Das günstigste Elektroauto von Škoda wird in Spanien geboren. Der Einstiegs-Crossover Epiq läuft seit dem 8. Juni im Volkswagen-Werk Navarra am Stadtrand von Pamplona vom Band - als erstes Fahrzeug der Marke aus Mladá Boleslav, das außerhalb Tschechiens produziert wird. Škoda ist sich bewusst, dass der ausländische Geburtsort bei heimischen Kunden Zweifel wecken könnte, und hat deshalb noch vor dem Produktionsstart eigene Mitarbeiter nach Spanien entsandt, um sicherzustellen, dass der Epiq in jeder Hinsicht ein echter Škoda bleibt.
Warum der günstigste elektrische Škoda ausgerechnet in Pamplona neben dem Schwestermodell Volkswagen ID. Cross montiert wird und was das für die Preise in Tschechien bedeutet, haben wir in einem eigenen Artikel zum Produktionsstart beschrieben. Hier blicken wir auf etwas anderes: wie sichergestellt wird, dass ein in Tschechien entworfenes und in Spanien gebautes Auto noch immer dasselbe Auto ist.
Die Entscheidung, den Epiq in Spanien zu fertigen, fiel bereits 2023, und die Produktionsvorbereitungen begannen praktisch unmittelbar danach. Das Fahrzeug selbst entstand jedoch zu Hause: Chefdesigner in Mladá Boleslav entwickelten es, und der Epiq ist der erste Serien-Škoda, der von Grund auf alle Elemente der neuen Designsprache Modern Solid trägt. Die spanische Seite übernahm lediglich die finale Produktionseinrichtung und den Anlauf. Für Škoda ist es erst das zweite Modell des aktuellen europäischen Portfolios, das außerhalb der Landesgrenzen montiert wird - direkt nach dem Superb.

Eine Schlüsselrolle spielte Petr Košek von Škoda Auto, der bereits im September 2024 nach Pamplona wechselte - also mit einem erheblichen Vorlauf vor dem Start der Serienproduktion. Seine Aufgabe war es, die sogenannte funktionsorientierte Qualität in das spanische Werk zu übertragen: ein Ansatz, den Škoda an den Anforderungen des Kunden ausrichtet und nicht allein an der Optik von Spaltmaßen und Oberflächen.
„Wir haben Qualitätsstandards und Maßstäbe definiert und deren Einhaltung während der gesamten Produktionseinführung überwacht", schildert Petr Košek laut einer Pressemitteilung von Škoda Auto. In der Praxis bedeutet das: Die Parameter, nach denen der fertige Epiq beurteilt wird, sind dieselben wie bei den Fahrzeugen aus Mladá Boleslav.
Eine zweite Absicherung bietet die Konzernstruktur des Volkswagen-Konzerns selbst. Die einzelnen Marken haben zwar ihren eigenen Charakter, teilen aber die Fertigungsmethoden. „Der Konzern setzt seit Langem auf einheitliche Prozesse und Methoden, die eine hohe Qualität in allen Werken gewährleisten", erklärt Stanislav Melichar aus der Fertigungsplanung von Škoda Auto. Das Werk Volkswagen Navarra ist dabei kein Neuling: Es wurde 1965 gegründet, gehört seit 1984 zu Volkswagen, und seitdem sind dort über zehn Millionen Fahrzeuge vom Band gerollt. Genau wie das Heimatwerk von Škoda in Mladá Boleslav beherrscht es auf einer Linie die Kombination aus Verbrenner- und rein elektrischen Modellen.

Der Epiq basiert auf der neuen Plattform MEB+ mit Frontantrieb, die er sich mit dem ebenfalls in Spanien gefertigten CUPRA Raval und dem Volkswagen ID. Polo teilt. Dennoch verwendet das Fahrzeug laut Hersteller kein einziges Bauteil, das den Škoda-Ingenieuren nicht vertraut wäre. Alle Komponenten - einschließlich des teuersten und sensibelsten Teils, der Traktionsbatterie - mussten vor dem Einsatz von Škoda freigegeben werden. Die Batterie ist beim Elektroauto das kostspieligste Element und zugleich jenes, das Reichweite, Lebensdauer und Sicherheit des Fahrzeugs am stärksten beeinflusst.
Auf Preise und Verfügbarkeit in Tschechien hat die Produktionsverlagerung keinen Einfluss. Die Vorbestellungen laufen bereits im heimischen Händlernetz - vorerst nur in der Topversion Epiq 55 Essence für 779 000 Kč; der günstigste Epiq 35 für 619 000 Kč kommt erst mit dem Anlauf der LFP-Varianten im Herbst. Die Verlagerung der Montage nach Pamplona hat für Škoda vor allem einen praktischen Grund: Sie entlastet die Fertigungskapazitäten der heimischen Werke für weitere gefragte Modelle, während das Einstiegs-Elektroauto auf einer Linie entsteht, die für Elektrofahrzeuge ausgerüstet ist und Kosten mit den Konzerngeschwistern teilt. Vollständige Daten und Ausstattungen finden Sie auf der Modellseite Škoda Epiq.

Die Frage, ob ein Škoda aus Spanien noch „tschechisch" ist, bewegt sich eher im emotionalen als im technischen Bereich. Das Fahrzeug wurde in Boleslav entworfen, seine Qualitätsstandards wurden von Škoda-Mitarbeitern definiert, und es wird nach denselben Konzernmethoden montiert wie Enyaq oder Elroq. Gemeinsam mit dem siebensitzigen SUV Peaq, das am 23. Juni Premiere feiert, spielt der Epiq zudem eine Schlüsselrolle im Plan der Marke, die Zahl der Elektromodelle im Angebot in diesem Jahr zu verdoppeln.