Der C10 ist ein kantiges SUV der Mittelklasse mit einer Länge von 4739 mm und einem Radstand von 2825 mm. Designmäßig setzt er auf klare Flächen, eine glatte Front mit durchgehendem Lichtband und zurückhaltende Linien, die das Fahrzeug optisch verkleinern. Keine auffälligen Kanten oder aggressiven Kühlergrills, eher nordische Zurückhaltung. Er wirkt erwachsener als so manche andere chinesische Neuheit und sieht auf der Straße nicht billig aus.

Die Marke Leapmotor wird in Tschechien von P Automobil Import vertreten, hinter dem der Stellantis-Konzern und das Servicenetz von Emil Frey stehen. Das ist bei einer chinesischen Neuheit ein entscheidender Unterschied gegenüber Direktimporteuren: Hinter dem C10 steht eine etablierte europäische Struktur, kein einmaliger Vertriebspartner. Die Garantie beträgt 5 Jahre oder 150 000 km auf das Fahrzeug und 8 Jahre auf die Antriebsbatterie.
Der C10 ist klar auf Komfort ausgelegt. Die Federung schluckt Unebenheiten weich, auf der Autobahn ist die Kabine leise und das Fahrzeug wirkt satt auf der Straße. Der Hinterradantrieb verleiht dem Fahrwerk eine Ausgewogenheit, die man in dieser Preisklasse nicht erwartet. Sobald man jedoch in der Kurve mehr Tempo gibt, zeigt sich die Seitenneigung der Karosserie, und das Auto macht deutlich, dass dynamisches Fahren nicht seine Disziplin ist. Die Lenkung ist leichtgängig und ohne ausgeprägte Rückmeldung. Wer ein sportliches Fahrwerk sucht, greift woanders zu; wer einen ruhigen Autobahn-Cruiser für die Familie will, wird zufrieden sein.

Die größte Kritik aus Tests und von Besitzern richtet sich gegen die Assistenzsysteme. Der adaptive Tempomat bremst unnötig vor Kurven und reagiert übertrieben auf einscherende Fahrzeuge, der Spurhalteassistent ist nervös. Viele Nutzer schalten sie deshalb zu Beginn jeder Fahrt aus. Leapmotor hat einen Teil der Kritikpunkte per Over-the-Air-Update behoben, die Feinabstimmung hinkt aber der europäischen Konkurrenz hinterher.
Die Basis-Elektroversion des C10 hat eine Batterie mit 69,9 kWh und eine angegebene Reichweite von 425 km. In der Praxis muss man jedoch mit einem Puffer rechnen: In der Stadt liegt der Verbrauch bei rund 17 bis 18 kWh auf 100 km, auf der Autobahn bei 120 km/h schnellt er jedoch auf 24 bis 26 kWh hoch, sodass die reale Reichweite auf langen Strecken unter 300 km fällt. Die größte Schwäche ist die Ladegeschwindigkeit. Das Gleichstromladen schafft maximal 84 kW, was nach heutigen Maßstäben wenig ist und an Autobahn-Ladestationen längere Wartezeiten bedeutet als bei der Konkurrenz. Die leistungsstärkeren Versionen Pro Max und AWD fahren bereits mit 800-V-Architektur und laden deutlich schneller, bis zu 180 kW.

Die REEV-Version ist die interessanteste Lösung für alle, die sich vor dem Laden fürchten. Elektrisch schafft er laut Hersteller 145 km (real eher 100 bis 130 km), und wenn die Batterie leer ist, springt der Benzingenerator ein und die Gesamtreichweite verlängert sich auf bis zu tausend Kilometer. Der Haken liegt in der Effizienz: Sobald das Auto rein über den Generator fährt, liegt der Verbrauch bei etwa 6 bis 8 Litern auf 100 km, was mehr ist als bei einem klassischen Hybrid. Europäische Rezensenten lobten den kultivierten und leisen Lauf des Generators, während Tester aus Übersee sich bei starker Beschleunigung über seine Lautstärke beschwerten. Der REEV ergibt daher vor allem für jene Sinn, die die meisten Kilometer elektrisch zurücklegen und Benzin nur für gelegentliche Langstreckenfahrten nutzen.
Der Innenraum des C10 ist eine Überraschung. Materialqualität, Nähte und die gesamte Verarbeitung wirken eine Klasse höher, als der Preis vermuten lässt. Die auffällige violette (Aubergine-)Polstervariante verleiht der Kabine einen unerwartet premiumhaften Charakter. Der Platz im Fond liegt auf dem Niveau des Enyaq oder des Model Y, der Boden ist flach und das Panoramadach lässt die Kabine hell wirken.

Die Serienausstattung ist reichhaltig: beheizte und belüftete Sitze, ein Kamerasystem mit Rundumsicht, eine eingebaute Dashcam. Zwei Haken schmälern den sonst sehr guten Eindruck. Der Kofferraum mit 435 Litern Volumen ist für die Fahrzeuggröße eher unterdurchschnittlich und sinkt bei der REEV-Version auf 400 Liter. Und den Zugang zum Auto regeln statt eines klassischen Schlüssels eine Karte oder eine App – eine Lösung, die Besitzer über alle Märkte hinweg als lästigste Eigenschaft des C10 bezeichnen.

Das Zentrum des Armaturenbretts wird von einem 14,6-Zoll-Touchscreen beherrscht, ergänzt durch ein kleineres Instrumentendisplay vor dem Fahrer. Das System ist flott und grafisch gelungen, aber es steuert praktisch alles, einschließlich Klimaanlage und Beleuchtung, sodass man während der Fahrt erst Gewöhnung braucht. Der Sprachassistent kann bislang kein Tschechisch.

Das größte technologische Manko ist das Fehlen von Apple CarPlay und Android Auto. Bei einem Auto für fast eine Million Kronen, das sich sonst an moderne Kunden richtet, ist das ein spürbares Defizit, das sowohl Rezensenten als auch Besitzer kritisieren. Leapmotor setzt auf eine eigene, integrierte Navigation und Over-the-Air-Updates, die laut Forenberichten aber gelegentlich unter Kinderkrankheiten leiden, von sich wiederholenden Installationsschleifen bis zu Problemen beim Koppeln der App.
Der Leapmotor C10 hat im Euro-NCAP-Test die volle Punktzahl von fünf Sternen erhalten. Konkret 89 % für den Erwachsenenschutz, 85 % für den Kinderschutz, 77 % für den Schutz von schwächeren Verkehrsteilnehmern und 76 % für die Assistenzsysteme. Die Fünf-Sterne-Bewertung stammt jedoch aus einem im Dezember 2024 durchgeführten Test, also nach der bis Ende 2025 gültigen Methodik. Euro NCAP hat die Regeln ab 2026 grundlegend verschärft, sodass das ältere Fünf-Sterne-Ergebnis nichts darüber aussagt, wie sich das Fahrzeug in der neuen, strengeren Methodik schlagen würde.
Für eine Bewertung der Langzeitzuverlässigkeit ist der C10 bislang zu neu, TÜV-Statistiken oder ähnliche unabhängige Rankings sagen noch nichts über ihn aus. Der Rückhalt durch Stellantis und das Servicenetz von Emil Frey verschaffen ihm aber eine bessere Ausgangsposition als Marken ohne europäische Struktur. Die Garantie von 5 Jahren oder 150 000 km auf das Fahrzeug und 8 Jahren auf die Batterie gehört zum besseren Durchschnitt.

Erste Erfahrungen von Besitzern zeigen, dass die Hardware hält, die Software aber noch reift. In Foren tauchen Berichte über sich wiederholende Update-Schleifen auf, vereinzelt auch über den Austausch des Lademoduls mit längeren Wartezeiten auf das Ersatzteil. Ein flächendeckender Rückruf für den C10 wurde bislang nicht ausgerufen.
Professionelle Tests fahren das Auto eine Woche, Besitzer leben monatelang damit. Wir haben Erfahrungen aus Langzeittests und Besitzerforen in Großbritannien, Irland, Australien und Neuseeland gesammelt, um das Bild vom realen Leben mit dem C10 zu vervollständigen.

Das tschechische Interesse am C10 entspricht bislang einer frühen Verkaufsphase. Im Jahr 2025 wurden rund 32 Fahrzeuge zugelassen, wobei die überwiegende Mehrheit auf Firmenkunden und den Importeur selbst, P Automobil Import, entfiel, der die größte Einzelanzahl an Stück als Vorführ- und Zulassungsfahrzeuge verbuchte. Im Jahr 2026 ändert sich das Bild jedoch: Die Zahl der Zulassungen steigt, und zum ersten Mal werden Privatpersonen zur größten Gruppe, auf die in den ersten Monaten über vierzehn Fahrzeuge zugelassen wurden. Der C10 beginnt also, echte Endkunden zu erreichen, nicht nur Firmen- und Händlerflotten.
Im Segment der elektrischen Mittelklasse-SUV setzt der C10 auf einen niedrigen Preis. Gegenüber Benchmarks wie dem Škoda Enyaq oder dem Tesla Model Y bietet er vergleichbaren Platz und vergleichbare Reichweite für deutlich weniger Geld, wenn auch um den Preis eines langsameren Ladens und weniger ausgereifter Software.
Einen detaillierten Vergleich bietet unser Vergleichsrechner Leapmotor C10 vs. Škoda Enyaq vs. Tesla Model Y. Von den verwandten Modellen der Marke haben wir auch den kleineren Leapmotor B10 und den städtischen Leapmotor T03 getestet.
Wer ein großes, geräumiges und ordentlich ausgestattetes Elektro-SUV für möglichst wenig Geld sucht und sich weder an einem langsameren Laden noch am fehlenden CarPlay stört, für den ist der C10 eines der attraktivsten Angebote auf dem Markt. Die REEV-Version ergibt zudem für jeden Sinn, der sich vor dem Laden fürchtet oder häufig lange Strecken fährt und sich nicht mit Ladestopps beschäftigen möchte.
Wenn Ihnen schnelles Laden, ausgereifte Assistenzsysteme, ein sportliches Fahrverhalten wichtig sind oder Sie unbedingt Apple CarPlay wollen, zahlen Sie besser für einen der europäischen oder softwaremäßig besser abgestimmten Rivalen mehr. Der C10 ist eine ausgezeichnete Basis mit einigen unfertigen Details, und gerade der Preis macht ihn zu einem Auto, das es sich lohnt, auf die Liste zu setzen.