In der Redaktion diskutieren wir oft darüber, welche Sonderausstattung bei neuen Autos für uns Sinn ergibt und welche nicht. Und weil wir uns dabei nicht immer einig sind, haben wir uns entschieden, einige unserer Meinungsverschiedenheiten aufzuschreiben und Ihnen so einen Einblick in die Diskussionen zu geben, die oft den Inhalt unserer Testberichte prägen und bestimmen.
Honza (Autohled.cz): Ich fahre gerne, aber für mich ist das Auto vor allem ein Mittel, um andere Aktivitäten zu ermöglichen, und meine Beziehung zum Auto ist eher rational. Ich schätze es, wenn ein Auto klein, komfortabel, leise und sparsam ist, mehr als hart, durstig und groß. Es muss weder 300 PS noch 5 Meter Länge haben. Was mich fasziniert, ist die Vielseitigkeit, der Nutzwert und die Tatsache, dass man mit 4 Litern Benzin 4 Personen hundert Kilometer weit bringen kann.
Honza (MOTORVIZE.cz) fährt ebenfalls sehr gerne, möglicherweise sogar noch lieber als der andere Honza, mit dem Unterschied, dass er wohl nur bei Testwagen, zu denen ein objektiver Testbericht veröffentlicht werden muss, rational vorgeht. Ansonsten (auf persönlicher Ebene) sind Autos für ihn eine Leidenschaft, weshalb seine größte automobile Liebe auch Alfa Romeo ist.
Jirka (Autohled.cz): Aufgrund seiner beruflichen „IT-Diagnose“ erwartet er von einem Auto neben einem guten Fahrgefühl auch eine reichhaltige technische Ausstattung und bewertet diese gerne. Bei neuen Autos können ihn zuverlässig „Kleinigkeiten“ ärgern, wie ein schlechtes Rückfahrkamerabild oder eine unlogische Infotainment-Bedienung.
Auch wenn die Sichtweisen unserer Redakteure auf die Welt völlig unterschiedlich erscheinen mögen, sind sie sich manchmal doch einig. Schauen wir uns an, was bei den Extras in den Preislisten neuer Fahrzeuge aus motoristischer Sicht rational ist und was der wahre Auto-Feinschmecker eher auf Emotionen aufbaut.
Honza (Autohled.cz): Das Dach sieht gut aus, ist aber vor allem für die Passagiere auf den Rücksitzen gedacht. Außerdem knarzt das Dach oft, und das will bei einem neuen Auto niemand. Für das gesparte Geld fahre ich lieber nach Österreich zum Skifahren (sobald das wieder möglich ist) oder gebe den Aufpreis lieber für den Front Assist aus.
Honza (Motorvize.cz): Gleich zu Beginn könnte ich vielleicht sogar etwas überraschend zustimmen, allerdings nur zur Hälfte. Es stimmt, dass ich ein Panoramadach, das sich nicht öffnen lässt, zutiefst nicht ausstehen kann. Das ist zum Beispiel beim Scala oder Kamiq der Fall. Diese große Glasfläche über das gesamte Dach sieht zwar toll aus, aber wozu ist sie eigentlich gut, wenn man nicht einmal einen Teil davon öffnen kann? Im Sommer strahlt sie zudem ziemlich viel Wärme ab, und das Dach ist dadurch niedriger, sodass das Auto für Personen über etwa 190 cm unbrauchbar wird. Mit einem Schiebedach sieht die Sache aber ganz anders aus. Kaum jemand zahlt zwar dafür extra, aber bei einem Gebrauchtwagen werden Sie dank ihm vor Freude pfeifen...
Jirka (Autohled.cz): Ich stimme dem ersten Honza zu, dass es beim Dach Probleme geben kann - die Erfahrung mit einem Auto, in das ein Transit mit der Anhängerkupplung rückwärts hineingefahren ist, und die anschließenden Zicken mit einem klappernden Schiebedach habe ich beim Yeti "aus erster Hand." Nach einer ausgiebigen Verkostung fahre ich aber gerne auf den Rücksitzen eines Autos mit Panoramadach mit, das habe ich zum Beispiel auch im Peugeot Traveller genossen - hinten baut man sich ein Bett auf und schaut nachts in der Natur zu den Sternen hoch, das hat wirklich etwas für sich!

Honza (Autohled.cz): Es ist wunderschön, es funktioniert mit der Sprachsteuerung (siehe weiter unten) oder im digitalen Kombiinstrument (siehe weiter unten), aber wenn man damit im Stau steht, während jeder „Depp“ mit altem Android und Waze schon am Ziel ist, dann bringt das selbst einen Mann aus Stahl zum Weinen. Da gebe ich den Aufpreis lieber für Massagesitze aus und entspanne im Stau gleich mit.
Honza (Motorvize.cz): Na, das ist die größte Tragödie überhaupt, du hast recht, Honza. Den einzigen Grund, für ein eingebautes Navi extra zu zahlen, sehe ich in dem größeren Display, das man sonst oft gar nicht ins Auto bekommt. Andererseits erinnere ich mich zum Beispiel an die kürzlich getestete modernisierte Version des Opel Astra, wo auch du die Einfachheit des eingebauten Navis gelobt hast. Es gibt aber auch andere Paradoxien – im Bestreben, ein möglichst großes Display zu bekommen, verzichtet so ein Škoda bei der Top-Version des Audiosystems auf das klassische Lautstärkerad und ersetzt es durch Touchfelder, an die ich mich ehrlich gesagt noch nicht gewöhnt habe. Ausnahmsweise stimme ich dir also zu 100 % zu.
Jirka (Autohled.cz): Ein größeres Übel als das Werksnavi in Premiummodellen ist nur das Werksnavi in Nicht-Premiummodellen. Das Problem für die Autohersteller ist, dass sie einfach nie so viele Verkehrsdaten haben werden wie Google.

Honza (Autohled.cz): Das ist der letzte Schrei der modernen Technik, es ist schön, was sich da alles anzeigen lässt, aber wofür habe ich dann für das zweite große Display extra bezahlt, wenn ich nichts habe, was ich darauf anzeigen könnte? Es ist super, die Navigation direkt vor sich zu haben, aber wenn ich sie über Apple CarPlay starte, wird sie sowieso auf dem Hauptdisplay angezeigt (außer beim SsangYong Koranda, der das direkt im Display vor dem Fahrer kann). Am Ende lande ich bei allen Autos mit digitalem Kombiinstrument immer bei der Anzeige der runden Rundinstrumente. Da gebe ich den Aufpreis lieber für Parksensoren oder die Totwinkelüberwachung aus.
Honza (Motorvize.cz): Na, jetzt weiß ich selbst nicht mehr. Persönlich würde ich ein großes Display, das die Rundinstrumente ersetzt, im Auto nicht brauchen. Dann gibt es aber eine Reihe von Informationen, die es zusätzlich anzeigen kann, und eine Individualisierung, die man sonst nicht bekommt. Und gerade bei dem erwähnten tschechischen Hersteller sind die analogen Standardrundinstrumente in Kombination mit einem kleinen Bordcomputer bei den höheren Modellen (Superb, Kodiaq) buchstäblich ein Schlag ins Auge. Ähnlich ist es auch bei dem erwähnten Ssangyong Koranda, der gegen Aufpreis ein schönes digitales Kombiinstrument bietet, während die Standardrundinstrumente ziemlich billig wirken.
Jirka (Autohled.cz): Digitale Instrumente mag ich, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sie ein ausreichendes Maß an Individualisierung bieten und genügend Informationen anzeigen. Wenn das Display anstelle der analogen Instrumente nur zum Sparen da ist, ist das meistens eine Tragödie. Dasselbe gilt, wenn die Hersteller aus Kostengründen ein rechteckiges Display wählen, das sie mit analogen Elementen ergänzen. Das sieht nicht gut aus und erfüllt nicht den Zweck, den Displays anstelle von Rundinstrumenten erfüllen sollten.

Honza (Autohled.cz): Wenn ich mich im Auto mit jemandem unterhalte, ist es mir ziemlich sympathisch, wenn er anders antwortet als „können Sie das wiederholen?“, „können Sie leiser sprechen?“ oder „wie bitte?“. Und wenn ich die Temperatur erhöhen will, greife ich zum Drehregler, den ich verstelle, und muss die Dame nicht bitten, die tief in den Eingeweiden meines Autos eingeschlossen ist, mit den Worten „Hey Volkswagen, mir ist kalt“, und dann weiß ich nicht mal, um wie viel dieses freche Mädchen die Temperatur erhöht. Die 5.000 gebe ich lieber für die CarPlay-Unterstützung aus, da ist Siri, die zwar kein Tschechisch kann, es aber wenigstens nicht erst versucht.
Honza (Motorvize.cz): Im Zeitalter von Siri würde ich die Sprachsteuerung nicht brauchen. Es stimmt zwar, dass VW mit der neuesten Software eine ziemlich angenehme Assistentin bietet, aber bei Seat kann ich das „Hola Seat“ nicht richtig aussprechen, und die einzige Verwendung, die ich gefunden habe, war laut deiner Anleitung zur Klimaanlage, nämlich bei dem Befehl „Hier stinkt es fürchterlich…“
Jirka (Autohled.cz): Eine unnötige Angeberei, die man wohl genauso oft benutzt wie das automatische Einparken im Zentrum von Prag ... Als ich im neuen Octavia nicht wusste, wie man das Start-Stopp-System ausschaltet, half die Assistentin nicht - ich vermute, dass sie nur die Klimaanlage bedienen kann, so wie die meisten Sprachassistenten in Autos. Die Sprachsteuerung schalte ich in dem Moment ab, in dem man im Auto nicht einmal die Automarke aussprechen kann, ohne dass die digitale Assistentin fragt, was man eigentlich von ihr will. Siri kann weitaus mehr, der Google Assistant zudem auch auf Tschechisch. Und wenn man auch auf dem iPhone Google Maps aktiviert, kann man ihm die Adresse diktieren.

Honza (Autohled.cz): Für mich war das, neben dem Durchstieg zu den Skiern auf den Rücksitzen, einer der Hauptgründe für den Kauf des Golf 7 - meiner Freundin ist immer kalt, mir ist immer heiß. Man kann sich um den Knopf streiten und dadurch die ganze Fahrt über wach bleiben, oder man hat eine Zweizonen-Klimaanlage. Simply Clever.
Honza (Motorvize.cz): Ehrlich gesagt habe ich den Sinn einer Mehrzonen-Klimaanlage nie so richtig verstanden. Wenn jemand wirklich glaubt, dass in der linken Autohälfte 20 Grad und in der rechten 23 Grad herrschen können, ist er ziemlich naiv. Honzas Situation verstehe ich einerseits, aber dabei geht es wohl vor allem um ein Gefühl. Mit meinem Beifahrer (meistens meiner Freundin) kommt es selten vor, dass wir uns bei der Temperatur nicht einig sind, und für die erwähnten 99 % der Zeit, in denen mir eine Einzonen-Klimaautomatik reicht, würde ich für mehr Zonen keine einzige Krone ausgeben.
Jirka (Autohled.cz): Für mich ein schönes Ausstattungsmerkmal, solange man sich nicht in der „Klima-Kettenreaktion“ verfängt - dem Beifahrer ist kalt, also erhöht er die Temperatur, wodurch die Gesamttemperatur steigt, und man als Fahrer dreht sie wieder herunter. Und so geht das weiter, bis der Beifahrer 25 Grad eingestellt hat, der Fahrer 18 und die Klimaanlage auf voller Leistung läuft. Andererseits ist die dritte Zone super, weil der Wärmekomfort auf den Rücksitzen oft nicht so gut ist wie vorne, und es ist toll, ihn individuell einstellen zu können.

Honza (Autohled.cz): Für jemanden, der täglich fährt, sicher praktisch. Bis vor Kurzem störten aber die Heizdrähte im Glas die Sicht, und der Preis dieser Scheibe im Falle eines Versicherungsfalls ist ebenfalls ein Faktor, den man berücksichtigen muss. Aber generell ist es eine tolle Sache für den winterlichen Morgenstart.
Honza (Motorvize.cz): Vielleicht enttäusche ich Sie, aber ich persönlich starte im Winter das Auto einfach 5 Minuten früher, lasse es nach und nach auftauen und kratze den Rest mit dem Eiskratzer ab. Einfach gesagt, gleichen diese 5 Minuten (die man ein paar Mal im Jahr spart) die sehr deutlich gestörte Sicht bei Abend-/Nachtfahrten nicht aus. Vielleicht liegt es an meiner Sehbrille, aber mit Autos, die dieses Extra haben, fahre ich nachts wirklich schlecht.
Jirka (Autohled.cz): Wenn man durch die Heizdrähte nicht schlecht sehen würde, wäre ich dafür. Generell würde ich das Problem aber lieber umfassender lösen, etwa mit einer Standheizung oder einer Motorvorwärmung.
Honza (Autohled.cz): Das ist mir egal. Der VW-Konzern hat das in allen Fahrzeugen, für ein paar Hundert Kronen habe ich mir ein Kabel gekauft und alles funktioniert.
Honza (Motorvize.cz): Mit USB-C habe ich mich noch nicht angefreundet. Da bin ich halt eine alte Konserve. Alle meine Kabel für das iPhone (bzw. andere Geräte) haben den klassischen USB-3.0-Anschluss, und ich möchte mir USB-C nicht nur wegen ein paar ausgewählter Autos anschaffen, die unverständlicherweise auf USB-C umgestiegen sind und nicht einmal einen Slot für den älteren (bis heute immer noch am häufigsten verwendeten) Anschluss beibehalten haben.
Jirka (Autohled.cz): Den Fortschritt können wir nicht aufhalten, USB-C ist ein Schritt nach vorne, es unterstützt schnelleres Laden und einen höheren Datendurchsatz, außerdem nimmt der unauffällige Anschluss nicht so viel Platz weg und kann geschickt überall platziert werden, siehe den Anschluss für die Dashcam an der Sonnenblende im neuen Octavia. Ein Kabel kostet ein paar Kronen, und wer nicht investieren möchte, kann das Telefon im Auto heute ohnehin auch drahtlos nutzen, inklusive Laden.

Honza (Autohled.cz): Theoretisch ist das eine Revolution. Ich muss nicht jedes Mal ein Kabel anschließen und kümmere mich praktisch nicht ums Handy. In der Praxis gibt es aber einiges an Problemen - das Handy muss ziemlich exakt platziert sein, darf keine dicke Hülle haben, wird beim Laden ziemlich warm, und vor allem bei der Nutzung von CarPlay entlädt es sich schneller, als es lädt. Für kurze Strecken oder Bluetooth-Musik in Ordnung. Für CarPlay nicht wirklich.
Honza (Motorvize.cz): Die kabellose Ladestation benutze ich nur in Autos, die keinen klassischen USB-3.0-Anschluss haben - dort verbinde ich das Telefon kabellos mit CarPlay und lege es zum kabellosen Laden ins Fach. Ansonsten muss ich entweder gerade nicht laden oder benutze das klassische Kabel (das ich wegen des Wechsels zwischen den Testwagen immer dabei habe). Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber die Kombination aus Navigation und kabellosem Laden macht aus meinem Handy einen Ofen, der so heiß wird, dass ich langsam Angst um es bekomme. Nichts für mich.
Jirka (Autohled.cz): Als Notlösung gut, sofern mein iPhone in der Max-Version überhaupt hineinpasst - das ist nicht überall der Fall. Ansonsten bevorzuge ich das Kabel, der Aufpreis für kabelloses Laden ist in den meisten Fällen unangemessen.
Honza (Autohled.cz): Radio? Was ist das? Hört das überhaupt noch jemand? Sind das nicht schon zu 20 % nur Werbung? Radio ist für mich dieselbe Kategorie wie ein CD-Player.
Honza (Motorvize.cz): Bin ich jetzt schon wieder die „Konserve“? Sie werden es mir nicht glauben, aber vor allem für kürzere Fahrten (in der Stadt, zur Arbeit, zum Einkaufen usw.) wähle ich tatsächlich das Radio. Nur für längere Strecken suche ich mir Podcasts oder Lieblings-Playlists auf Spotify aus. Und warum stört mich DAB? Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, aber bisher ist DAB bei einer Reihe von Sendern leider von schlechterer Qualität als klassisches FM. Dann kommt noch der Moment der Wahl zwischen DAB und FM hinzu, und das ist für viele Hersteller ein Problem. DAB soll nämlich den klassischen terrestrischen Rundfunk ersetzen, und so haben die Autoradios dort, wo es verfügbar ist, die Neigung, eigenmächtig das „bessere, modernere…“ zu wählen. Nur führt das nicht immer zu positiven Ergebnissen, unter anderem auch deshalb, weil DAB gegenüber FM um 5 - 10 Sekunden verzögert ist und man dadurch oft einen Teil eines Liedes gleich zweimal hören kann. Das ist zum Beispiel bei Hyundai oder KIA der Fall, bei denen sich DAB nicht komplett ausschalten lässt. Und damit sind wir noch nicht am Ende… Persönlich würde ich DAB zumindest für die nächsten paar Jahre meiden und mir schon gar keinen Aufpreis dafür erlauben.
Jirka (Autohled.cz): Radio höre ich nur, wenn ich mein Handy zu Hause vergessen habe. DAB scheint einen besseren Klang zu haben, allerdings gebe ich zu, dass ich nie untersucht habe, welche weiteren Vorteile der digitale Rundfunk mit sich bringt.
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