Leapmotor ist kein Name mit tiefen Wurzeln in Tschechien. Verkauft wird der B10 hier jedoch direkt von Stellantis — über das Händlernetz des französisch-italienisch-amerikanischen Konzerns. Man kauft also ein chinesisches Elektroauto, Garantie- und Nachgarantieservice übernimmt aber eine Struktur, an die tschechische Kunden gewöhnt sind. Im Jahr 2025 wurden in Tschechien 10 neue B10 zugelassen — eine Zahl, die sich mit wachsendem Händlernetz und steigender Markenbekanntheit schnell ändert.
Der B10 misst 4 515 mm in der Länge und 1 885 mm in der Breite. Er ist damit fest in der Kategorie der kompakten Elektro-SUVs verankert — gleiche Abmessungen wie der Škoda Elroq oder der Renault Scenic, aber ein deutlich anderer Preis. Design-technisch begeistert er niemanden: Die Karosserie ist sauber, neutral, ohne ausgeprägten Charakter. Die versenkbaren Türgriffe wirken modern, gehören aber zu den ersten Punkten, bei denen Tester den Kopf schütteln — sowohl wegen der Praxistauglichkeit als auch wegen kommender regulatorischer Fragen in der EU.

Steigt man in den B10 ein, ist der erste Eindruck: Luft. Die Kabine wirkt luftiger, als es die Außenmaße vermuten lassen. Fondpassagiere mit 185 cm Körpergröße haben genug Bein- und Kopffreiheit. Das ist kein Zufall: Die Batterie ist direkt in die Bodenstruktur integriert (Cell-to-Chassis-Architektur), wodurch Leapmotor Zentimeter in der Höhe der Bodenwanne eingespart und dorthin verlagert hat, wo Passagiere sie zu schätzen wissen. Bei der Beinfreiheit im Fond zählt der B10 zu den Besten im Segment.
Die Federung ist auf Komfort ausgelegt — in einem Sinne, den ein Berufspendler oder ein Ausflügler zu schätzen weiß, kein Rennfahrer. Auf schlechten Straßen dämpft sie Unebenheiten angenehm weg. In schnellen Kurven legt sich die Karosserie stärker in die Kurve, als man erwarten würde, und Autokult.pl brachte es treffend auf den Punkt: „Die stabile 50:50-Gewichtsverteilung hilft, aber die Traktion der Räder bei Nässe verlangt Respekt.“
Die Lenkung ist die größte Schwäche des Autos — das zeigt jeder Test. Man dreht das Lenkrad, und das Auto biegt in die richtige Richtung ab, aber Rückmeldung gibt es praktisch keine. Es ist, als hätte man einen Sinn verloren. Bei langsamer Fahrt stört das nicht, aber wer schon einmal einen Volkswagen oder Škoda gefahren ist, wird die ersten Tage das fehlende Fahrerlebnis spüren. Für die meisten Alltagsfahrten erledigt der B10 seine Aufgabe dennoch zuverlässig.
Das Video ist auf Slowakisch.
In realen Tests liegt der Verbrauch im gemischten Betrieb zwischen 13 und 17 kWh/100 km — ein ausgezeichnetes Ergebnis, das den effizientesten Autos des Segments entspricht. Auf der Autobahn bei 130 km/h springt der Wert auf 21–24 kWh/100 km, und die reale Reichweite sinkt auf 250–300 km. Wer regelmäßig längere Strecken plant, muss das einkalkulieren.
Die 168-kW-DC-Ladeleistung ist ein starkes Argument: Von 10 auf 80 % laden Sie in etwa 24 Minuten, wobei die Ladekurve stabil bleibt und nicht unnötig früh einbricht. Damit übertrifft der B10 sowohl den Škoda Elroq (135 kW) als auch den VW ID.4 (135 kW). Über AC laden Sie mit maximal 11 kW, was im Segment Standard ist. Eine Wärmepumpe gehört zur Ausstattung — die Wintereffizienz ist deshalb besser als bei Autos ohne diese Komponente.
Im Mittelpunkt des Interieurs steht ein 14,6 Zoll großer Zentraldisplay — groß, flott und mit einer ausreichend intuitiven Benutzeroberfläche. Zusammen mit dem Kombiinstrument bildet er ein Doppeldisplay, das optisch an Premiumautos zum doppelten Preis erinnert. Das Problem liegt woanders: Physische Tasten sind Mangelware. Die Einstellung der Außenspiegel, die Sitzneigung, die Klimaanlage — alles läuft über den Touchscreen. Wer diese Philosophie von Tesla kennt und mag, wird zufrieden sein. Wer eine konventionellere Bedienung erwartet, wird in den ersten Tagen an Frustration nicht vorbeikommen.
Update aus der Praxis: Unser Leser Zdeněk Hruška, der den B10 persönlich getestet hat, weist auf einige Details hin, die in Tests nicht zur Sprache kommen. Es fehlen abblendbare Außenspiegel und höhenverstellbare Sicherheitsgurte — zwei Dinge, die bei europäischer Konkurrenz in dieser Preisklasse üblicherweise selbstverständlich sind. Ein eigenes Kapitel ist das Kombiinstrument an der Lenksäule: Für Brillenträger ist es zu nah positioniert, sodass sie ständig zwischen Display und Straße neu fokussieren müssen. „Ansonsten würde ich die Fahrt als sehr flott und angenehm bewerten,“ fügt er hinzu — was bestätigt, dass die grundlegenden Fahreigenschaften des B10 stimmen, die ergonomischen Details aber noch Feinschliff brauchen.

Der Kofferraum fasst etwa 420–430 Liter, nach dem Umklappen der Rücksitze wächst er auf rund 1 700 Liter. Es fehlt eine Skidurchreiche, die Laderaumorganisation ist rudimentär. Einen Heckscheibenwischer hat das Auto nicht — ein kleines Detail, das bei Regenwetter im Alltag die Sicht erschwert. Ein vorderer Stauraum (Frunk) ist vorhanden, aber mit 25 Litern werden ihn nur Optimisten zu schätzen wissen. Kabelloses Laden fürs Smartphone und ein Panoramadach gehören zur Serienausstattung.

Die LEAP-3.5-Plattform, auf der der B10 basiert, ist ingenieurtechnisch interessant: Statt der bei europäischen Autos üblichen siebzig Steuergeräte kommt der B10 mit nur 23 aus. Das Ergebnis ist eine schnellere Kommunikation zwischen den Systemen und — auf dem Papier — höhere Zuverlässigkeit. In der Praxis bedeutet das flotte Reaktionen des Infotainments und der aktiven Assistenzsysteme.
Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabelgebunden. Die kabellose Version sowie One-Pedal-Driving fehlen bislang — beides wird per OTA-Update nachgereicht. Die Navigation mit Echtzeit-Verkehrsinformationen funktioniert gut, OTA-Software-Updates sind Standard.
Das Zugangssystem zum Auto verdient eine besondere Erwähnung — und nicht im positiven Sinne. Eine RFID-Karte statt eines klassischen Schlüssels oder eines Keyless-Systems wirkt anachronistisch und hat sich in Tests als unzuverlässig erwiesen: Die Kopplung mit der App dauert lange, die Karte nutzt sich physisch ab, und die Verbindung zum Smartphone versagt gelegentlich. Ein Keyless-Zugang fehlt in diesem Preissegment.
Euro NCAP verlieh dem B10 fünf Sterne — ein Ergebnis, das für sich spricht. Aktive Sicherheitssysteme (Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung) gehören zur Serienausstattung. Der Elchtest wurde erfolgreich bei 79 km/h absolviert — ein Ergebnis über dem Segmentdurchschnitt. Sicherheit ist also kein Bereich, an dem Leapmotor spart.
Die Fahrassistenten sind ab Werk empfindlich eingestellt, ihre Deaktivierung erfolgt über das Displaymenü — für erfahrene Fahrer nervig, für den gewöhnlichen Alltagsgebrauch in Ordnung.
Für eine Bewertung der Langzeitzuverlässigkeit ist der Leapmotor B10 noch zu neu — die ersten Fahrzeuge kamen erst in der zweiten Jahreshälfte 2025 nach Europa, und weder TÜV noch Consumentenbond verfügen bislang über eine ausreichende Datenbasis. Leapmotor bietet 8 Jahre oder 160 000 km Garantie auf die Batterie — eine solide Zusage, vergleichbar mit chinesischer und südkoreanischer Konkurrenz. Garantiereparaturen deckt das Servicenetz von Stellantis ab, die Erfahrung der Techniker mit dem Modell baut sich jedoch erst noch auf.

Detaillierter Vergleich Leapmotor B10 vs. Elroq vs. ID.4 vs. Scenic in unserem Vergleichstool →
Der Leapmotor B10 wird in Europa erst seit Frühjahr 2026 verkauft, direkte Erfahrungsberichte von Besitzern gibt es daher kaum. Professionelle Tests aus Großbritannien und Australien haben jedoch bereits systematische Probleme aufgedeckt.
Parkers UK bezeichnet den B10 als „Value-Champion“ — angenehm unperfekt, aber für den gebotenen Preis überraschend komfortabel. Das australische CarExpert lobt die Geräumigkeit, das schnelle Laden und die leise Fahrt in der Stadt. Das Verhältnis von Preis zu Platzangebot zählt zu den besten im Segment.
Das ADAS ist aggressiv und schwer abzuschalten — der Spurhalteassistent zwingt das Fahrzeug ständig mit einer Reihe „nicht gerade sanfter Korrekturen“ zurück in die Spur, und selbst nach dem Ausschalten bleibt ein Restsystem aktiv. Die Einstellung muss nach jedem Start erneut vorgenommen werden. Der Touchscreen steuert alles, einschließlich Außenspiegel und Klimaanlage — ohne physische Tasten ist das langsam und lenkt vom Fahren ab.
Frühe Fahrzeuge rollen auf LingLong-Reifen, die überraschend früh an Haftung verlieren — spätere Serien wechselten zu Nexen-Reifen mit deutlich besserer Nässetraktion.
In Europa vertreibt Leapmotor über Stellantis — den Service übernehmen Citroën/Peugeot-Händler, was in puncto Verfügbarkeit besser ist als bei den meisten chinesischen Marken. Die Langzeitzuverlässigkeit ist bislang noch nicht erwiesen.
Der B10 ist ein Auto für Familien, die ein geräumiges Elektro-SUV zum vernünftigen Preis wollen und sich nicht darum kümmern, ob das Logo auf der Motorhaube die Nachbarn beeindruckt. Wer zur Arbeit pendelt, überwiegend in der Stadt unterwegs ist und hin und wieder einen längeren Ausflug unternimmt, für den erledigt der B10 seine Aufgabe zuverlässig. Die 168-kW-Ladeleistung sorgt dafür, dass Stopps an Schnellladern kürzer ausfallen als bei den meisten Konkurrenten.
Wer Fahrspaß und dynamisches Handling sucht, sollte den B10 links liegen lassen. Wer auf Keyless-Zugang ohne RFID-Komplikationen besteht, wem der fehlende Heckscheibenwischer stört oder wer One-Pedal-Driving sofort und nicht erst nach einem OTA-Update braucht — der sollte Alternativen in Betracht ziehen. Wer aber maximalen Platz für minimales Geld mit fünf NCAP-Sternen und 168-kW-Laden möchte: Der Leapmotor B10 ist einen ernsthaften Showroom-Besuch wert.