GWM setzt in Europa auf Benzin und Hybride. Reine Elektroautos reichen angeblich nicht

GWM setzt in Europa auf Benzin und Hybride. Reine Elektroautos reichen angeblich nicht

Jiří Zelinka, 12. März 2026

Der chinesische Konzern Great Wall Motor (GWM) bereitet einen zweiten Versuch vor, in den europäischen Markt einzudringen. Diesmal setzt er nicht nur auf Elektroautos – laut Unternehmensführung liegt die Zukunft in Benzin- und Hybridantrieben. Darüber berichteten AutoWeek und NewsAuto.

Sieben Modelle ab Mitte 2026

GWM plant, ab Mitte 2026 mindestens sieben neue Modelle und Varianten auf den europäischen Markt zu bringen. Den Auftakt der Offensive soll das geplante Elektroauto ORA 5 bilden, der Nachfolger des aktuellen Funky Cat, der laut NewsAuto auch in einer Hybridversion erhältlich sein wird. Danach sollen zwei Modelle der Marke Haval folgen – SUVs, auf die GWM sowohl in China als auch auf anderen Märkten setzt.

In weiteren Phasen rechnet das Unternehmen mit Limousinen, Kombis und möglicherweise auch Pick-ups. GWM entwickelt eine neue Plattform, die die Basis für mehr als 50 Modelle mit Elektro-, Hybrid- und Verbrennungsantrieb bilden soll.

Parker Shi: Europa braucht mehr als nur Strom

„Europa bietet chinesischen Marken weiterhin erhebliche Chancen", zitiert laut NewsAuto Parker Shi, der Präsident der internationalen Division von GWM. Der Konzern will die Verkäufe außerhalb Chinas bis Ende des Jahrzehnts auf eine Million Fahrzeuge pro Jahr steigern – etwa das Doppelte des aktuellen Niveaus.

Der Schlüssel zum Erfolg soll die Diversifizierung der Antriebe sein. Während die meisten chinesischen Marken in Europa ausschließlich mit Elektroautos antreten, ist GWM überzeugt, dass Kunden auch konventionelle Motoren wollen – vor allem in Ländern, in denen die Ladeinfrastruktur hinter dem westeuropäischen Durchschnitt zurückbleibt.

3.500 verkaufte Fahrzeuge im gesamten Jahr 2025

Diese Ambitionen stehen im Widerspruch zu den bisherigen Ergebnissen. GWM verkaufte 2025 in ganz Europa etwa 3.500 Fahrzeuge, was einem Rückgang von fast 30 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bereits 2024 waren die Verkäufe um 25 % gesunken. Die Marke gehört damit zu jenen chinesischen Herstellern, denen der Durchbruch in Europa bislang nicht gelungen ist.

Zum Vergleich: BYD registrierte im selben Zeitraum in Europa Zehntausende Fahrzeuge, und MG hat sich auf dem Kontinent mit Verkaufszahlen in Höhe von mehreren Hunderttausend eine starke Position erarbeitet. Der Spielraum für weitere chinesische Marken schrumpft rasch – europäische Hersteller erweitern ihr Angebot an erschwinglichen Elektroautos, und die EU-Zölle erhöhen die Eintrittsbarriere.

Werk in Europa mit einer Kapazität von 300.000 Fahrzeugen

Laut dem Magazin AutoWeek erwägt GWM den Bau eines europäischen Werks mit einer Kapazität von 300.000 Fahrzeugen pro Jahr bis 2030. Die lokale Produktion würde helfen, Einfuhrzölle zu umgehen und die Logistikkosten zu senken.

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch BYD, das ein Werk in Ungarn errichtet. SAIC (MG) erwägt ebenfalls eine europäische Produktion und führt Gespräche in mehreren Ländern. Offen bleibt, ob GWM eine solche Investition angesichts der derzeitigen Verkaufszahlen rechtfertigen kann.

ORA wird in Tschechien von Emil Frey verkauft, Great Wall bisher nicht

In der Tschechischen Republik ist aus dem Portfolio von GWM nur die Marke ORA erhältlich, die von Emil Frey vertrieben wird. Im Angebot sind die Modelle ORA 03 (Funky Cat) und ORA 07. Die Marke Great Wall selbst sowie Haval verfügen bei uns über kein Händlernetz, und unmittelbare Pläne für einen Markteintritt wurden nicht bekannt gegeben.

Sollte GWM tatsächlich eine europäische Offensive mit sieben Modellen starten, könnte Tschechien erst in einer späteren Phase an der Reihe sein – ähnlich wie bei anderen chinesischen Marken, die in der Regel in Deutschland, den Niederlanden oder Skandinavien beginnen. Hybride und Benzinmotoren könnten dabei auf dem tschechischen Markt eine bessere Ausgangsposition haben als ein rein elektrisches Angebot, da die Ladeinfrastruktur außerhalb der Großstädte weiterhin eingeschränkt ist.

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