln kann. Das Fahrzeug stellt selbst die ideale Drehzahl ein, sodass der Motor auch bei voll durchgetretenem Gaspedal nicht mehr als 3 000 Umdrehungen erreichen muss. Gleichzeitig lässt es beim Automatikgetriebe während der Startvorbereitung den Drehmomentwandler nicht unnötig durchrutschen. Während des gesamten Vorgangs arbeitet das Steuergerät mit den Raddrehzahlsensoren zusammen, um zu prüfen, ob die Kraftübertragung auf die Fahrbahn gelingt. Falls nicht, bremst es die durchdrehenden Räder leicht ab, wodurch die Kraft auf die anderen Räder übertragen wird. Im Vorteil sind natürlich Fahrzeuge mit Allradantrieb beziehungsweise mit einem LSD-Differenzial an der Vorderachse.

Hersteller ist nicht gleich Hersteller

Jeder Hersteller hat die Aktivierung des Systems unterschiedlich eingestellt. Bei manchen Autos genügt es, während der gesamten Vorbereitung auf die Beschleunigung statt der Bremse die Kupplung zu halten. Manche Fahrzeuge haben dieses System stets zur Verfügung, bei anderen muss zum Beispiel zunächst die Traktionskontrolle ausgeschaltet und ein spezieller Sportmodus aktiviert werden. Anschließend startet das Auto in der Regel bei der Drehzahl, bei der der Motor sein maximales Drehmoment entwickelt.

Schauen wir uns Fahrzeuge mit Schaltgetriebe an, bei denen es Launch Control gibt, können wir zum Beispiel den Ford Fiesta ST nennen. Dort genügt es, die entsprechende Funktion im Bordmenü auszuwählen und keine Angst zu haben, die Kupplung schnell kommen zu lassen. Überraschenderweise verfügt zum Beispiel der Ford Focus ST mit Automatikgetriebe nicht über diese Funktion, die Version mit Schaltgetriebe hingegen schon. 

Bei Fahrzeugen des VW-Konzerns ist die Aktivierung etwas komplizierter und nur bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe möglich. Man muss den Fahrmodus Sport wählen, die Traktionskontrolle ausschalten, das Getriebe in den Modus S schalten und anschließend Bremse und Gaspedal gleichzeitig betätigen. Dadurch wird der Modus aktiviert. Die Motordrehzahl bleibt bei etwa 3 000 Umdrehungen stehen, und es wird auf das Loslassen des Bremspedals gewartet. Dann bricht die Hölle richtig los. Ein kleines Inferno bricht auch im Octavia RS los.

Beim Hyundai i30 N ist es ähnlich wie beim VW-Konzern - man muss den N-Modus wählen, das ESC-System auf Sport schalten und das Gaspedal durchtreten.

Beim Toyota Supra genügt es, den Sportmodus und die sportliche Traktionskontrolle zu aktivieren, dann müssen Sie nur noch Bremse und Gaspedal gleichzeitig drücken, und das Auto sorgt selbst für den optimalen Start.

Zu viel des Guten schadet

Selbst Laien ist klar, dass ein solcher Start für das Auto anspruchsvoll ist und viele Teile des Antriebsstrangs dabei stark beansprucht werden. Wie stark das Fahrzeug belastet wird, zeigt sich auch daran, dass manche Getriebe sogar eine definierte maximale Anzahl an Starts mit Launch Control vorgeben. Danach steht ein teurer Austausch einzelner Teile bevor.

Das System ist somit eher ein Beispiel dafür, wie weit sich die Technik in Serienfahrzeugen entwickelt hat, als dass Sie damit von jeder Kreuzung aus durchstarten sollten. Außerdem gehört ein gut “gemeisterter” Start ohne Hilfe dieses Systems zu den schönen Seiten des Autofahrens, oder etwa nicht?

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