Nissan kämpft ums Überleben: weniger Werke, mehr japanische Identität

Nissan kämpft ums Überleben: weniger Werke, mehr japanische Identität

Jiří Zelinka, 8. Februar 2026

Nissan steht an einem Scheideweg. Nach dem Scheitern der Fusion mit Honda im Februar 2025, einem Jahresverlust von 518 Millionen Dollar und einem Gewinneinbruch von 93 Prozent in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres hat der Autobauer einen Rettungsplan gestartet. Er heißt Re:Nissan, und sein Urheber, der neue CEO Ivan Espinosa, spricht von „entschlossenen und mutigen Schritten zur Erneuerung.“

Warum Honda Nein sagte

Die japanischen Giganten kündigten im Dezember 2024 die Absicht an, den drittgrößten Hersteller der Welt zu schaffen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch, als Honda eine Struktur vorschlug, in der Nissan lediglich eine Tochtergesellschaft gewesen wäre. Beide Seiten kamen laut einer gemeinsamen Erklärung zu dem Schluss, dass es „für die Entscheidungsgeschwindigkeit in der Zeit der Elektrifizierung am besten ist, die Verhandlungen zu beenden.“

Nissan ist somit allein ins Jahr 2026 gestartet – ohne Partner, dafür mit neuer Führung und einem Sieben-Punkte-Plan zur Erneuerung.

Die sieben Punkte von Re:Nissan

Espinosa, der am 1. April 2025 sein Amt als CEO antrat und laut Motor1 mit seinem eigenen Z zur Arbeit fährt, präsentierte einen harten Einschnitt: eine Reduzierung der Werke von 17 auf 10, die Entlassung von 20.000 Mitarbeitern und Einsparungen von 1,7 Milliarden Dollar bis April 2027.

Der Plan Re:Nissan umfasst sieben Säulen: die Senkung variabler und fixer Kosten, die Restrukturierung der Produktion, den Abbau der Belegschaft, die Überarbeitung der Entwicklung, eine neue Marktstrategie und die Stärkung von Partnerschaften. Zwei Elektro-Limousinen für den US-Markt – eine von Nissan, eine von Infiniti – wurden gestrichen.

Rückkehr zu japanischen Wurzeln im Design

Während die Finanzabteilung kürzt, sucht das Designstudio nach einer neuen Identität. Giovanny Arroba, der neue Chef von Nissan Design Europe in London, sagte gegenüber Autocar: „Jetzt ist ein großartiger Zeitpunkt, um zu feiern, dass wir ein japanischer Autohersteller sind, und das in unsere Produkte einfließen zu lassen. Die Deutschen haben das Bauhaus, die Italiener die Romantik, aber die Japaner bringen einen besonderen Charme, Witz und Innovation mit.“

Das erste Ergebnis ist der neue Micra EV, dessen Design sich an der sogenannten „Pike cars“-Serie orientiert – kultigen Retro-Modellen von der Wende der 1980er zu den 1990er Jahren, die sich in Japan den Status von Designikonen erarbeitet haben.

Nissan Pike cars – Be-1, Pao, Figaro und S-Cargo
Nissan Pike cars – Be-1, Pao, Figaro und S-Cargo. Kultige Retro-Modelle von der Wende der 1980er zu den 1990er Jahren, die die neue Designgeneration inspirieren.

Zahlen zeigen erste Ergebnisse

Auf dem US-Markt, wo die Lage am brenzligsten ist, wachsen die Nissan-Verkäufe im Jahresvergleich um 2,2 Prozent. Der Kicks legte um 47 Prozent zu, der Murano nach dem Facelift um 124 Prozent und der Z um 122 Prozent. Das neue Anreizprogramm „Nissan One“ bietet Händlern je nach Zielerreichung einen Bonus von 350 bis 1.200 Dollar pro verkauftem Fahrzeug.

In Europa setzt Nissan bei Elektroautos auf eine aggressive Preispolitik. In Deutschland bietet Nissan laut Auto Motor und Sport einen eigenen Nissan-Bonus von bis zu 8.500 Euro zusätzlich zur staatlichen Förderung von 6.000 Euro. Der neue Micra EV kann so unter 20.000 Euro starten, der Ariya sinkt mit dem Bonus insgesamt um 14.500 Euro unter den Listenpreis.

Was das für Tschechien bedeutet

Nissan gehört in Tschechien zu den etablierten Marken mit einem funktionierenden Händlernetz. Der neue Micra EV, der im französischen Renault-Werk ElectriCity produziert wird, soll auch auf den heimischen Markt kommen, wo er mit erschwinglichen Elektroautos wie dem Renault 5 oder dem Citroën ë-C3 konkurrieren wird.

Offen bleibt die Frage, ob auch die tschechische Vertretung etwas Ähnliches wie die deutschen Boni anbieten wird. Laut einer Consumentenbond-Studie, die im vergangenen Jahr die Zuverlässigkeit der Marken bewertete, gehören japanische Autohersteller – einschließlich Nissan – nach wie vor zu den zuverlässigsten am Markt. Und gerade Zuverlässigkeit und Servicenetz könnten die Argumente sein, die Nissan im Wettbewerb mit chinesischen Marken braucht.

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