Kamiq 1.0 TGI - Ersparnis nicht um jeden Preis

Kamiq 1.0 TGI - Ersparnis nicht um jeden Preis

Jan Nemrava, 3. Januar 2022

In unserer Autohled-Garage begrüßen wir jeden Antriebstyp und jede Antriebsvariante - neben Elektroautos hatten wir dieses Jahr auch ein paar Diesel und sogar LPG. Aber CNG, also komprimiertes Erdgas, hatten wir hier noch nicht. Škoda bietet mehrere seiner Modelle mit werkseitiger Installation dieses Alternativantriebs an, die die Bezeichnung G-Tec tragen. Es handelt sich um die Modelle Scala, Octavia und den hier getesteten Kamiq. Erdgas ist neben den günstigeren Betriebskosten für den Besitzer auch für die Hersteller attraktiv, da es ihnen erlaubt, den Durchschnitt der Flottenemissionen zu senken.

Den Kamiq hatten wir schon letztes Jahr mit dem Ein-Liter-TSI und er war klasse, daher hier nur eine kurze Zusammenfassung. Er misst 4241 mm in der Länge und ist damit etwa 134 mm länger als die kürzlich getestete Fabia. Der Kamiq bietet eine etwas aufrechtere Sitzposition und dadurch eine bessere Raumnutzung in Längsrichtung. Für weitere Details verweise ich die Leser auf den älteren Test. Jetzt dazu, was an unserem Exemplar besonders ist. Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick unterscheidet er sich durch das G-Tec-Emblem am Heck und noch eine Sache, die nur ein echter Erbsenzähler entdeckt. Wegen der Platzierung der voluminösen CNG-Tanks unter dem Heck des Fahrzeugs musste der Auspuff gekürzt werden, der irgendwo auf Höhe der hinteren Türen endet, und man erkennt es vor allem daran, dass der Dampf aus dem Auspuff unter dem Heck des Fahrzeugs austritt. Das ist von außen alles. 

Innen gibt es nur wenig mehr an Änderungen. Zum Beispiel ist auf dem Armaturenbrett statt der Kühlmitteltemperatur eine Anzeige hinzugekommen, die die verbleibende Gasmenge zeigt, sowie ein paar Menüpunkte im Bordcomputer (wie ein CNG-Qualitätsmesser) - die Änderungen sind also eher gering. Die größte Änderung betrifft den Kofferraum. Er hat 126 Liter Volumen eingebüßt und kommt so auf unterdurchschnittliche 278 Liter. Praktisch bedeutet das, dass der Kofferraumboden keine untere Position mehr hat. Damit reiht sich der Kamiq neben Fahrzeuge des B-Segments ein, wie zum Beispiel den Peugeot 208. Hier „zerpflücke“ ich gleich den ersten Nachteil. Was nützt ein Auto, das bequem 4 Erwachsene befördert, wobei sogar die hinteren Passagiere fast zu viel Beinfreiheit haben, wenn jeder nur ein einziges kleines Köfferchen mitnehmen kann. Diese Tatsache prädestiniert den Kamiq dazu, ein Stadtauto und ein Zweitwagen für die Familie zu sein. Wir alle wissen, wie leicht man die 600 Liter des Octavia zu viert füllen kann, und wenn die beiden hinten Kinder sind, passt notfalls sogar ein Sarg aufs Dach. 

Und noch eine Überraschung, die die Reichweite betrifft. Das CNG ging schließlich erst nach 380 km aus. Auf dem Display leuchtete dann eine Reichweite von 110 km mit Benzin, und vor mir lag an dem Tag eine 100-km-Fahrt auf der Autobahn. Ich habe unterwegs eine CNG-Tankstelle gesucht, weil ich diese niedrigen zweistelligen Reichweiten einfach nicht mag. Ich habe die Tankanzeige und die Reichweite aufmerksam beobachtet. Doch keine der beiden Anzeigen bewegte sich ganze 70 km lang. Eine Weile hatte ich sogar den Verdacht, dass sie nicht funktionieren und mir gleich auch das Benzin ausgehen wird und ich irgendwo auf den Abschleppdienst warten muss. Und der Mann vom Abschleppdienst würde sagen: „Das ist ja ein Pechvogel! Zwei Kraftstoffe, und beide gehen ihm aus.“ Am Ende wurden aus den 110 km nach diesen 70 km schließlich 100 km, und danach zeigte der Zähler wieder korrekt an. Auch die Tanknadel begann zu sinken. Das Fazit ist also, dass der Kamiq theoretisch mindestens 550 km mit beiden Kraftstoffen zusammen schafft, was eigentlich gar nicht schlecht ist! Und selbst das theoretische Not-Auftanken von Benzin alle 150 km (etwa in Kroatien, wo es nur zwei CNG-Tankstellen gibt) ist eigentlich gar nicht so unvorstellbar, wenn der Kamiq das ganze Jahr über für eine Krone pro Kilometer fährt.

Das Fazit fällt also recht zwiespältig aus. Der Benziner-Kamiq ist ein großartiges Auto. Ich denke sogar, dass er sich besser verkaufen könnte als der neue Fabia, denn preislich handelt es sich um einen Aufschlag von etwa 10 %, und er macht insgesamt einen etwas besseren Eindruck (vom Einstieg über die Ruhe an Bord bis zur Stabilität des älteren Infotainmentsystems). In der CNG-Version ist sein Einsatzbereich jedoch durch die geringere Reichweite und den sehr kleinen Kofferraum leicht eingeschränkt. Obwohl seine Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit deutlich besser sind als bei der Benzinvariante, spricht sein (aus meiner Sicht) eingeschränkter Einsatz im Stadtverkehr inzwischen eher für Elektro- oder eventuell Hybridfahrzeuge. Als Alternativkraftstoff für das einzige Auto in der Familie erscheint mir LPG besser geeignet, das nicht so viel Platz im Kofferraum beansprucht und in Kombination mit einem vollwertigen Benzintank die Reichweite sogar vergrößert. 

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