Erinnern Sie sich an die Dieselgate-Affäre? Gerade sie hat in vollem Ausmaß gezeigt, wie sehr realer und gemessener Verbrauch auseinandergehen können. Um weitere unrealistische Werte zu vermeiden, die Autohersteller bei neuen Autos im Rahmen von Tests ermittelten und die dann um mehrere Liter von den tatsächlichen Angaben abwichen, wurde die Messmethode für Verbrauch und Emissionen mit der Bezeichnung WLTP eingeführt. Das geschah im Jahr 2017, und die Abkürzung steht für The Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure.
Für die Autohersteller bedeutete die beschleunigte Einführung dieser Messmethode ein großes Problem - und vermutlich tut sie das bis heute. Auch Marken, die nie Messungen manipuliert hatten, mussten plötzlich Emissionen und Verbrauch auf völlig andere Weise messen. WLTP ist sehr komplex und soll dem realen Betrieb eines Autos entsprechen. Nicht nur dauert die gesamte Messung sehr lange, es wird dabei auch eine längere Strecke und mit höherer Geschwindigkeit gefahren. Außerdem wurde in diesem System auf ständiges Anhalten verzichtet, um die Auswirkungen des Stop-Start-Systems zu verringern, das früher sowohl Emissionen als auch Verbrauch künstlich senkte. Zudem mussten alle Hersteller ohne Ausnahme sämtliche möglichen Ausstattungsmerkmale in die Tests einbeziehen, die den Verbrauch in irgendeiner Weise beeinflussen könnten. Dazu gehören zum Beispiel die Radgrößen. Je größer die Räder, desto höher der Verbrauch. Die Zahlen kann auch ein Fahrradträger oder eine Dachbox aus dem Zubehörangebot verändern. Auch das müssen Autohersteller heute testen.
Der Test selbst hat drei zentrale und sehr wichtige Faktoren, die die Ergebnisse beeinflussen. Das sind Aerodynamik, Rollwiderstand der Reifen und Gewicht. Wir stellen sie der Reihe nach vor.
Aerodynamik ist aus vielen Gründen wichtig. Vor allem sollte man wissen: Je größer der Luftwiderstand eines Autos ist, desto mehr Kraftstoff verbraucht es. Je aerodynamischer ein Auto ist, desto geringer ist sein Luftwiderstand, was sich auf die langfristige Wirtschaftlichkeit auswirkt.
Auch Reifen haben großen Einfluss auf Verbrauch und Emissionen. Ihr durch Verformungen der Reifen verursachter Rollwiderstand senkt während der Fahrt die Effizienz. Deshalb ist es wichtig, dass auch die Konstruktion der Reifen einen möglichst wirtschaftlichen Betrieb ermöglicht.
Und schließlich das Gewicht, der dritte und nicht minder wichtige Faktor, der seinen Anteil an den Emissionen hat, natürlich aber auch am Verbrauch. Um schwere Gegenstände in Bewegung zu setzen, muss nämlich mehr Energie aufgewendet werden. Je leichter ein Auto ist, desto weniger Kraftstoff verbraucht es für seine Fortbewegung. Niedriges Gewicht bedeutet schlicht Effizienz und verbessert außerdem das Handling des Fahrzeugs.
Wir haben es oben bereits angedeutet. Die WLTP-Methode hat viele interessante Parameter, durch die die Werte für Emissionen und Verbrauch deutlich realistischer sind. Neu beträgt die Länge der Prüfstrecke 23 Kilometer, und der Zyklus dauert 30 Minuten. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Test liegt bei 47 km/h, die Höchstgeschwindigkeit überschreitet 130 km/h. Gemessen werden auch alle möglichen Kombinationen aus Motoren und Getrieben, und in der Prüfkammer wurde die Temperatur auf 23 Grad erhöht. Nur zum Vergleich: Die alte NEDC-Methode testete in einer Kammer, in der die Temperatur bei etwa 20 Grad lag, die Testfahrt war 11 Kilometer lang und ein Zyklus dauerte 20 Minuten.
Wir haben bereits gesagt, dass WLTP realistischere Verbrauchs- und Emissionswerte messen soll. Betrachtet man das genauer, lässt sich sagen, dass es drei Hauptziele gibt. Das erste ist Transparenz, denn WLTP arbeitet mit einem alltagsnäheren Fahrprofil als die früheren NEDC-Tests. Diese ähnelten eher einem begrenzten Labortest, ohne den tatsächlichen Verbrauch realistisch abzubilden. Da Verbrauchswerte früher unter abstrakten Laborbedingungen gemessen wurden, ermöglicht die neue Methode dank verbesserter Prüfparameter eine genauere Vorhersage des tatsächlichen Fahrzeugverbrauchs.
Ziel Nummer zwei ist Vergleichbarkeit. Was ist darunter zu verstehen? Vor allem, dass WLTP weltweit vergleichbare Testergebnisse sicherstellt. Eines der Hauptziele des WLTP-Prozesses ist die einheitliche Ermittlung von Abgasemissionen und Energieverbrauch für verschiedene Antriebsarten wie Benzin, Diesel, CNG oder sogar Strom. Wenn das Messverfahren des WLTP-Zyklus korrekt eingehalten wird, muss ein Fahrzeug desselben Typs in allen Teilen der Welt stets dasselbe Testergebnis liefern.
Der dritte Aspekt ist der in den letzten Jahren viel diskutierte Umweltschutz. Dank WLTP lässt sich die Einhaltung internationaler Vorschriften zu CO2-Emissionsgrenzwerten nachvollziehbar überprüfen. Im Jahr 2010 wurden in der EU 4,72 mld. tun CO2-Emissionen ausgestoßen, davon stammten 19 % aus dem Straßenverkehr. Deshalb will die Europäische Union bis 2020 die Emissionen um 20% senken, auch mithilfe von WLTP.