Ford Kuga PHEV - der Boom der elektrischen SUVs steht bevor

Ford Kuga PHEV - der Boom der elektrischen SUVs steht bevor

Jiří Zelinka, 19. Juni 2020

Wenn man Kuga sagt, erinnere ich mich an eine ziemlich aufdringliche Werbung für die vorherige Generation, die mit dem Spruch “Wie sehr sind Sie Kuga?” endete. Und obwohl ich eigentlich nie verstanden habe, was Ford damit genau meinte, musste ich beim Test des Kuga PHEV mehrmals daran denken.

Antriebsstrang

Wenn wir uns nämlich ausgewählte Werte der Spezifikation ansehen, könnte man fast meinen, dieser Kuga hätte sportliche Ambitionen - die muskulöse ST-Line-Ausstattung und vor allem der 2.5 Liter große Saugmotor mit vier Zylindern und 165kW ist heutzutage schon fast eine Erscheinung, doch die Anmerkung zum verwendeten Atkinson-Zyklus lässt uns aufhorchen. Auf den Boden der Tatsachen holt uns aber vor allem der Wert in der Spalte Beschleunigung auf 100km/h, auf den Sie etwas über 9 Sekunden warten müssen.

Der für heutige Verhältnisse relativ groß dimensionierte Motor ist hier nämlich nicht wegen sportlicher Fahrweise verbaut, sondern wegen der Sparsamkeit. Er ist mit einem CVT-Getriebe kombiniert, das unter anderem auch ein paar Zehntelliter vom Verbrauch abknapsen kann. Das Wichtigste, was dieses Modell interessant macht, ist die 14,4kWh-Batterie, dank der der Kuga über 50 km rein elektrisch fahren kann. Das ist zwar ein Tabellenwert, allerdings bereits nach WLTP, entspricht also der Realität, und bei sparsamer Stadtfahrt lässt sich sogar noch etwas mehr herausholen. Interessant ist aber auch der kombinierte Betrieb zusammen mit dem Benzinmotor - dort hängt der Verbrauch dann direkt vom Verkehr und Ihrer Planung ab. Es stimmt aber, dass Sie, wenn Sie nicht nur auf der Autobahn fahren, die ersten 100km wirklich mit einem Verbrauch von rund 2 Litern schaffen. Die Entwicklung des Verbrauchs liegt dabei ganz in Ihrer Hand - beeinflussen lässt sie sich vor allem über die Fahrmodi der Antriebssteuerung, wo Sie zwischen dem voreingestellten kombinierten Antrieb, rein elektrischem Antrieb, rein Verbrennungsantrieb und dem Batterie-Lademodus wählen können. Die meiste Zeit kommen Sie aber mit dem Automatikmodus aus, der sehr gut mit der Energie haushaltet. Ein Beispiel, wann sich das Umschalten lohnt, kann etwa eine mehrere hundert Kilometer lange Autobahnfahrt mit anschließendem Stadtverkehr sein, bei der es sich lohnt, die Autobahnstrecke eher mit Benzin zu fahren und sich den Strom für die Stadt aufzusparen.

Wohin und für wen?

Ein solches Szenario ist mit dem Kuga zwar real und komfortabel, sein Hauptvorteil ist jedoch vor allem das tägliche Pendeln über kürzere Strecken, idealerweise zwischen 50-100 km. Dort hält Ihnen bei regelmäßigem Laden der volle Tank wirklich lange, außerdem hat man sich bei Ford über das Laden wirklich Gedanken gemacht - das Kabel lässt sich abstecken, ohne dass Sie ins Auto einsteigen müssen (im Gegensatz zum Zoe), im Ladebereich befindet sich nämlich ein Taster, der es bei entriegeltem Fahrzeug entriegelt. Ins Auto müssen Sie auch nicht, wenn Sie den Ladezustand wissen möchten - den zeigt Ihnen eine LED-Anzeige entlang des Steckers an. Sehr erfreulich ist auch eine solche Kleinigkeit wie die Länge des Ladekabels für die Haushaltssteckdose - sie ist schätzungsweise 2x länger als das, was Sie etwa beim Superb bekommen. Da Verlängerungskabel zum Laden eines Autos generell nicht besonders empfohlen werden, kann ein längeres Kabel das Leben sehr erleichtern. Nur müsste der obere Teil des Ladegeräts nicht aus Klavierlack-Kunststoff sein - ihn beim regelmäßigen Gebrauch nicht zu zerkratzen, ist eine fast übermenschliche Aufgabe. Zu Hause lädt das Auto in ca. 5 Stunden, mit der Installation einer Wallbox können Sie das auf 3.5 Stunden verkürzen (von komplett leer auf 100%).

Ausstattung und Interieur

Wenn Sie sich hinters Lenkrad setzen, überrascht Sie wahrscheinlich der Automatikwählhebel in Form eines Drehrädchens mit einem Taster in der Mitte, der den Modus mit erhöhter Rekuperation aktiviert. Die Lösung von Ford ist etwas eigenartig, denn der Taster am Wählrad ist normalerweise “P” und das hat seinen Sinn - das Auto kann selbstständig in den Parkmodus wechseln, etwa beim Öffnen der Tür. Das löst der Kuga aber auch, und zwar durch automatisches physisches Drehen des Rädchens durch alle anderen Modi. Das sieht also wirklich hübsch aus, allerdings entgeht mir der Grund für eine solche Lösung etwas. Der Rekuperationsmodus, den wir am  mittleren Taster finden, merkt sich die Wahl zwischen den Starts ohnehin nicht, und in einem anderen Modus als “D” lässt sich der Rekuperationsmodus nicht verwenden. Hier finden wir dann auch die klassischen Fahrmodi (“Normal”,”Eco”,”Sport”), ergänzt um einen Schnee- und Geländemodus, nur in eine Richtung umschaltbar, dazu noch mit einer etwas unnötig langen Animation auf dem 12.3” digitalen Display, die das Umschalten eher unangenehm macht. 

Am Kuga hat mich vor allem die Ausstattung überrascht - er lässt sich nämlich praktisch mit allem ausstatten. Wir finden hier ein Head-up-Display, eine beheizte Frontscheibe, eine Front- und Heckkamera (die hintere mit zwei verschiedenen Ansichten und einer Waschdüse), automatisches Einparken sowie einen großartigen adaptiven Tempomaten mit aktiver Spurführung, der nur kleine, dafür aber häufige Korrekturen ins Lenken einbringt und so überdurchschnittlich gut die Spurmitte hält. Nicht nur Puristen wird es freuen, dass sich der Tempomat in den Einstellungen auch in den klassischen Modus umschalten lässt, bei dem er den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht berücksichtigt. 

Weiterhin hat uns der Kofferraum und seine Variabilität sehr gefreut. Das Kofferraumvolumen beträgt 645 Liter. Außerdem ist die zweite Sitzreihe voll flexibel, sodass Sie den Kofferraum weiter vergrößern oder umgekehrt den Fondpassagieren ausreichend Komfort gönnen können. 

Fahreigenschaften

Was das Fahren angeht, ist der Kuga aber wirklich sehr Kuga - er hat ein hervorragendes Fahrwerk, das auch auf größeren Rädern (19”) Unebenheiten schön dämpft und gleichzeitig auch eine zügigere Fahrweise verkraftet (wobei man bei dieser Motorisierung nicht allzu viel davon wollen sollte). Beim Fahren zeigt sich also, dass Ford Autos für Fahrer bauen kann. Das Auto hält geradezu unglaublich gut die Straße, das Fahrwerk ist brillant abgestimmt. Kurvenfahrten machen wirklich Spaß. Die Bremsen sind bissig und verlieren auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht an Wirkung. Der Kuga verhält sich nicht wie ein familientaugliches, schaukelndes SUV, sondern wie ein Focus-Hatchback.  Um den Kuga in Bedrängnis zu bringen, müssen Sie schon sehr an die Grenze gehen. Und ich glaube, das kommt den meisten Fahrern gar nicht in den Sinn. Hervorragend ist auch die Lenkung, sehr präzise, mit gutem Feedback von den Rädern.  Einen kleinen Kritikpunkt hätte ich bei der schnelleren Rückkehr des Lenkrads in die neutrale Position, aber daran gewöhnen Sie sich sehr schnell und es wird Sie nicht stören. Fahrwerk und Lenkung verdienen also wirklich das Attribut ST. Nur gibt es da noch den Motor und das Getriebe. Und die sind leider nicht ST. Vielleicht haben wir uns nur anlocken lassen, weil die angegebenen 165kw großartig klingen. Real kommt uns der Kuga schwächer vor. Ich weiß nicht,  ob es am Motor oder am stufenlosen Getriebe liegt. Jedenfalls hat der Kuga nicht das, was wir mit ST-Versionen verbinden - schnelle Beschleunigungen, Kurvenausgänge bei Vollgas, die Explosivität des Motors. Außerdem klingt auch der Sound nicht besonders sportlich. Andererseits möchte ich nicht, dass es so klingt, als wäre der Kuga lahm. Schnell fahren kann er, auf der Autobahn ist er dank all der Assistenten wie zu Hause, Überholen ist kein Problem. Es ist geradezu ein großartiges Familienauto, das obendrein sehr schön aussieht. Und genau das ist es - Ford wollte mit dem Kuga nicht in die Kategorie der sportlichen, superstarken SUVs vorstoßen. Der Kuga ist ein SUV, das auch dynamischer denkende Fahrer erfreuen soll. Und das schafft er mit großem Stil.

Das Auto ist vorbildlich schallgedämmt, sodass die rein elektrische Fahrt wirklich ruhig ist, und wenn der Verbrennungsmotor einspringt, ist das kein solcher Schock wie etwa beim hybriden RAV4. Die Motordrehzahl lässt sich durch die Stellung des Gaspedals schön regulieren, das Einzige, was etwas überrascht, sind die höheren Motordrehzahlen bei maximaler Rekuperation über das Bremspedal. 

Fazit

Der Kuga PHEV ist in jeder Hinsicht ein modernes Auto, dem praktisch nichts fehlt. Der elektrische Modus des Hybridantriebs kann das tägliche Pendeln bewältigen (dank niedriger Emissionen erreicht er sogar kostenloses Parken in den Prager Zonen) und dabei kommt man leistungsmäßig auch mit dem rein elektrischen Antrieb aus. Sparsam ist er aber auch im kombinierten Modus - auf dem Bordcomputer leuchtete ein langfristiger Verbrauch von knapp unter 5 Litern. Wenn Ihnen das Fehlen des 4x4-Antriebs nichts ausmacht, bekommen Sie dafür ein hervorragend funktionierendes Alltagsauto mit ausgereiften Technologien und einem angenehmen Interieur. 

92%
BEWERTUNG

Stärken

  • ausgereifte Fahrassistenten und moderne Funktionen (ACC, Head-up-Display, Infotainment)
  • hervorragender Verbrauch im elektrischen wie im kombinierten Modus
  • intuitives Laden ohne unnötige Komplexität

Schwächen

  • Verhältnis von Leistung zu Beschleunigung
  • umständliche Bedienung der Fahrmodi
  • fehlender 4x4-Antrieb

In diesem Artikel erwähnt

Weitere Artikel

Ford Puma Test 2026: schärfstes kompaktes Crossover der Klasse, aber mit Schwächen bei Getriebe und Interieur

Ford Puma Test 2026: schärfstes kompaktes Crossover der Klasse, aber mit Schwächen bei Getriebe und Interieur

Der Ford Puma befindet sich in Tschechien in einer zwiespältigen Position. Im vergangenen Jahr wurden 999 Exemplare verkauft, was ihn im Segment der kompakten Crossover auf den fünften Platz
Ford Capri mit LFP-Batterie: Reichweite steigt um mehr als 60 km, limitierte Collection würdigt die Rennsportgeschichte

Ford Capri mit LFP-Batterie: Reichweite steigt um mehr als 60 km, limitierte Collection würdigt die Rennsportgeschichte

Ford hat eine verbesserte Version des elektrischen Capri vorgestellt. Die wichtigste Änderung ist der Wechsel zu einem Lithium-Eisenphosphat-Akku (LFP) bei der Version mit Standardreichweite, der die
Ford Puma Gen-E legt bei der Reichweite 41 km zu. BlueCruise kommt auch ins kleinste Modell der Marke

Ford Puma Gen-E legt bei der Reichweite 41 km zu. BlueCruise kommt auch ins kleinste Modell der Marke

Ford hat Verbesserungen für die Modelle Puma und das vollelektrische Puma Gen-E für das Modelljahr 2026 angekündigt. Die wichtigste Änderung ist die Steigerung der Reichweite der Elektroversion auf
Ford Kuga bekommt Fahren ganz ohne Hände am Lenkrad: BlueCruise deckt 95 % der europäischen Autobahnen ab

Ford Kuga bekommt Fahren ganz ohne Hände am Lenkrad: BlueCruise deckt 95 % der europäischen Autobahnen ab

Ford weitet seine teilautonome Fahrtechnologie BlueCruise auf das Modell Kuga aus. Ab April 2026 können Besitzer eines der meistverkauften europäischen SUVs auf Autobahnen in 16 europäischen Ländern
Ford Explorer - eine Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat?

Ford Explorer - eine Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat?

Der Ford Explorer ist ein weiterer Fall, in dem Ford die traditionelle Bezeichnung seines Fahrzeugs für ein völlig anderes Modell verwendet hat. Das tat er schon beim Puma, beim Mustang und
Renault Group hat in Frankreich über eine Million Elektroautos produziert. Sechs von zehn entstanden in ElectriCity

Renault Group hat in Frankreich über eine Million Elektroautos produziert. Sechs von zehn entstanden in ElectriCity

Renault Group hat in Frankreich seit 2010 mehr als eine Million Elektroautos entwickelt und produziert. Laut einer Pressemitteilung der Renault Group entstanden 600 000 davon im nordfranzösischen
Alpine A110 FUTURE fuhr in Goodwood. Der elektrische Nachfolger erhält eine 800V-Plattform

Alpine A110 FUTURE fuhr in Goodwood. Der elektrische Nachfolger erhält eine 800V-Plattform

Der Alpine A110 FUTURE hat seine erste öffentliche dynamische Premiere hinter sich. Laut einer Pressemitteilung von Alpine fuhr der Entwicklungsprototyp der künftigen dritten A110-Generation am 9.
BYD Tang Test 2026: Siebensitziges Elektro-SUV mit deutschen Maßen und chinesischem Preis

BYD Tang Test 2026: Siebensitziges Elektro-SUV mit deutschen Maßen und chinesischem Preis

BYD Tang ist wohl der am wenigsten bekannte große Elektrowagen, den man heute in Tschechien kaufen kann. Das siebensitzige SUV mit einer Länge von knapp fünf Metern zielt mit seiner Ausstattung auf
0Vergleich