Wer hätte das gedacht – ein brandneues Elektroauto von Škoda, dazu noch kleiner als der Enyaq, sammelt bereits zehntausende Bestellungen in ganz Europa. Der Elroq kam letztes Jahr zusammen mit dem Facelift des Superb und des Kodiaq auf den Markt, konnte sich aber auch neben diesen bekannten Namen durchsetzen.

Die größten Erwartungen weckte der Elroq dadurch, dass sich sein Preis dem eines Verbrenners annähert, konkret dem des Karoq. Der Hauptfaktor, der den Preis beeinflusst, ist die Batteriegröße, weshalb der Basispreis mit der kleinsten Batterie natürlich eingeschränkt ist und nicht für jeden passt. Bei der Basisversion gibt der Hersteller eine Reichweite von 347–377 km an – hier kommt nämlich eine Batterie mit 55 kWh Kapazität (52 kWh nutzbar) zum Einsatz, die für 799 tisíc Kč zu haben ist. Die von uns getestete Version mit der größten Batterie mit 82 kWh Kapazität (77 kWh nutzbar) bietet eine Reichweite von bis zu 573 km. Das klingt schon interessant, nur beginnt der Preis hier bei einer Million Kronen.

Bei der Wahl der Batteriegröße kommt es stark auf die Nutzungsweise des Autos und die Lademöglichkeiten an. Auch ein Auto mit einer 55-kWh-Batterie deckt sicher die meisten Bedürfnisse für den täglichen Weg zur Arbeit und übliche Fahrten ab, sofern man die Fahrt jeweils mit 100 % Akkuladung beginnen kann – also typischerweise von der heimischen Wallbox aus. Aber die Vorstellung, ein solches Modell öffentlich zu laden, finde ich etwas beängstigend. Zwar gibt der Hersteller bei allen Modellen eine Ladezeit von 10 auf 80 % von rund 25 Minuten an, doch das ist ein Idealszenario. Je nach thermischem Zustand der Batterie und natürlich der verfügbaren Geschwindigkeit der Ladestation muss das nicht immer so sein. Wenn alles so läuft, wie es soll, schafft der Elroq eine Ladeleistung von bis zu 185 kW.

Beim Elroq begegnen wir erstmals der Designsprache Modern Solid, konkret mit der Frontpartie namens Tech-Deck Face. Für ein Škoda-Modell ein relativ extravagantes Design, das aber in echt sehr gut aussieht. Das Auto wirkt kleiner, als es tatsächlich ist, und trotz des mutigeren Designs glaube ich, dass es ein typischer Škoda-Stil sein wird, der sehr langsam altert und dem Zahn der Zeit gut standhält. Man wird sehen, inwieweit er sich zur Unterscheidung der verschiedenen Modelle eignet oder ob er das Erscheinungsbild im Gegenteil völlig vereinheitlicht.

Und dann das Interieur. Obwohl es formal identisch mit dem des Enyaq ist, wirkt die von uns getestete Version mit hellen Elementen und orangefarbenen Streifen unglaublich modern. Etwas Ähnliches hatte das vorgestellte Konzeptfahrzeug Škoda Vision 7. Das Interieur wird von einem großen 15-Zoll-Display dominiert, das mit der neuen Infotainment-Version ME 4.0 sowohl in Geschwindigkeit als auch in Übersichtlichkeit und Bedienbarkeit an der Spitze liegt. Zu den Neuheiten gehört zum Beispiel auch ein gekühltes Ablagefach zum kabellosen Laden des Handys. So ein Blödsinn, werden Sie denken. Ist es aber nicht! Ein kabellos verbundenes Handy, das dabei noch lädt, wird sehr heiß – und die Kühlung hilft dabei. Nach dieser Erfahrung habe ich in meinem eigenen Auto nur ungern noch nach dem Ladekabel gesucht.

Los geht's. Ich hatte etwas Angst, dass die 20-Zoll-Räder zu groß wirken würden, aber dem ist nicht so. Mit den adaptiven Dämpfern in der Stufe Normal oder härter verhält sich das Fahrwerk fantastisch erwachsen. Es dämpft alle Arten von Unebenheiten, kein Poltern und keine Vibrationen dringen ins Innere. Zusammen mit dem Heckantrieb, der sofortigen Reaktion auf das Gaspedal und dem absolut ruhigen Innenraum wirkt der Elroq wie eine Klasse höher. Ein Vergleich mit einer Verbrenner-Version ähnlicher Kategorie kommt hier gar nicht erst in Frage.

Dass ein komfortables Fahrwerk nicht immer weich bedeutet, beweisen die DCC-Dämpfer, die im Modus Komfort das Auto ziemlich stark schaukeln lassen – das wirkt etwas „citroënhaft“ und nicht besonders angenehm. Im Modus Normal reduzieren sich die Karosserieschwingungen deutlich, und der Elroq gleitet sowohl über schlechte Straßen als auch durch schneller gefahrene Kurven mit schöner Souveränität. Der Modus Sport verändert dann die Servolenkungswirkung, beschleunigt die Gaspedalreaktion und härtet das Fahrwerk noch etwas mehr ab. Sehr hilfreich ist die progressive Lenkung, dank der man nicht so viel am Lenkrad kurbeln muss. Auch im härtesten DCC-Dämpfermodus ist das Auto nicht unbequem.

Und wie fährt er sich? Wie schön er auf das Gaspedal reagiert, wie schön die Hinterräder das Auto nicht nur aus der Kurve heraus schieben. Das ist einfach ein Fahrerlebnis, das ein Verbrennungsmotor nicht bieten kann. Und ich traue mich zu behaupten, dass die Hinterradversion sowohl in puncto Dynamik als auch Traktion völlig ausreichend sein wird. Mit Allradantrieb verliert man nämlich einen Teil dieser fantastischen Wendigkeit, die eine weitere einzigartige Eigenschaft des Elroq ist. Der Verbrauch entspricht den Erwartungen – auf der Autobahn muss man mit 24 kWh rechnen, außerorts mit rund 17 kWh, ein Durchschnitt von rund 19 kWh bedeutet, dass man etwa 350 km fahren kann, bevor nachgeladen werden muss. Und wenn schon, dann geht das schön schnell. Bei einem sehr kurzen Stopp habe ich in 7 Minuten genug für weitere 100 km nachgeladen, die ich noch bis zum Ziel brauchte. Die Batterie brauchte bei etwa 10 Grad nicht einmal ein Vorheizen und lud bei rund 20 % nur etwas langsamer, als der Hersteller angibt – und zwar mit rund 150 kW.

Und dass ich bisher nur gelobt habe? Nun, das Auto ist wirklich gut. Auch die Ergebnisse sprechen dafür. Der Hersteller hat bereits mehr als 65 000 Bestellungen, und der Elroq ist das meistverkaufte Auto Europas! Aber gut, gehen wir auch auf die Suche nach ein paar Schwächen. Für mich sind es zwei. Das Kamerasystem könnte besser sein. Und die zweite? Der Platz für Passagiere und Gepäck erscheint mir etwas unausgewogen. Der Elroq unterscheidet sich vom Enyaq praktisch nur in der Kofferraumgröße. Und genau das ist das Problem. Die 470 Liter beim Elroq sind nicht schlecht, nur für ein Familienauto etwas wenig. Vor den Knien haben Sie mehrere Dutzend Zentimeter Platz, sodass man locker die Beine übereinanderschlagen kann, aber der Kofferraum ist schnell voll. Wäre die Rücksitzbank verschiebbar, könnte man sie um 20 cm nach vorne schieben – vor den Knien wäre immer noch reichlich Platz, und der Kofferraum könnte 600 Liter fassen wie beim Enyaq. Nur was würde dann der Enyaq machen?

So, das war's. Nach dieser Erfahrung reizt es mich, auch den günstigsten Elroq mit der kleinsten Batterie und den kleinsten Felgen auszuprobieren. Ohne progressive Lenkung, ohne DCC-Dämpfer, ohne all diese Extras. Ich glaube trotzdem, dass es ein großartiges Auto sein wird.