Dacia plant für 2027 den städtischen Elektro-Kleinwagen Hipster, der weniger als 15.000 Euro kosten soll. Doch seine Produktion soll laut Informationen von Auto Plus im chinesischen Shiyan stattfinden — und das zu einem Zeitpunkt, an dem Brüssel gerade das „Made in Europe“-Gesetz verabschiedet hat, das für den Erhalt von Subventionen einen Anteil von 70 % europäischer Teile verlangt.
Der im Oktober 2025 als Konzept vorgestellte Hipster misst nur drei Meter in der Länge und wiegt rund 800 Kilogramm. Laut dem Konzept verzichtet er auf einen großen Touchscreen, eine Klimaanlage und fortschrittliche Assistenzsysteme. Stattdessen bietet er vier Sitzplätze, einen Bluetooth-Lautsprecher und Fensterkurbeln. Die Reichweite wird auf etwa 180 Kilometer geschätzt.
Die Höchstgeschwindigkeit wird voraussichtlich auf 90 km/h begrenzt. Formal könnte der Hipster in die Kategorie der leichten Vierradfahrzeuge (L7e) fallen, was weniger strenge Zulassungsanforderungen und niedrigere Produktionskosten bedeuten würde.

Renault erwägt die Produktion im Werk des Gemeinschaftsunternehmens eGT New Energy Automotive im chinesischen Shiyan, Provinz Hubei. An dem Unternehmen sind Renault (25 %), Nissan (25 %) und der chinesische Partner Dongfeng (50 %) beteiligt. Auf denselben Bändern werden die Dacia Spring und ihr Schwestermodell Renault City K-ZE montiert, deren Produktion enden soll. Der Hipster würde sie auf dem Band ersetzen.
Der Grund ist wirtschaftlicher Natur. Laut von Auto Plus zitierten Schätzungen liegen die Produktionskosten in China bis zu 30 % niedriger als in Europa. Bei einem Fahrzeug für unter 15.000 Euro kann dieser Unterschied darüber entscheiden, ob das Projekt überhaupt rentabel ist.
Das Timing ist brisant. Die Europäische Kommission hat kürzlich die „Made in Europe“-Regeln verabschiedet, die Subventionen für Elektroautos an einen Mindestanteil von 70 % europäischer Komponenten knüpfen. Gleichzeitig erhebt die EU zusätzliche Zölle auf in China produzierte Elektroautos.
Renault argumentiert jedoch, dass die Regel zum lokalen Wertschöpfungsanteil auf Ebene des gesamten Portfolios berechnet werden sollte und nicht Modell für Modell. Sollte die Kommission diesen Ansatz akzeptieren, könnte Renault den chinesischen Hipster durch europäische Modelle wie den Renault 5 oder den Renault 4 E-Tech ausgleichen, die in Frankreich und Slowenien produziert werden.

Die EU bereitet außerdem Anpassungen der Regeln für kleine und leichte Elektroautos vor. Jedes verkaufte Fahrzeug in der neuen Kategorie könnte bei der Berechnung der Flotten-CO2-Emissionen als 1,3 Fahrzeuge zählen — sogenannte Superkredite, die bis 2034 gelten sollen. Für Renault wäre der Hipster nicht nur ein günstiges Auto für Kunden, sondern auch ein Instrument zur Senkung der durchschnittlichen Emissionen der gesamten Flotte.
Wie Auto Plus anmerkt, könnte dieser Mechanismus jedoch auch chinesischen Herstellern Tür und Tor öffnen, die genau solche kleinen und günstigen Elektroautos nach Europa schicken würden — genau das, was Brüssel mit Zöllen und lokalen Regeln zu verhindern versucht.
| Parameter | Dacia Hipster (Schätzung) | Dacia Spring (2025) |
|---|---|---|
| Länge | 3 000 mm | 3 734 mm |
| Gewicht | ~800 kg | ~1 000 kg |
| Reichweite (WLTP) | ~180 km | 225 km |
| Höchstgeschwindigkeit | 90 km/h | 125 km/h |
| Preis (Schätzung) | unter 15 000 € | ab 16 990 € |
| Produktion | Shiyan, China (geplant) | Shiyan, China |
| Verkaufsstart | Ende 2027 | seit 2021 |
Offen bleibt, ob der Hipster als potenzielles Vierradfahrzeug über das reguläre Händlernetz verkauft werden kann und unter welchen Bedingungen er den EU-Zöllen unterliegt. Die Antworten hängen von der endgültigen Zulassungskategorie ab — und davon, ob Brüssel Renaults Argumentation zu den Flottenregeln akzeptiert.