Als ich das erste Mal im KGM Torres EVX saß, dachte ich mir: "Ja, das sieht interessant aus." Das Design des SUVs mit klar kantigen Zügen und geraden LED-Leuchten hat mich sofort überzeugt. Es wirkt robust, fast wie ein kleiner Offroader, doch gleichzeitig ist klar, dass wir uns im urbanen Dschungel bewegen. KGM – früher unter der Marke SsangYong bekannt – macht mit diesem Modell deutlich, dass die Elektro-Ära für die Marke kein notwendiges Übel wegen der Emissionen ist, sondern eine echte Chance, sich neu zu definieren. Der Torres EVX ist der Beweis dafür. Er wirkt modern, unverbraucht und hat eine eigene Identität. Sein Design und der Ansatz zur Elektromobilität zeigen, dass die Marke eine klare Vision hat. Und das gefällt mir. Man merkt, dass KGM den früheren Ruf als Hersteller günstiger, aber etwas exzentrischer Modelle hinter sich lassen will und sich eher zu einer modernen, selbstbewussten Marke entwickelt, die auch anspruchsvolleren Kunden etwas zu bieten hat.

Der Torres EVX gehört definitiv nicht zu den langweiligen Elektroautos, die man an der Ladestation mit der Konkurrenz verwechseln könnte. Die Frontmaske ist markant futuristisch, die LED-Leuchten scharf geschnitten, und die Karosserie wirkt insgesamt muskulös. Schon von Weitem sieht es so aus, als hätten die Designer von jedem ikonischen SUV etwas übernommen – Maske und Proportionen erinnern an Jeep, Ausdruck und Breite der Kotflügel wiederum ein wenig an Land Rover. Das Ergebnis ist ein visuell selbstbewusstes Auto, das keine Show abzieht – es sieht einfach hart aus. Es erinnerte mich auch ein bisschen an einen Hummer auf Diät, aber im besten Sinne des Wortes. Es ist nicht übertrieben massig, wirkt aber gleichzeitig weder schwach noch langweilig. Optisch ist es ein Auto, das Aufmerksamkeit verdient, egal ob es auf dem Parkplatz vor dem Café steht oder auf einer Bergstraße unter der Seilbahn. Und ehrlich gesagt – in der heutigen Flut glattgebügelter Crossover ist diese Portion Charakter eine willkommene Abwechslung.


Innen ist es typisch koreanische Moderne – klare Linien, minimalistischer Ansatz und Fokus auf Technologie. Zwei relativ große Displays dominieren den Innenraum. Eines hinter dem Lenkrad für die Instrumente, das andere in der Mitte des Armaturenbretts fürs Infotainment. Beide sind gut ablesbar, wenn auch nicht immer ganz intuitiv zu bedienen. Die Materialverarbeitung ist für den Preis solide.
Die Sitze sind angenehm geformt, halten dich in Kurven gut fest, und ihren Komfort schätzt man auch auf längeren Strecken. Persönlich hätte ich mir mehr individuelle Einstellmöglichkeiten gewünscht, etwa eine bessere Rückenstütze oder eine längere Sitzfläche, aber das ist eher eine Frage persönlicher Vorlieben als ein großer Mangel. Bein- und Kopffreiheit gibt es reichlich – auch größere Passagiere haben genug Platz, ohne mit dem Kopf an die Decke oder mit den Knien an die Vordersitze zu stoßen. Selbst bei voller Besetzung schaffen vier Erwachsene lange Strecken in völligem Komfort. Insgesamt wirkt der Innenraum geräumig und luftig. Was mich zudem wirklich überrascht hat, ist der riesige Kofferraum – knapp 700 Liter in der Basisausstattung sind in dieser Klasse wirklich ein außergewöhnlicher Wert. Der Kofferraum hat zudem eine praktische Form und eine niedrige Ladekante, sodass alles hineinpasst, vom wöchentlichen Familieneinkauf bis hin zu einem Faltrad oder zwei großen Sporttaschen.


Was die Materialverarbeitung betrifft, kommen weichere Kunststoffe vor allem im oberen Bereich des Armaturenbretts und rund um den Mitteltunnel zum Einsatz. Härtere Kunststoffe finden sich dagegen in den unteren Bereichen des Innenraums – also am unteren Türteil, unter dem Armaturenbrett und im Fußraum. Nichts Dramatisches, aber bei Berührung mit dem Knie oder dem Schienbein spürt man den Unterschied. Das ist kein Vorwurf, eher eine Feststellung – in dieser Preisklasse ist das eine übliche Lösung.
Der Gesamteindruck des Innenraums ist eindeutig – praktisch, modern und geräumig. Es ist nicht der Wow-Effekt eines Luxusautos, aber innerhalb des Segments eine überdurchschnittlich funktionale Lösung.



Um ehrlich zu sein, wirkt das Anfahren im Modus Normal überraschend behäbig – als würde das Auto Laufruhe und Komfort einer sofortigen Reaktion vorziehen. Für viele Fahrer wird das eher eine Eigenschaft als ein Mangel sein. Wer aber ein flotteres Ansprechverhalten möchte, muss nur in den Sport-Modus schalten, und plötzlich scheint der Torres neuen Atem zu schöpfen. Die Gasannahme wird spürbar schärfer, das Auto wirkt viel lebendiger und bietet genau die Dynamik, die man von einem modernen Elektroauto erwartet.
Das Einzige, was konstant bleibt, ist die Fahrwerksabstimmung. Adaptive Dämpfer sucht man hier vergebens, sodass sich der Fahrcharakter auch je nach gewähltem Modus nicht ändert. Andererseits wirkt der Wagen dadurch unter allen Umständen berechenbar und vorhersehbar, was besonders diejenigen schätzen werden, die eine einfache, unkomplizierte Fahrt bevorzugen. Interessant ist das Verhalten des Autos bei starker Beschleunigung – aus nicht ganz klarem Grund hebt sich der vordere Teil des Fahrzeugs leicht an, was zu einem kurzzeitigen Traktionsverlust führen kann. Nichts Dramatisches, aber erwähnenswert. Für den Alltagsbetrieb ist das Fahrwerk jedoch sehr komfortabel und ruhig abgestimmt, was den Torres zu einem angenehmen Begleiter für jeden Tag macht.
Infotainment und Eingriffe ins Lenken: Dieses Auto glaubt zu wissen, was besser für mich ist
Hier kommt mein vielleicht größter Kritikpunkt am Torres EVX. Das Auto ist mit einer wirklich breiten Palette an Assistenzsystemen ausgestattet, die die Insassen und die Umgebung schützen sollen – und das nimmt es wirklich ernst. Fährst du lange? "Gönn dir einen Kaffee!" Fährst du näher an den Fahrbahnrand? "Ich korrigiere deine Spur." Anfangs kann das etwas übertrieben wirken, aber man sollte bedenken, dass koreanische Fahrzeuge oft mit extremem Fokus auf die in der EU geltenden Sicherheits- und Komfortnormen entwickelt werden. KGM bemüht sich, diese Standards wirklich bis ins Detail zu erfüllen, weshalb man mit mehr Piepsen, Warnungen und Lenkeingriffen rechnen muss, als man vielleicht erwarten würde. Vieles davon lässt sich in den Einstellungen deutlich anpassen, man muss dem nur etwas Zeit und Geduld widmen.
Kabelloses Apple CarPlay funktionierte zuverlässig und ohne Aussetzer, was heutzutage schon fast selbstverständlich ist, aber trotzdem erfreut. Das Soundsystem ist solide – Audiophile wird es nicht begeistern, aber für das gewöhnliche Hören von Musik oder Podcasts reicht es völlig aus. Die Kombination aus eifrigen elektronischen Helfern und stellenweise unpraktischer Infotainment-Bedienung bedeutet einfach, dass man sich mit dem Auto erst eine Weile anfreunden muss. Das lässt sich durchaus überwinden, aber ein „Einsteigen und Losfahren“-Erlebnis ist es definitiv nicht.

Der Wagen ist mit einer LFP-Batterie mit einer Kapazität von knapp über 73 kWh ausgestattet. Die Unterschiede in der Reichweite je nach Fahrstil und Umgebung sind recht deutlich. In der Stadt ist es kein Problem, rund 340 km zu erreichen, im kombinierten Betrieb habe ich etwa 280 km geschafft, und bei reiner Autobahnfahrt sank der Wert auf etwa 250 km. Trotzdem sind das sehr ordentliche Werte, die die meisten alltäglichen Bedürfnisse problemlos abdecken. Das Laden an einer DC-Station verläuft reibungslos – in der Praxis erreichte ich 80 % in knapp unter 40 Minuten bei einer Ladeleistung von 50 kWh, was den Torres zu einem gut nutzbaren Begleiter auch für längere Strecken macht.


Für mich ist der KGM Torres EVX überhaupt kein schlechtes Auto. Er ist extrem geräumig, sieht interessant aus, bietet eine solide Reichweite und kann flott sein.
