Der Bestseller zum vierten Mal. Oder auch nicht?
Wir hatten die Gelegenheit, diese heiße Neuheit aus Mladá Boleslav für einen Tag zu testen. Und zwar in den Versionen 1.5 TSI und 2.0 TDI, beide mit 110 kW. Die vierte Generation hat uns, wie schon alle vorherigen, überrascht. Oder vielleicht auch nicht überrascht. Škoda weiß einfach, wie man mit Design punktet, und versteht es, Formgebung mit maximaler Praktikabilität zu verbinden. Von vorne knüpft der Wagen logischerweise an den Scala an, mit schmalen Scheinwerfern und trapezförmigem Kühlergrill, und der Look war etwas vorhersehbar, aber von hinten ist es wirklich ein gelungenes Auto. Eine größere Überraschung ist das Interieur. Das Zweispeichenlenkrad, die stoffbezogenen Elemente des Armaturenbretts oder der großzügige Einsatz von Chrom an den Bedienelementen wirken auf den ersten Blick luxuriös. Der optische Unterschied zwischen dem Automatikwählhebel, der komplett verchromt ist, und dem Schaltknauf des Schaltgetriebes, dem die Designer offenbar nicht viel Zeit gewidmet haben, bringt eine ziemlich große Veränderung ins Interieur. Auch wenn der Automatikwählhebel auf Fotos deutlich besser aussieht als in Wirklichkeit. Von dem glänzenden Chrom ist dort einfach zu viel. Daneben gibt es neu eine elektronische Feststellbremse mit einem hervorragenden Auto-Hold, den es beim Octavia bisher nicht gab. Bye bye „Drifts“ mit angezogener Handbremse, aber ein normaler Fahrer muss die elektronische Feststellbremse mit Auto-Hold einfach lieben.

Die erwähnte graue Stoffpolsterung des Armaturenbretts wird durch eine breite silberne Zierleiste ergänzt, die zugleich als Handablage für die Bedienung des Infotainments dient. Dank des großen Bildschirms sitzen die Klimaanlagen-Luftdüsen sehr tief, was ich persönlich nicht als besonders glücklich empfinde, weil sie während der Fahrt eher auf die Hände als ins Gesicht blasen. Auch wenn sie hier so tief sitzen, dass sie vielleicht auf den Bauch blasen, und das wird angenehm sein. Viele Bedienelemente sind Touch-Elemente, neben der Lautstärke ist auch das gesamte Dachbedienfeld (Lichtsteuerung oder Schiebedach) berührungsempfindlich.

Wie gewohnt bietet Škoda in alle Richtungen jede Menge Platz, auch das für seine Klasse königliche Platzangebot auf der Rückbank überrascht nicht, ebenso wenig wie die 640 Liter Kofferraumvolumen (40 Liter mehr als bei der 3. Generation). Was ich für eine großartige Idee halte, ist das Schlaf-Set mit verstellbaren seitlichen Stützen in den Kopfstützen, sodass Ihren Mitfahrern während der Fahrt nie wieder der Kopf nach vorne fällt. Aber das ist weder eine Erfindung von Škoda, noch das erste Modell von Škoda mit dieser Funktion. Schade, dass es diese Funktion nicht auch für den Beifahrersitz gibt.

Fahrdynamisch entspricht der Škoda den Erwartungen - er ist komfortabel und angenehm weich abgestimmt. Auch auf den großen 18-Zoll-Rädern, bereits mit Sommerreifen bestückt, ist der Wagen angenehm nachgiebig und wirkt selbst mit der DCC-Dämpferregelung keineswegs hart. Normalerweise beschwere ich mich über solche großen Räder, aber hier nicht. Selbst in der härtesten möglichen Einstellung war das Auto nicht unangenehm hart. Das zeigt sich natürlich bei zügiger Fahrt, wenn sich der Wagen etwas mehr neigt. Aber ich verstehe die Präferenz für komfortables Fahren durchaus. Mit den einfacheren 16-Zöllern wird er Unebenheiten regelrecht wegbügeln.

Wir sind den 2.0-TDI-Diesel und den 1.5-TSI-Benziner gefahren. Beide Modelle übereinstimmend mit 110 kW. Der Diesel mit Automatik, der Benziner mit dem neuen Schaltgetriebe, das präziser ist und sich sehr leicht schalten lässt. Der Dieselmotor war angenehm gedämmt, und das Getriebe schaltete damit ordentlich, was aber wohl keine Überraschung ist. In schnellen Kurven konnte der Diesel etwas früher „Feuer machen“, und der Wagen wirkte etwas schneller, kam uns andererseits aber etwas härter und subjektiv wuchtiger vor. Der Benziner dagegen fiel in keiner Hinsicht besonders auf - weder akustisch noch beim Leistungseinsatz. Bei niedrigen Drehzahlen wirkt er etwas weniger elastisch, was aber auch an der längeren Übersetzung des Sechsganggetriebes liegen dürfte. Auch beim Anfahren nahm der Motor etwas langsamer Fahrt auf. Positiv bewerte ich den linearen Leistungsaufbau, das Maximum liegt wirklich erst im oberen Bereich des Drehzahlmessers, sowie die Geräuschdämmung des Motors - sowohl von außen als auch von innen. Auf dem Papier soll er in 8,3 Sekunden auf hundert beschleunigen, also wird er keineswegs lahm sein, nur wirken seine Laufruhe und der Komfort an Bord ungezwungen. Der Verbrauch dürfte ebenfalls ein Pluspunkt des neuen Motors sein, es sollte kein Problem sein, zwischen 6 und 7 Litern zu fahren. Aber auf endgültige Schlüsse warten wir lieber bis zum klassischen Wochentest.