Der Dolphin ist ein kompakter fünftüriger Hatchback mit 4290 mm Länge, also genau im Revier von Volkswagen ID.3 und MG MG4. Er basiert auf der eigenen Elektroplattform e-Platform 3.0 und wird von der prismatischen LFP Batterie BYD Blade angetrieben, die der Hersteller selbst fertigt. Das ist der Grund, warum der Dolphin fürs Geld so viel Technik bietet: Anders als europäische Marken muss BYD keine Zellen bei Dritten einkaufen.
Das Design ist seine größte Schwäche. Die runden Formen, kleinen Frontscheinwerfer und glatten Flanken wirken eher neutral als markant. Wer möchte, dass Passanten sein Elektroauto auf der Straße bewundern, greift woanders zu. Wer dagegen nicht auffallen will, wird schätzen, dass der Dolphin weder billig noch protzig wirkt. Die zweifarbige Karosserie mit schwarzem Dach steht ihm am besten.


Der Dolphin zielt klar auf Komfort. Das Fahrwerk ist weich abgestimmt, sodass es in der Stadt Schlaglöcher und Unebenheiten mit einer Souveränität schluckt, um die ihn Autos eine Klasse höher beneiden könnten. Hier ist der Dolphin zu Hause, und genau hier ergibt er am meisten Sinn. Der leise Lauf bei niedrigeren Geschwindigkeiten und die gute Dämmung machen ihn zu einem angenehmen Begleiter im Alltag.
Sobald man schneller fährt, wendet sich die weiche Abstimmung aber gegen einen. Auf der Autobahn neigt sich die Karosserie bei Richtungswechseln, und das Auto wirkt weniger stabil, als man erwarten würde. Die 150 kW Leistung reichen dem kompakten Hatchback mehr als aus, der Sprint auf 100 km/h gelingt in 7,0 Sekunden, doch die Vorderachse kommt damit nicht immer zurecht und lässt die Räder bei flotterem Anfahren durchdrehen. Die Lenkung ist für die Stadt präzise genug, bietet aber wenig Rückmeldung. Der Dolphin ist schlicht kein Auto, das man wegen der Fahrfreude kauft, und er versucht es auch nicht.
Die meiste Kritik kassieren allerdings die Assistenzsysteme. Der Spurhalteassistent zieht zu aggressiv am Lenkrad, die Erkennung von Tempolimits meldet Unsinn, und das Auto piept praktisch ununterbrochen wegen irgendetwas. Das britische Magazin Parkers fasste es treffend zusammen: „Die Spurhalte- und Notlenkassistenten sind allzu eifrig und lenken einen in den Gegenverkehr, wenn man sich dem Fahrbahnrand nähert.“ Die meisten Besitzer und Tester schalten diese Systeme bei jeder Fahrt ab. Das Problem ist, dass sie sich nach jedem Start wieder von selbst aktivieren.

Die tschechische Spezifikation des Dolphin ist zum Glück einheitlich. Unter dem Boden sitzt eine 60,4kWh LFP Batterie Blade, vorn arbeitet ein Elektromotor mit 150 kW (204 PS) und 310 Nm Drehmoment. Die WLTP-Reichweite beträgt 427 km, was im realen Betrieb rund 380 bis 400 km bedeutet. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 160 km/h begrenzt.
Der Verbrauch ist eine der großen Stärken des Dolphin. Im realen Betrieb liegt er meist um 16 kWh pro hundert Kilometer, was für ein Auto dieser Größe ein sehr guter Wert ist; im Winter oder auf der Autobahn steigt er natürlich. Ein polnischer Dauertest maß in der Stadt 13,5 bis 16,5 kWh, auf der Autobahn kletterte der Verbrauch aber auch auf 24 kWh. Am besten versteht sich der Dolphin also mit Stadtverkehr und Landstraßen.

Die Schwäche ist das Schnellladen. Die maximale DC-Leistung liegt nur bei 88 kW, und das Laden von 10 auf 80 Prozent dauert mehr als 40 Minuten. Bei einer kleinen Batterie stört das in der Stadt nicht, auf langen Strecken verliert der Dolphin aber gegenüber Rivalen, die 120 und mehr Kilowatt schaffen. Das Wechselstromladen an der Wallbox gelingt mit angenehmen 11 kW. Achten Sie auf ein Detail: Ein tschechischer Händler nennt beim DC-Laden 150 kW, unabhängige Tests bestätigen aber wiederholt ein reales Limit um 88 kW. Mit der höheren Zahl sollte man also nicht rechnen.
Hier überrascht der Dolphin am meisten. Dank ebenem Boden und 2700 mm Radstand bietet er hinten ein Platzangebot, das man bei einem 4,3 Meter langen Auto nicht erwarten würde. Zwei Erwachsene über 180 cm sitzen problemlos hintereinander, also auf dem Niveau von Volkswagen ID.3 oder Renault Mégane E-Tech. Für eine Familie mit Kindern ist das ein idealer Stadtpartner.

Die Materialien sind besser, als viele von einem chinesischen Auto erwarten würden, auch wenn die Konsistenz schwankt: weiche Kunststoffe in Reichweite wechseln sich weiter unten mit härteren ab. Das zentrale Display ist groß, scharf und lässt sich vom Quer- ins Hochformat drehen. Das ist ein effektvoller Trick, dessen praktischer Nutzen aber diskutabel bleibt. Schlechter ist, dass die Bedienung über den Touchscreen unübersichtlich und tief in Menüs vergraben ist. Klassisches Beispiel: Der Lautstärkeregler dient zugleich als Stummschalter, sodass man ihn versehentlich stumm schaltet, wenn man eigentlich nur lauter drehen will. Pluspunkte sammelt der Dolphin mit der praktischen V2L-Funktion, über die sich externe Verbraucher aus der Batterie speisen lassen.
Die Praxistauglichkeit hat eine Schwäche: Der Kofferraum mit 345 Litern Volumen ist für die Klasse unterdurchschnittlich. MG4 und ID.3 bieten spürbar mehr. Für die Stadt und den normalen Einkauf reicht das, für den großen Urlaub zu viert muss man aber mit Bedacht packen. Ein Detail, das auch Besitzer nervt, ist die Sicht über die kräftigen A-Säulen sowie Bremsleuchten, die nur in der Heckklappe sitzen.

Die Ausstattung gehört zum Stärksten, was der Dolphin bietet. Schon der Basis-Comfort hat adaptiven Tempomat, schlüssellosen Zugang, ein Kamerasystem mit Rundumsicht und einen großen hochauflösenden Touchscreen. Für das Geld, das man bei europäischen Konkurrenten für eine nackte Basisversion ausgeben würde, bekommt man im Dolphin praktisch Vollausstattung.

Die schwächere Seite ist die Software. Apple CarPlay und Android Auto sind zwar an Bord, doch die Konnektivität zickt gelegentlich. Die britische Redaktion von Electrifying.com beschrieb, dass CarPlay schon bei der Übernahme des Autos nicht funktionierte und weder ein Update noch ein neues Kabel oder ein Systemreset halfen, sodass BYD das Auto zur Untersuchung mitnahm. Andererseits verteilt BYD Over-the-Air-Updates (OTA), die viele anfängliche Schwächen nach und nach ausgebügelt haben, einschließlich des übertrieben lauten künstlichen Motorgeräuschs.
Im Euro NCAP Crashtest holte der BYD Dolphin im Jahr 2023 volle fünf Sterne. Der Insassenschutz für Erwachsene erreichte 89 Prozent, der Kinderschutz 87 Prozent, der Schutz von Fußgängern und Radfahrern 85 Prozent und die Sicherheitsassistenten 79 Prozent. Das ist ein sehr solides Ergebnis, das den Dolphin auf eine Stufe mit etablierten europäischen Rivalen stellt. Paradox bleibt, dass gerade jene Sicherheitsassistenten, die im Test zur Punktzahl beigetragen haben, in der Praxis das sind, was Besitzer wegen übertriebenen Eifers am häufigsten abschalten.
Für eine seriöse Bewertung der Zuverlässigkeit ist der Dolphin noch zu neu. In Europa wird er seit 2023 verkauft, deshalb taucht er weder in TÜV-Rankings noch in langfristigen Pannenstatistiken bereits auf. Einen Datenpunkt gibt es aber: In der Zufriedenheitsumfrage des niederländischen Verbraucherverbands Consumentenbond erzielte die Marke BYD überdurchschnittliche 8,4 von 10 Punkten. Die britische Driver Power 2025 Umfrage stufte BYD dagegen unter die am schlechtesten bewerteten Marken ein. Das Bild ist also widersprüchlich und hängt stark vom jeweiligen Markt und den Erwartungen ab.
Zum Kontext: Im September 2024 rief BYD rund 96 tausend Dolphin und Yuan Plus wegen des Risikos eines Kurzschlusses im Steuergerät der Servolenkung zurück. Diese Rückrufaktion betraf allerdings ausschließlich den chinesischen Markt; europäische oder tschechische Fahrzeuge waren nach den verfügbaren Informationen nicht betroffen. Die Garantie ist dagegen ein starkes Argument: BYD gibt auf das Auto 6 Jahre oder 150 000 km und auf die Batterie 8 Jahre oder 250 000 km bei Erhalt von mindestens 70 Prozent Kapazität.
Ein professioneller Test dauert eine Woche, ein Besitzer lebt jahrelang mit dem Auto. Deshalb haben wir Dauertests und Besitzerberichte aus Großbritannien, Neuseeland, Australien und Brasilien durchgesehen, um herauszufinden, wie sich der Dolphin nach Tausenden Kilometern schlägt.
Das stärkste Thema über Besitzerberichte hinweg sind die unerwartete Haltbarkeit und die Verarbeitungsqualität. Ein Redakteur des britischen Auto Express verbrachte ein halbes Jahr und 9700 km mit dem Dolphin ohne einen einzigen Defekt und räumte ein: „Alle Befürchtungen, ein chinesisches Auto könne qualitativ nicht mit europäischen Rivalen mithalten, verflogen schnell.“ Besonders überzeugend ist der Fall eines brasilianischen Autos, das als geteiltes Taxi eingesetzt wurde, 220 000 km praktisch problemlos absolvierte und weiterhin die volle Reichweite anzeigt. Das deutet auf eine sehr gute Lebensdauer der LFP Batterie Blade hin. Besitzer loben außerdem immer wieder die reale Reichweite, die den WLTP-Wert oft übertrifft, den geräumigen Innenraum und das komfortable Fahrwerk.

Die eindeutig häufigste Beschwerde betrifft die übertrieben eifrigen Assistenten. Ein Tester des neuseeländischen Driven Car Guide klagte nach drei Monaten, dass „der Spurhalteassistent zu eifrig und manchmal regelrecht aggressiv und ruckartig ist“ und dass die Tempolimit-Warnung unzuverlässig sei. Der zweithäufigste Kritikpunkt betrifft die unübersichtlichen Menüs und den unglücklichen Lautstärkeregler, der auch als Stummschalter arbeitet. Das dritte wiederkehrende Thema ist das langsame DC-Laden, das Besitzer als Haupthürde für längere Reisen wahrnehmen. Dazu kommen kleinere Kritikpunkte an der Sicht, Windgeräuschen von den A-Säulen oberhalb von 80 km/h und weniger griffigen Reifen bei der stärkeren Version.

Dort, wo ein echter Defekt auftrat, bekamen ihn Besitzer meist problemlos gelöst. Ein australischer Besitzer aus Perth beschrieb auf dem Portal TheDriven.io, wie bei seinem Auto im Rahmen der Garantie der Gurtstraffer getauscht, der Spurhalteassistent und der Totwinkelradar neu kalibriert wurden, und schloss: „Meine Erfahrung war durchweg positiv. Der Dolphin ist der Liebling der ganzen Familie und ein großartiges Auto.“ Das Servicenetz von BYD in Tschechien ist zwar weiterhin kleiner als bei etablierten Marken, die lange Garantie gibt künftigen Besitzern aber eine solide Absicherung.

Die Konkurrenz im Segment der kompakten Elektroautos ist hart. Die wichtigsten Rivalen sind MG MG4, Volkswagen ID.3 und CUPRA Born. Alle drei bieten zudem Hinterradantrieb, der sich bei einem Elektroauto fahrdynamisch meist angenehmer anfühlt als der Vorderradantrieb des Dolphin.
Die Tabelle zeigt, wo beim Dolphin der Schuh drückt: Für ähnliches Geld bietet er einen kleineren Kofferraum und deutlich langsameres Laden als die europäischen Rivalen. Er kontert mit reichhaltigerer Serienausstattung und niedrigem Verbrauch. Den ausführlichen Vergleich des BYD Dolphin mit seinen Rivalen finden Sie in unserem Vergleichstool.
Wenn Sie vor allem für die Stadt und die Umgebung ein geräumiges und gut ausgestattetes Elektroauto suchen, bei dem Sie komfortables Fahrwerk, niedrigen Verbrauch und lange Garantie schätzen, ist der Dolphin eine sehr vernünftige Wahl. Er passt zu Familien, die hinten Platz brauchen, und zu Fahrern, denen Optik und das letzte Wort in Sachen Dynamik egal sind.
Wenn Sie dagegen häufig längere Strecken fahren und schnell nachladen müssen, wird Sie das langsame DC-Laden ausbremsen; ID.3 oder CUPRA Born leisten Ihnen dann bessere Dienste. Und wenn Sie aufdringliche Assistenten nerven und Sie ein Auto wollen, das in Kurven Spaß macht, sollten Sie sich nach einem Hecktriebler umsehen. Der Dolphin ist ein ehrlicher Pragmatiker: Er blendet nicht, bietet fürs Geld aber überraschend viel.