Wie funktioniert Lane Assist? Wir erklären alles zum Spurhalteassistenten

Wie funktioniert Lane Assist? Wir erklären alles zum Spurhalteassistenten

Martin Novák, 20. August 2019

Das Sicherheitssystem, das ein Auto aktiv in der Fahrspur hält, gibt es schon seit 1992. Damals brachte es als allererste Marke Mitsubishi auf den Markt, allerdings nur in Japan. Damals funktionierte das System eigentlich ganz einfach: Es handelte sich um eine Kamera, die die weißen Linien auf der Straße erfasste und das Auto dazwischen hielt. Und eigentlich kann man sagen, dass sich seitdem gar nicht so viel geändert hat.

Ein Assistent, der die Fahrt in der Spur überwacht, findet sich heute praktisch bei jedem Autohersteller. Seine Namen und Bezeichnungen unterscheiden sich, zum Beispiel LGS, also Lane Guard Syste, LKAS, also Lane Keep Assist Sytem und weitere. Jede Marke verwendet dafür eine andere Bezeichnung, die Funktion ist aber immer identisch. Wussten Sie übrigens, dass die Europäische Union ab diesem Jahr vorgeschrieben hat, dass genau dieser Assistent in allen neu produzierten Autos Pflicht sein und zur Serienausstattung gehören muss? Bislang boten ihn einige Autohersteller nämlich nur gegen Aufpreis an.

Doch kehren wir noch kurz in die Vergangenheit zurück. Die Entwicklung dieses Systems verlief nämlich sehr schrittweise. Ursprünglich kehrten Autos nicht selbst in die Fahrspur zurück. Das System warnte den Fahrer nur davor, dass er ohne Blinker in eine andere Spur wechselte. Bei einigen Modellen, etwa bei Audi, vibrierte das Lenkrad auf der Seite, auf der der Fahrer aus der Spur fuhr. Andere Autos konnten auch ein akustisches Warnsignal ausgeben oder Sitzvibrationen nutzen. So wie das System erstmals in Japan eingesetzt wurde, fand auch seine Entwicklung dort statt, und zwar ausschließlich bei japanischen Marken. Daran, wie es heute funktioniert, hatten die Autohersteller Nissan oder Toyota großen Anteil. Schließlich war gerade der zuletzt genannte Hersteller der erste, der seinen Modellen beibrachte, die Fahrtrichtung so zu korrigieren, dass das Auto in der Fahrspur blieb.

Wie funktioniert es?

Wie oben erwähnt, hat sich seit diesem Jahr 1992 eigentlich gar nicht so viel verändert. Nur die eingesetzten Technologien haben ein gutes Stück Entwicklung hinter sich, sind also präziser und können deutlich schneller arbeiten. Ein gutes Beispiel dafür, wie die Spurhaltung funktioniert, ist das folgende Video von Škoda Auto aus Mladá Boleslav. In ihrem Fall wird die Spurhaltung erst ab einer Geschwindigkeit von mehr als 65 km/h automatisch aktiviert.

Anschließend macht sich die Kamera des Autos an die Arbeit und beobachtet die Fahrbahnmarkierungen. Wenn sie ein unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrspur erkennt, nimmt Lane Assist eine Korrektur vor und lenkt automatisch zurück. Wenn der Fahrer die Lenkung nicht übernimmt, ertönt ein Warnsignal und auf dem Multifunktionsdisplay erscheint die Meldung „Lane Assist – bitte übernehmen Sie die Lenkung“.

https://www.youtube.com/watch?v=Yio7GoMdh98

Praktisch identisch funktioniert es im gesamten Konzern, einschließlich der Marke SEAT. Auch sie hat ein gut erklärendes Video gedreht, das anschaulich zeigt, wie Lane Assist funktioniert. Auch hier arbeitet das System mit Kameras, die die Straße vor dem Auto erfassen, und bei Geschwindigkeiten über 65 km/h warnt es den Fahrer automatisch und korrigiert die Fahrt.

https://www.youtube.com/watch?v=q7nRVZ4pmHI

Die Zeit ist vorangeschritten

Haben Sie schon einmal bemerkt, dass wir eigentlich Teil einer unglaublichen und schnellen Entwicklung der Automobilindustrie sind? Was vor ein paar Jahren als Kamera begann, die die Fahrspur überwachte, kann heute mit weiteren Fahrassistenten zusammenarbeiten, und Lane Assist wird zu einem autonomen System. Damit greifen wir ein wenig vor, aber kurz gesagt haben wir recht. Dieses Sicherheitssystem kann heute nämlich mit dem Bordcomputer des Autos zusammenarbeiten, was Schritt für Schritt dazu führt, dass das Fahrzeug das Lenken selbst übernimmt.

Lane Assist gibt es heute übrigens in zwei Versionen. Die eine warnt nur vor dem Verlassen der Fahrspur, die andere verhindert das Verlassen aktiv. Es hängt von der Marke ab, welche davon sie ihren Kunden anbietet, aber Fakt ist, dass der Sicherheitsunterschied zwischen beiden wirklich groß ist. Im ersten Fall bleiben wir bei Vibrationen oder akustischen Warnungen, was aber nicht bedeutet, dass Sie die Fahrspur nicht trotzdem unbeabsichtigt verlassen können. Das zweite System lässt Sie einfach nicht über die weiße Linie auf der Straße fahren. Interessant ist, dass einige Systeme die Fahrt des Autos laufend korrigieren können und Sie so in der Mitte der Fahrspur bleiben, während andere Sie bis zur Linie fahren lassen und Sie erst danach wieder zurückbringen.

Lane Assist funktioniert in Škoda-Modellen so, dass die Kamera bei einer Geschwindigkeit über 65 km/h die Fahrbahnmarkierungen vor dem Fahrzeug überwacht. Erkennt sie ein unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrspur, nimmt das System eine Korrektur vor und lenkt automatisch zurück.

Interessant ist auch, dass einige sportliche Modelle, etwa von Mercedes AMG, zusammen mit den Fahrmodi, bei denen sich Lenkreaktion, Gaspedalansprechen oder Dämpfereinstellung ändern, auch die Reaktionen zum Beispiel der Spurhaltefunktion verändern können. In der schärfsten Einstellung des Autos ist auch dieses System deutlich aktiver, und mich persönlich hat sein Eingriff sogar erschreckt.

Eine weitere interessante Tatsache ist, dass die Autohersteller selbst sich mit der Entwicklung dieses und letztlich auch anderer Systeme nicht lange aufhalten. Das nehmen Sie bitte mit etwas Übertreibung. Es ist für sie einfach günstiger, wenn sie deren Entwicklung anderen überlassen. Es gibt Unternehmen, die sich auf Sicherheitssysteme spezialisieren; dazu gehört etwa Valeo, das nicht nur Sicherheitssysteme für Jaguar entwickelt und herstellt, Bosh, das mit dem Volkswagen Konzern zusammenarbeitet, oder Continental, das neben Reifen auch Systeme für Ford entwickelt.

Wie geht es weiter?

Wie gesagt, die Entwicklung in der Automobilindustrie schreitet derzeit mit großen Schritten voran. Was Lane Assist heute kann, wird in ein paar Jahren wahrscheinlich belächelt werden. Schließlich kann dieses System schon heute mit einem adaptiven Tempomaten oder einem Totwinkelassistenten zusammenarbeiten und bildet so nach und nach die Grundlage für teilweise oder vollständig autonome Autos.

Sie wissen sicher, dass zum Beispiel die amerikanische Tesla ihre autonomen Modelle genau auf der Verbindung und natürlich der gründlichen Weiterentwicklung ursprünglich „nur“ sicherheitsrelevanter Systeme aufgebaut hat. Dicht dahinter folgt aber zum Beispiel auch Volvo, dessen Streben nach absoluter Sicherheit gut bekannt ist.

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