Elektronische Handbremse – Freude am Drift oder bequemes Vorrücken im Stau? Sie müssen sich entscheiden.

Elektronische Handbremse – Freude am Drift oder bequemes Vorrücken im Stau? Sie müssen sich entscheiden.

Jan Nemrava, 1. März 2022

Die elektronische Handbremse ist ein moderner Ersatz für die klassische Handbremse. Ihr Zweck ist identisch - die Bewegung eines stehenden Fahrzeugs zu verhindern, ebenso ist ihr Prinzip identisch - die Bremsbeläge gegen die hinteren Bremsscheiben zu drücken. Nur geschieht dies nicht über Seilzüge von einem Hebel im Innenraum, sondern durch einen Elektromotor. Im Innenraum wird der Hebel durch einen kleinen Schalter ersetzt, zu dem der Fahrer nur ausnahmsweise greifen muss. Und genau das ist der größte Vorteil der elektronischen Handbremse - dank des elektronisch gesteuerten Elektromotors bremst sich das Auto nach dem Anhalten selbst ab und löst die Bremse kurz vor dem Anfahren von selbst. Manche Hersteller koppeln das automatische Lösen der Bremse an die Bedingung, angeschnallt zu sein oder die Türen geschlossen zu haben. Um die Bremse selbst zu lösen, genügt es bei VW-Fahrzeugen, die Kupplung bei eingelegtem Gang kommen zu lassen, bei PSA-Fahrzeugen muss man Gas geben.

Auto-Hold und die elektronische Handbremse

Das Vorhandensein einer elektronischen Handbremse ermöglicht auch den Einbau eines Auto-Hold-Systems, das das Auto an der Kreuzung für Sie gebremst hält. Dabei kommt zwar nicht das mechanische Anziehen der Bremsen an den Hinterrädern zum Einsatz, das Problem besteht jedoch darin, dass der Hersteller keine Lösung dafür hat, falls der Fahrer bei aktiviertem Auto-Hold aus dem Auto aussteigt. Ist das Auto mit einer elektronischen Handbremse ausgestattet und öffnet der Fahrer bei aktiviertem Auto-Hold die Tür, zieht die Handbremse an und das Auto ist gesichert. Bei einer mechanischen Handbremse wäre das nicht möglich, weshalb Sie bei dieser auf Auto-Hold verzichten müssen.

Was passiert, wenn ich den Knopf während der Fahrt drücke? Gibt es dann Drifts?

Auch an diese Möglichkeit musste der Hersteller denken. So dient der Handbremsknopf während der Fahrt zur Aktivierung einer Notbremsung - drücken Sie ihn während der Fahrt, beginnt das Auto zu bremsen, „so gut es kann“. Manche Autos (Hyundai, Kia) verfügen nicht über diese Funktion und blockieren die Räder wie eine gewöhnliche Handbremse. Theoretisch könnte das also ein Argument für etwaige Enthusiasten sein, die auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum unbedingt mit ihrem Fronttriebler driften müssen. In der Praxis wird das nicht so einfach sein, da dem Knopf das Gefühl und die Geschwindigkeit fehlen, mit denen ein geschickter Fahrer das Heck in den gewünschten Drift "ausbrechen" lässt. Wenn Sie Hinterradantrieb haben, lässt sich das Fahrzeug auch anders als über die Handbremse in einen Drift versetzen, aber das wissen Sie vermutlich bereits.

Die Vorteile überwiegen die Nachteile

Traditionsbewusste Autofahrer mögen die elektronische Handbremse vielleicht ablehnen, doch bleibt es dabei, dass diese Funktion, wie die meisten elektronischen Assistenten, sowohl zu mehr Komfort als auch zu mehr Sicherheit beiträgt. Komfort dadurch, dass Sie die Handbremse praktisch vergessen können, und Sicherheit dadurch, dass die Elektronik das Auto stets gegen Wegrollen sichert. Theoretisch lässt sich auch von einer erhöhten Zuverlässigkeit des Autos sprechen, da langes Stehen am Berg ohne angezogene Handbremse den Antriebsstrang des Fahrzeugs beschädigen kann. Ein weiterer Vorteil betrifft den Innenraum und ließe sich als ästhetisch-praktisch bezeichnen. Fahrzeuge ohne mechanische Handbremse bieten auf der Mittelkonsole mehr Platz, der sich etwa für Ablagefächer nutzen lässt, und außerdem sieht eine so aufgeräumte Mittelkonsole viel besser aus.

Im Octavia finden wir die elektronische Handbremse in Verbindung mit einem minimalistischen Shift-by-Wire-Automatikwählhebel, wodurch der Innenraum für die Insassen maximiert wird

Wollen Sie einen adaptiven Tempomaten mit Unterstützung für das Fahren im Stau? Dann geht das nur mit e-brake

Der letzte erwähnenswerte Bereich ist die Kombination der elektronischen Handbremse mit einem adaptiven Tempomaten mit Stop &go-Funktion, der für Sie im Stau vorrückt. Aus Sicherheitsgründen lässt sich dieses System nicht mit einer mechanischen Handbremse kombinieren. So verfügt zum Beispiel auch die neue Fabia zwar über einen Tempomaten mit Stop&go und kann selbstständig hinter einem vorausfahrenden Fahrzeug anhalten, doch nach wenigen Sekunden löst sich die Bremse und sie verlangt danach, dass der Fahrer auf der Bremse steht. Ein Auto, das mit einer elektronischen Handbremse ausgestattet ist, bleibt stehen, ohne Aufmerksamkeit einzufordern. Der Grund dafür ist wieder, dass das Auto mit einer mechanischen Handbremse keine Mechanismen hat, um es zu sichern, falls sich der Fahrer entscheidet auszusteigen.

Der Innenraum der neuen Fabia wird von einer klassischen mechanischen Handbremse geziert

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