
Obwohl sich die Fahrzeuge in vielen Bereichen sehr ähnlich sind, unterscheiden sie sich in einem Punkt grundlegend. Sie haben nahezu identische Abmessungen (der Korando ist 7 cm länger), gehören zur gleichen Klasse, beide Modelle werden mit ähnlichen Antriebseinheiten, ähnlicher Ausstattung oder ähnlich großem Kofferraum angeboten. Sehr deutlich unterscheiden sie sich beim Preis. Der Preis des getesteten Karoq näherte sich 950 Tausend, während der praktisch identisch ausgestattete Korando um 200 Tausend günstiger ist, also um 20 % billiger. Und das kann sowohl bei der Kaufentscheidung als auch bei der Bewertung der einzelnen Modelle eine ziemlich wichtige Rolle spielen.

Vor uns stehen zwei Vertreter desselben Segments, doch jeder versucht, sein Umfeld auf andere Weise zu beeindrucken. Der Škoda mit einfachen, eleganten Formen, der Korando mit deutlich komplizierteren und verzierten Linien. Der Karoq kaschiert seine Größe eher in einer Crossover-Optik und wirkt dadurch zierlicher. Der Korando dagegen unterstreicht mit seiner sehr hohen Motorhaubenkante und der senkrechten Heckklappe mit horizontalen Linien seine Zugehörigkeit zu den „Geländewagen“. Der Korando war in einem schmeichelhaften Kirschrot lackiert, das die schwarzen Akzente und die verchromten Zierteile schön zur Geltung brachte. Der Karoq kam in Dunkelgrau, was sein Bestreben, nicht aufzufallen, noch weiter unterstreicht. Die graue Farbe kaschiert die schwarzen Kunststoffteile, die das Auto sonst optisch betonen würden. Keines der beiden Autos ist meiner Meinung nach eine Design-Schönheit, aber der Karoq spielt dank seiner Bescheidenheit in meinen Augen die Hauptrolle. Es ist eher eine Wahl „unter Blinden ist der Einäugige König“, denn keines der beiden Autos hat ein wirklich augenschmeichelndes Design.

Hier ist es fast dasselbe Lied - das sehr einfache, fast schon karge Interieur des Karoq retten eigentlich zwei Dinge: großzügige Bildschirme und eine schöne, helle Polsterung mit sehr geschmackvollen, hellen Stoffsitzen. Diese sind bequem und umschließen den Körper dank ihrer seitlichen Führung angenehm. Der Korando präsentiert stolz ein Zusammenspiel glänzender Flächen, eine hohe Armaturenbrett-Wand kombiniert mit einer höheren Sitzposition auf sehr angenehmen, belüfteten Ledersitzen, ohne ausgeprägte seitliche Führung und mit kürzerer Sitzfläche. Wie man die Größe des Autos nach dem Einsteigen wahrnimmt, ist wohl der größte Unterschied. Die massive Motorhaube und die sofaartigen Sitze machen aus dem Korando einen Ozeandampfer, beziehungsweise vermitteln das Gefühl eines deutlich größeren Autos. Im Karoq fehlt dieses Gefühl, was zum Beispiel für Frauen eher eine gute Nachricht ist.

Im Innenraum locken beide Autos mit den modernsten Ausstattungsmerkmalen - zwei große Displays, Klimaautomatik, elektrisch verstellbare Sitze, 230V-Steckdosen, Apple CarPlay und Android Auto, schlüsselloses Starten, elektrisch öffnende Heckklappe usw. Der Korando bietet sogar die Möglichkeit, die Handyspiegelung direkt auf dem Infodisplay vor dem Fahrer anzuzeigen. Das ist eine sehr ungewöhnliche Funktion, die den riesigen Hauptbildschirm dann nur noch zur Anzeige des Namens des gerade abgespielten Songs macht.

Beide Fahrzeuge hatten unter der Haube 1,5-Liter-Turbomotoren, die innerhalb ihres jeweiligen Angebots die stärksten Benziner sind. Der Karoq hat den sehr bekannten TSI-Motor mit 110 kW und 250 Nm, gekoppelt mit einem Siebengang-DSG. Der Korando erhält aus dem gleichen Hubraum 120 kW und 280 Nm, überträgt die Kraft aber über einen klassischen hydrodynamischen Aisin-Wandler mit 6 Gängen. Beide Fahrzeuge hatten nur Frontantrieb. Ich gebe zu, dass ich mit dieser Kombination aus 1,5 TSI und DSG irgendwie nicht warm werde. Motor und Getriebe wirken, als würden sie nicht von einem gemeinsamen Gaspedal gesteuert, als wüssten sie nichts voneinander. Während der Motor im ersten Drittel des Gaspedalwegs auf Befehle praktisch nicht reagiert und sich zudem aus niedrigen Drehzahlen generell nur schwer erholt, schlägt das Getriebe bei etwas stärkerem Durchtreten plötzlich Alarm und beginnt unnötig nervös zu schalten. Dann stellt sich eine fast unerwartete Beschleunigung und Motorreaktion ein. Der Karoq bietet also entweder eine ausgesprochen träge Fahrt oder wilde Reaktionen des Antriebsstrangs. In dieser Hinsicht war der Korando etwas besser, und die Reaktion aufs Gas schneller und angenehmer. Beide Autos kaschieren die Geschwindigkeit sehr gut, sodass ich beim Karoq eine Beschleunigung auf 100 km/h in 8,4 s nicht geraten hätte. Der Hersteller des Korando gibt eine Beschleunigungszeit von 12 Sekunden an, was ich der längeren Schaltzeit des nur 6-Gang-Automaten zuschreiben würde. So oder so hätte ich weder die 110 noch die 120 kW den Autos zugetraut. Dem Korando helfen die zusätzlichen 122 kg Gewicht, die er mit sich herumträgt, nicht, sodass am Ende beide Autos etwa 12,5 kg Gewicht pro Kilowatt haben. Letztlich liegt beiden Autos ein sehr sanfter Umgang am meisten, das meistern beide hervorragend. Die Getriebe sind samtig, schalten unaufdringlich und halten die Motoren in niedrigen Drehzahlen. Wenn es um zügigeres Fahren geht, ist der Korando der bessere Begleiter. Wenn man das Auto aber unter Vollgas in Kurven „auspressen“ und mit den Schaltwippen am Lenkrad schalten möchte, ist wiederum das DSG im Sportmodus angenehmer als die Gangwechsel im Korando. Dort versucht der Automat eine Weile, den Befehlen der Wippen zu gehorchen, schaltet aber nach ein paar Sekunden trotzdem selbst.
Beide Autos haben ein relativ straffes Fahrwerkssetup, sodass sie vor einer flotteren Fahrweise definitiv keine Angst haben. Der Korando überrascht damit, wie wenig er sich in die Kurve legt und wie gut seine 19" Räder Unebenheiten filtern. In den Innenraum lässt er allerdings etwas mehr Lärm durch, beziehungsweise ist empfindlicher gegenüber dem Straßenbelag. Der Karoq hatte die adaptiven DCC-Dämpfer als Sonderausstattung, die ihm einen kleinen Vorteil verschaffen, und war auf 18-Zoll-Rädern hervorragend gedämmt und abgestimmt. Im Comfort-Modus ist er etwas schaukelig und im Sport-Modus straffer, auch wenn die Änderung der Dämpferabstimmung nicht so spürbar ist wie etwa beim kürzlich getesteten Golf oder beim Passat, wo wir ebenfalls DCC-Dämpfer hatten.

Wir bekamen den Korando mit nur 200 km auf dem Tacho, und anfangs war es überraschend, wie schnell der Kraftstoff aus dem Tank verschwand. In der Stadt wie auch auf der Autobahn über 10 Liter, wobei der Verbrauch allmählich leicht sank, aber die Ergebnisse unserer Verbrauchsmessung können nicht ganz als maßgeblich gelten. Auch der Karoq ist kein Asket, sein Langzeit-Bordcomputer zeigte einen Wert von über 9 Litern. Aber wir haben einen gewissen Vergleich. Auf derselben, 100 km langen Strecke nach Karlovy Vary (im Ausflugstempo des dichten Freitagsverkehrs) verbrauchte der Karoq 1,5 Liter weniger, bei einem Verbrauch von 6,2 Litern. Auch wenn ich glaube, dass der Verbrauch des koreanischen Wagens noch sinken wird, denke ich nicht, dass der Motor so gute Ergebnisse erzielen wird wie der 1.5 TSI, der zwar einen solch „lahmen“ Charakter hat, aber (vielleicht gerade deswegen) recht sparsam ist. Die WLTP-Werte, von denen wir wissen, dass sie sehr zuverlässig sind, sagen 0,7 Liter zugunsten des Karoq voraus, mit 6,9 Litern auf hundert Kilometer im kombinierten Fahrzyklus.

Vergleichstests kommen nicht ohne die Beteiligung mehrerer Personen/Fahrer aus, daher hier die Eindrücke des zweiten Fahrers: „Mit den technischen Parametern beschäftigt sich der Artikel schon recht ausführlich, daher werde ich hier nur versuchen, persönliche Eindrücke zu vermitteln. Vorweg möchte ich anmerken, dass ich kein besonderer Verfechter des SUV-um-jeden-Preis-Ansatzes bin, sodass ich mir von diesem Duo wohl keines der beiden Exemplare kaufen würde, aber ich kann einige Argumente nachvollziehen, wie zum Beispiel das bequeme Ein- und vor allem Aussteigen oder das Verladen von Gepäck, weshalb manche Leute zu diesem Segment greifen.

Gleich zu Beginn muss ich beiden Konkurrenten ein angenehmes Fahrgefühl bescheinigen. Der Karoq schirmte die Insassen etwas besser von Lärm und Fahrbahnunebenheiten ab, aber auch in keinem der beiden Autos störten mich ausgesprochen unangenehme Geräusche. Beim Wechsel von der Straße auf einen Feldweg gab ich trotz des komfortableren Fahrwerks des Karoq dem Korando kleine Pluspunkte, der das Gelände, auf dem er fuhr, um eine Nuance besser vermittelte (das werden Sie natürlich nur dann als Vorteil betrachten, wenn Sie das interessiert :)). Außerdem vermittelte die höhere und flachere Motorhaube das Gefühl, in einem Geländewagen zu sitzen. Auch später, vor der Morgendämmerung, als der reichliche Tau meinen Schlafsack ordentlich durchnässt hatte, ging ich den Rest der Nacht im Ssangyong schlafen, denn er bot mir nach dem Umklappen der Sitze eine ebene Ladefläche, was der Škoda wohl auch wegen der VarioFlex-Sitze (die sonst viele Vorteile haben) nicht bot.
Von der Leistung her sind beide 1,5-Liter-Motoren für die Autos ausreichend (oben beschrieben), im Innenraum hat mich jeder der beiden Konkurrenten auf etwas andere Weise überzeugt. Der Karoq durch die bessere Sitzführung und stellenweise angenehmere, wenn auch biedere Materialien, der Korando dagegen durch die Sitzbelüftung und zum Beispiel die „räumliche“ Ambientebeleuchtung in den Türen und vor dem Beifahrer...“

Jetzt bräuchte es wohl eine Auflösung des gesamten Tests. Beide Autos bieten das, was sie versprechen - genug Platz für alle, Geländegängigkeit auf leichtem Terrain, leichteres Einsteigen und einen ausreichenden Kofferraum für Gepäck und jede Menge Elektronik. Beide haben leise Benzinmotoren, die nicht stören und ähnliche Fahrleistungen bieten, wobei der Korando besser aufs Gas reagiert, etwas gedämpft durch den klassischen Automaten, der beim Anfahren auch zögerlicher ist. Dem Karoq kann man ankreiden, dass sich Motor und Doppelkupplungsgetriebe nicht besonders gut verstehen. Ansonsten ist es ein großartiges Auto. Seine Elektronik ist um eine Nuance besser abgestimmt, sein Fahrverhalten reifer, sein Kofferraum praktischer, der Kraftstoffverbrauch niedriger, die Empfindlichkeit gegenüber dem Untergrund und der Fahrwerkskomfort besser. Die meisten dieser Eigenschaften fallen jedoch nur beim direkten Vergleich beider Fahrzeuge auf, wobei am stärksten das unterschiedliche Größengefühl des Autos hervorsticht. Es ist eine Frage, wie sich der Korando nach 5 Jahren verkaufen lässt und wie zuverlässig er sein wird. All das scheint den Karoq auf den imaginären Thron zu heben. Aber dann gibt es da noch die letzte Kleinigkeit. Das Geld. Das steht bekanntlich an erster Stelle. Der Unterschied bei den von uns getesteten Fahrzeugen betrug über 200 Tausend zugunsten des Korando. Und genau diese 200 Tausend stellen so ungefähr genau den Unterschied dar, um wie viel der Karoq die bessere Wahl ist. Und so werden Sie diesmal das Fazit gemeinsam mit Ihrem Bankkonto ziehen müssen.






















