
Der Focus ist ein sehr ansehnliches Auto der Kompaktklasse. In der Kombi-Variante ist er jedoch spürbar gewachsen, um genügend Platz für Gepäck zu bieten. In der Länge ist er fast 30 cm länger als der Hatchback, und der Kombi ist dadurch so gewachsen, dass er nur 2 cm kürzer ist als der Škoda Octavia. Den Radstand hat der Focus sogar um 14 mm länger. Daraus ergibt sich, dass er innen ähnlich geräumig sein dürfte, einschließlich des Kofferraums, der nur 5 Liter weniger fasst als der tschechische Rekordhalter, also 635 Liter. Der Focus war schon immer neben einem Familienauto auch das Auto, das in seiner Klasse die besten Fahreigenschaften und den größten Fahrspaß bietet. Welche Trümpfe kann der Focus mit dem Eins-Liter-Motor in dieser Hinsicht ausspielen?

Vor uns steht ein blauer Wagen auf großen 18-Zoll-Rädern mit 235 mm breiten Reifen. Das allein ist in dieser Kategorie ungewöhnlich und lässt schon erahnen, welche Fahrt der Focus bieten könnte. Ebenso sportlich wirken die ST-Line-Ausstattungselemente wie Schweller- und Stoßfängeraufsätze. Auch in dieser Version überzeugt das hochwertige Interieur mit der hohen Armaturenbrettwand, betont durch rote Ziernähte und sehr angenehme Sitze. Die größte Veränderung im Innenraum ist die Verlagerung der Klimabedienung auf den neuen, riesigen 13,2-Zoll-Bildschirm. Das ist jetzt nicht gerade eine Änderung, die ich loben würde, aber abgesehen davon, dass die Anzeige zur Aktivierung des Umluftbetriebs so versteckt ist, dass ich eine Stunde lang in verbrauchter Luft gefahren bin, ist es recht ansprechend umgesetzt, und jede Klimafunktion hat ihren festen Platz am unteren Bildschirmrand. Das Ganze ist etwas überflüssig, aber so ist eben die Zeit. Das große digitale Kombiinstrument ändert sein grafisches Erscheinungsbild je nach gewähltem Fahrmodus (Eco, Normal, Sport), sonst bietet es nichts Besonderes.

Per Knopfdruck wecke ich den Dreizylinder-Eins-Liter-Turbomotor mit dem traditionellen Namen EcoBoost, dem ein Mildhybrid-System zu einer Gesamtleistung von 155 PS verhilft, bzw. bis zu 240 Nm bei 2500 U/min, wobei 190 Nm bereits von 1900 bis 5500 U/min zur Verfügung stehen. Der Hersteller gibt einen Verbrauch von 5,3 bis 5,4 Litern auf hundert Kilometer sowie eine Beschleunigung von null auf hundert in 9,1 Sekunden bei einem Betriebsgewicht von 1413 kg an. Das sind zwar weder die Beschleunigungswerte noch die Zylinderzahl, die man bei einem so sexy aussehenden Auto erwarten würde, aber ziehen wir keine voreiligen Schlüsse. Nach dem Start ist der Motor praktisch nicht zu hören. Und auch bei normalen Betriebsdrehzahlen ist er kaum zu vernehmen. Nur bis 2000 U/min zeigt er nicht viel und brummt ziemlich dumpf. Danach aber erwacht er zum Leben und meldet sich unter Last mit einem sehr angenehmen, entfernten Brummen. Es ist erstaunlich, wie tapfer dieser Dreizylinder zieht. Der Durchzug hält bis zur Höchstdrehzahl an. Der ideale Gang ist der dritte, in dem man von 40 km/h innerorts bis 130 km/h beim Auffahren auf die Autobahn fahren kann. Auf dem Armaturenbrett gibt es auch eine Anzeige für die Unterstützung durch den Elektromotor. Sie ist mehrstufig und hilft vor allem bei sehr niedrigen Drehzahlen, wo die 12 kW und bis zu 50 Nm durchaus spürbar sind. Vor allem dadurch, dass sie einen schnell aus dem Drehzahlbereich herausziehen, der dem Motor nicht ganz behagt.

Nach den ersten Metern ist klar, dass die ST-Line ein straffer abgestimmtes Fahrwerk mitbringt, das zusammen mit den großen Rädern sehr feine Fahreigenschaften bietet. Es ist nicht übertrieben hart, aber sicher nicht für jeden geeignet. Von der ersten Minute an wirkt der Focus wie ein großartiges Fahrerauto. Straffere Kupplung, längere Schaltwege, direkte Lenkung, hervorragendes Gasannahmeverhalten, unterstützt durch den Elektromotor des Mildhybrid-Systems. Beim Test vor zwei Jahren hat mich die Intensität der Rekuperation des Mildhybrid-Systems ziemlich gestört. Auch diesmal habe ich etwas damit gekämpft, vor allem in der Stadt bei niedrigen Gängen ist sie ziemlich stark ausgeprägt. Mich störte, dass das Auto sofort anfängt zu verzögern und eine konstante Geschwindigkeit zu halten bedeutet, verkrampft auf einem millimetergenauen Gaspedalweg zu balancieren. In dem Moment, in dem der Motor durch Rekuperation zu bremsen beginnt, reagiert auch das Bremspedal sehr sensibel. Außerorts hingegen kam mir die Intensität der Rekuperation entgegen, und man konnte damit den Großteil der Verzögerungen „bewältigen“ – auch die vor Ortseinfahrten oder bei der Ausfahrt von der Autobahn. Das spart zweifellos einiges an Energie.

Was den Verbrauch betrifft, hätte ich angesichts der Behandlung, die der Focus von mir erfahren hat, vielleicht sogar etwas niedrigere Werte erwartet. Insgesamt begnügte sich der Focus während der Testzeit mit 6 Litern auf hundert Kilometer. Auf der Autobahn wie in der Stadt kann man mit einem Verbrauch von rund 6,5 Litern rechnen. Der Langzeit-Bordcomputer zeigte bei der Übernahme des Focus 6,9 Liter an. Fahrerisch hat mich der Focus auf ganzer Linie überzeugt. Er klebt geradezu am Asphalt, an die Grenzen der Reifen bin ich eigentlich gar nicht herangekommen – dafür bräuchte es einen etwas stärkeren Motor. Das Fahrwerksverhalten ist hervorragend und macht Spaß. Gleichzeitig ist er aber auch in der Stadt gut nutzbar, und die Eier gehen einem auf dem Heimweg vom Einkauf nicht kaputt.
