Auf dem niederländischen AutoTrack ist eine Anzeige aufgetaucht, die mehr als tausend Worte über den Zustand der chinesischen Automobilindustrie aussagt. Der HiPhi X — ein sechssitziges Elektro-MPV mit Türen wie aus einem Science-Fiction-Film — steht für 69.800 Euro zum Verkauf, umgerechnet rund 1,76 Millionen Kronen. Neu kostete er über 100.000 Euro. Der Tacho zeigt 50 Kilometer. Und der Hersteller, der ihn gebaut hat, existiert nicht mehr. Wie Autovisie berichtete, handelt es sich um das einzige zum Verkauf stehende Exemplar in den gesamten Niederlanden.
Der HiPhi X unterscheidet sich auf den ersten Blick von gewöhnlichen Elektro-SUVs. Er ist 5,2 Meter lang, bietet sechs Sitze und einen Antrieb mit rund 440 kW (etwa 600 PS), mit dem er in unter vier Sekunden von null auf hundert sprintet. Am bemerkenswertesten sind jedoch die hinteren Türen: Der untere Teil öffnet entgegen der Fahrtrichtung wie bei einem Rolls-Royce (sogenannte Suicide Doors), der obere Teil klappt nach oben wie die Flügeltüren des Mercedes 300 SL. Diese Kombination gehört zu den ungewöhnlichsten auf dem gesamten Markt.

Das angebotene Fahrzeug ist als Modelljahr 2025 zugelassen und praktisch neu — auf den Kunststoffverkleidungen, dem Lenkrad und den Sicherheitsgurten befindet sich noch die Schutzfolie. Laut der Datenbank der niederländischen Zulassungsbehörde RDW sind im Land nur zwei HiPhi-X-Exemplare zugelassen. Paradoxerweise ist er damit seltener als der futuristische HiPhi Z, von dem dort sechs Exemplare unterwegs sind.
Die Marke HiPhi wurde 2019 vom Unternehmen Human Horizons mit Sitz in Shanghai gegründet. Sie zielte auf das Premiumsegment und wollte mit dem Tesla Model X konkurrieren. Im Februar 2024 kündigte das Unternehmen jedoch einen sofortigen Produktionsstopp für sechs Monate an. Die Mitarbeiter erhielten ihr Januargehalt nicht.
Im August 2024 meldete Human Horizons Insolvenz an bei einem Gericht in Yancheng. Die Schulden überstiegen die Vermögenswerte. Ein Rettungsversuch der iAuto Group, die eine Milliarde Dollar zugesagt hatte, konnte die Produktion letztlich nicht wieder aufnehmen. Damit reiht sich HiPhi in die mehr als 400 chinesischen Elektroautohersteller ein, die laut EVBoosters zwischen 2018 und 2025 ihren Betrieb eingestellt haben.
Ein Preis von 69.800 Euro (1,76 Millionen CZK) für ein praktisch neues Fahrzeug mit einem ursprünglichen Preis von über 107.000 Euro wirkt verlockend. Die Realität ist jedoch härter. Das Verschwinden des Herstellers bedeutet:
| Risiko | Auswirkung |
|---|---|
| Kein autorisierter Service | Reparaturen nur bei inoffiziellen Spezialisten |
| Keine Software-Updates | Infotainment- und Assistenzsysteme (ADAS) bleiben auf dem Stand von heute |
| Nicht verfügbare Ersatzteile | Selbst eine kleine Reparatur kann Monate dauern |
| Unsicherheit bei der Batterie | Keine Herstellergarantie, keine markenspezifische Diagnose |
| Minimaler Restwert | Ein Weiterverkauf wird sehr schwierig |
Rest of World dokumentierte Fälle, in denen nach dem Zusammenbruch chinesischer E-Auto-Startups die mobilen Apps, die zum Entriegeln des Autos oder zur Steuerung der Klimaanlage benötigt wurden, nicht mehr funktionierten. Die Besitzer blieben so mit einem Auto zurück, das ohne funktionierende Server bestimmte Funktionen nicht mehr bedienen konnte.

HiPhi ist kein Einzelfall. Der chinesische Automarkt durchläuft eine brutale Konsolidierung, bei der nur die größten Akteure überleben werden. Laut EVBoosters sind seit 2018 mehr als 400 Hersteller verschwunden. Darunter auch Marken, die es geschafft hatten, Autos in Europa zu verkaufen — die Käufer blieben dabei ohne Unterstützung zurück.
Auf dem tschechischen Markt sind heute mehrere Marken mit chinesischem Hintergrund aktiv: BYD, MG, Maxus, Xpeng, Polestar (Geely), Ora (GWM) oder ganz neu Jaecoo und Leapmotor. Sie alle haben große Muttergesellschaften hinter sich. Das ist ein grundlegender Unterschied zu Start-ups wie HiPhi, Byton oder Aiways, die auf Risikokapital und schnelles Wachstum setzten. Eine vollständige Übersicht der Marken bietet unser Tracker chinesischer Autos in Tschechien.
Für tschechische Käufer, die eine weniger bekannte Marke in Betracht ziehen, gilt eine einfache Prüfung: Hat der Hersteller in Tschechien einen offiziellen Vertriebspartner mit stationärem Autohaus? Gibt es ein Servicenetz mit verfügbaren Ersatzteilen? Und verfügt die Muttergruppe über ausreichende finanzielle Stabilität, um die nächsten fünf Jahre des Preiskriegs zu überstehen? Bei Marken wie BYD (einer der größten Elektroautohersteller der Welt), MG (im Besitz von SAIC) oder Leapmotor (in Partnerschaft mit Stellantis) ist die Antwort klar. Bei unbekannten Start-ups ohne Rückhalt kann der Kauf so enden wie beim einzigen HiPhi X in den Niederlanden — mit einem Auto, das Ihnen in Zukunft niemand mehr reparieren wird.