Im Rahmen der ersten Begegnung mit der neuen Passat-Generation griffen wir zu einem in der VW-Flotte ziemlich besonderen Modell - dem Passat GTE, also der PHEV-Version der beliebten Managerlimousine. Der Plug-in-Hybrid mit dem Benzin-Turbomotor 1.4 TSI, der zusammen mit dem Elektromotor auf den ersten Blick interessante 160 kW liefert, verspricht einen Verbrauch von 1,6 Litern auf die (ersten) 100 km. Neben dem rein elektrischen Modus, in dem das Auto bis zu 60 km schaffen soll, bietet er noch den GTE-Modus, der die Elektrik im Gegenteil nutzt, um dem Auto überdurchschnittliche Dynamik in Form von 400 Nm und eine Beschleunigung auf 100 km/h in etwa 7 Sekunden zu geben. Sind das nicht verdächtig viele positive Punkte?

Ich beginne hier gern mit meiner Lieblingsformulierung, dass „was gut ist, nicht geändert werden muss“, denn am Auto gibt es nur sehr wenige Veränderungen. Hinten gibt es neue Leuchten, von der Seite habe ich eigentlich gar keine Änderung gefunden, und vorne gab es leichte Änderungen an den Scheinwerfern und am Stoßfänger. Wie üblich (und das ist die erste Kritik) sieht das Auto nicht besonders interessant aus, solange man nicht für größere Räder, optionale Scheinwerfer oder eben diese GTE-Version extra bezahlt. Erst so wird aus den einfachen Formen ein schönes Auto.
Innen ist es dieselbe Geschichte. Der Innenraum ist nichts, was man sich als Teenager über das Bett hängen würde, aber an seinen sehr dezenten Änderungen sieht man, dass schlichtes Design nicht altert. Auf den ersten Blick fehlen die Zeigeruhr zwischen den Lüftungsdüsen, und dort steht Passat - hoffentlich nicht deshalb, weil das Auto so vergesslich wirkt, dass man die Passagiere ständig daran erinnern muss, worin sie gerade sitzen. Gleich geblieben sind die Klimabedienung, das Infotainment sowie die Bedienung von Fenstern und Licht. Neu sind das Lenkrad und das aktive Infodisplay. Kabelloses CarPlay erfreut, denn wenn der Hersteller dem Auto nur USB-C spendiert und Ihr Telefon kein kabelloses Laden hat, ist das durchaus praktisch. Einen guten alten USB-Anschluss hätten die Herren aus Wolfsburg ruhig drinlassen können.

Großartig ist der ergoActive-Sitz mit Knieauflage - sowohl in Länge als auch Höhe einstellbar, dazu mit einfacher Massagefunktion durch aufblasbare Polster und ausziehbarer Kopfstütze. Wenn sich der Fahrer kurz Zeit für die Sitzeinstellung nimmt, hat er das Gefühl, jemand habe ihn ihm auf den Leib geschneidert. Die Vorstellung, dass jemand dieses Auto fährt und dafür auch noch bezahlt wird, ist, wie ich zugeben muss, ziemlich verlockend.
Platz gibt es überall reichlich, das Armaturenbrett ist zurückhaltend gezeichnet, aber von Premiumqualität und passt auf jedem Millimeter. Auch fahrdynamisch ist der Passat auf der Höhe. Auf winterlichen 17-Zoll-Rädern sah er nicht ganz so schick aus, dafür fährt er extrem angenehm - adaptive Dämpfer braucht es nicht einmal, und das Fahrwerk ist hervorragend auf schnelle Autobahnfahrten wie auch auf abgesackte Kanaldeckel in der Stadt vorbereitet. Zudem kann das Auto im elektrischen Modus beliebige Nebengeräusche oder Schläge vom Fahrwerk kaum verbergen - und auch in dieser Disziplin glänzt der Passat: kein Poltern, kein Knarzen. Diese Ruhe im Elektromodus ist bemerkenswert.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die hervorragend abgestimmten Assistenten, angeführt vom neuen Travel Assist. Er kombiniert Informationen aus Karte, adaptivem Tempomaten, erkannten Verkehrszeichen und Fahrspuren, um sowohl Richtung als auch Geschwindigkeit des Autos zu halten. Und das gelingt ihm großartig! Er greift feinfühlig, vernünftig, ruhig und oft deutlich besser ein, als es ein Mensch tun würde - dafür Hut ab - außerdem kann man durch Gasgeben in seine Arbeit eingreifen und ihn dann wieder loslassen und weiterarbeiten lassen. Er funktioniert auch im Stau ab 0 km/h, inklusive Lenken, was viele Konkurrenten nicht beherrschen. Einfach stark. Das neue Lenkrad hat kapazitive Sensoren, sodass kein großer Druck nötig ist - es reicht, das Lenkrad leicht zu halten und die Arbeit des Helfers zu genießen. Oder selbst zu fahren, denn alles lässt sich angenehm bedienen und ist ergonomisch sauber gelöst.

Die größte Besonderheit des Passat GTE ist seine Möglichkeit, rein elektrisch zu fahren. Die Batterie mit 13 kWh Kapazität reicht theoretisch für 56 km (WLTP), im Winterbetrieb eher weniger. Auch das kann aber für den täglichen Pendelweg genügen, und der Verbrennungsmotor kann lange Tage ruhen. Die Batterie wird entweder an der Steckdose, an einer Ladestation oder während der Fahrt geladen. Das liegt an Ihnen. Beim Fahren erhöht das Laden den Verbrauch natürlich spürbar (im Schnitt um 2 Liter bei längerer Fahrt), und eine große Kraftstoffersparnis stellt sich nicht ein. Der Elektroantrieb ist nicht nur irgendeine „Assistenz“ wie bei klassischen Hybriden, sondern ein vollwertiger Antrieb mit 85 kW. Für sich allein bietet er ziemlich ordentliche Dynamik und ermöglicht Fahrten bis 140 km/h, weil er mit dem Getriebe verbunden ist, was bei Elektroautos nicht ganz üblich ist. Rechnen kann man mit einem Verbrauch um 20-30 kWh auf 100 km. Vorteile sind das lautlose Mitschwimmen im Stau, emissionsfreie Manöver auf Parkplätzen, die Möglichkeit, das Auto nach Zeitplan zu klimatisieren, oder die Möglichkeit, in Prag überall in den "Zonen" kostenlos zu parken. Also lauter positive Dinge. Und der Preis? 1,1 Millionen Kronen für diese sehr gut ausgestattete Version im Vergleich zu einer Diesel-Kombi-Version mit 4motion und DSG, deren Preis sich 1,5 Millionen nähert, ist eigentlich sehr gut.
Neben dem E-Modus hat der Fahrer noch den GTE-"electric boost" zur Verfügung, der dem Auto eine fast unerwartete Dynamik verleiht - aus dem Stand schießt es sofort los, und die Zusammenarbeit von Elektromotor und Verbrenner liefert beinahe Hot-Hatch-Dynamik. Dank 400 Nm und 210 PS erreicht es 100 km/h in etwa 7 Sekunden, wobei der Elektromotor genau die Bereiche hervorragend überbrückt, in denen der Verbrennungsmotor Hilfe braucht - beim Start und beim Gangwechsel - dort ist die Dynamik wirklich beeindruckend. Neben dem elektrischen und dem GTE-Modus gibt es den Modus "Hybrid", in dem das Auto automatisch umschaltet und die Nutzung beider Energiequellen optimiert, einschließlich der Zusammenarbeit mit Navigation und eingegebenem Ziel. Gegebenenfalls lässt sich auf dem Display einstellen, bis zu welchem Niveau die Batterien am Ende der Fahrt geladen sein sollen. Dann kommt der 1.4-Liter-Turbo-Vierzylinder TSI mit 115 kW (156 PS) ins Spiel, der sowohl den Antrieb des Autos als auch das Laden übernimmt. Und hier hat der Passat schon ein paar Blumen verloren.

Ich hatte erwartet, dass der Passat ein Hybridauto mit Batterien für größere Reichweite und mit einem Verbrauch sein würde, wie wir ihn von Hybriden gewohnt sind. Das blieb aus, und hier liegt die Enttäuschung - Hybride wie der Ford Mondeo oder die Toyota Camry wiegen zwar etwa 100 Kilogramm weniger (1595 kg beziehungsweise 1654 kg), können aber mit deutlich niedrigeren Werten fahren - vielleicht liegt es daran, dass sie spezielle Motoren für diese Antriebsart haben, die im Atkinson-Zyklus arbeiten können, vielleicht daran, dass wir sie im Sommer gefahren sind. Wenn der Passat GTE jedoch nicht ausdrücklich im Plug-in-Modus betrieben wird, verliert sich seine Umweltfreundlichkeit in seinem kombinierten Verbrauch, der sich bei sehr vernünftiger Fahrt innerhalb der Limits um 8 Liter hielt - was oft nicht der “modus operandi” von Dienst-Passats ist. Beim Versuch, die Batterie über Motorarbeit zu laden, lag der Verbrauch eher bei rund 10 Litern - natürlich sinkt er dank elektrischer Fahrt wieder etwas, aber unter 7 Liter kam ich in keinem Betriebsmodus des Autos. Wenn Sie nicht täglich zu Hause oder bei der Arbeit laden können, bietet der einfache 1.5 TSI sehr wahrscheinlich einen ziemlich ähnlichen Kraftstoffverbrauch.
Im Stadtverkehr mit zumindest teilweise geladener Batterie sieht es allerdings anders aus - 80 km sind wir durch Prag mit einem Verbrauch von 5kWh/100km+ 4.6l/100km gefahren. Mit stärker geladener Batterie lässt sich der Benzinverbrauch auch unter 4 Liter drücken (und der Stromverbrauch unter 10kWh), und zugleich lässt sich der Batteriestand auch bis zu 100 km Stadtfahrt über kritischen Werten halten. Häufige Bremsrekuperation tut dem Auto gut, und zumindest gefühlt kann auch der adaptive Tempomat schön damit arbeiten; zudem lassen sich dank des sehr ausgefeilten Digitalcockpits detaillierte Informationen zum Zustand des Antriebs anzeigen. Gerade in der Stadt wird der geladene Passat aus der gesamten Motorenpalette eindeutig der sparsamste sein. Man muss nur darauf achten, dass er nicht versucht, ein ausgekühltes Auto nur mit Strom aus der Batterie zu heizen - dann schrumpft die Reichweite rapide.
Das Laden ist dann entweder an der Haushaltssteckdose möglich (voll in rund 6 Stunden, auch auf den günstigeren Stromtarif planbar) oder an Wallbox beziehungsweise öffentlicher Ladestation - dort verkürzt sich die Zeit auf weniger als 4 Stunden.

Der Passat GTE lohnt sich nur dann, wenn Sie wirklich täglich die Möglichkeit haben, das Auto zu laden. Er eignet sich nicht für den Betrieb rein als Hybrid - wenn Sie die Aussicht auf niedrige Betriebskosten reizt, kaufen Sie entweder einen Hybrid, einen Diesel oder ein kleineres Benzinmodell. Sie können zwar in Prag überall kostenlos parken, weil der GTE auf dem Papier einen Verbrauch unter 50 Gramm CO2 pro km hat; das Problem ist, dass sein Verbrauch nicht gerade niedrig ist, wenn Sie das Auto nicht an der Steckdose laden. Wenn wir mit 8 Litern Verbrauch rechnen, landen wir bei 187 Gramm pro km (was einem Dieselverbrauch von 6,9 Litern entspricht, nur der Ordnung halber). Außerdem sind wir mit 402 Litern Kofferraumvolumen eine Fahrzeugklasse tiefer als Autos, die interessante CO2-Werte ohne dieses ganze komplizierte System erreichen, falls das die Mantra Ihrer Art der Fortbewegung ist. Sieht man von den Besonderheiten dieser Antriebsart ab, ist der Passat ein nahezu perfektes Auto - fahrdynamisch wie technisch gehört er weiterhin zur Spitze des Segments, und es ist kein Wunder, dass er so beliebt ist.
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