Als wir letztes Jahr die Vitara zum Test bekamen, hat sie uns sehr überrascht. Ein angenehmes und leichtes Auto, das hervorragende Geländeeigenschaften geerbt hat und zudem auch auf der Straße sehr überzeugend ist. Und das alles zu einem hervorragenden Preis. Ich konnte der Möglichkeit nicht widerstehen, den neuen Motor mit Mild-Hybrid-Antrieb zu testen, der für dieses Jahr im Angebot ist. Dieser verspricht neben höherer Flexibilität vor allem einen niedrigeren Verbrauch.

Die Suzuki Vitara ist im SUV-Segment kein Neuling - während zahlreiche Autohersteller geländetauglichere Varianten ihrer Pkw-Modelle entwickelt haben, ist Suzuki umgekehrt aus dem Segment der Geländewagen abgestiegen, in dem die Vitara bereits 1989 für Aufsehen sorgte, als ähnlich ausgerichtete Fahrzeuge noch keine Modeerscheinung, sondern zweckmäßig geländegängig waren. 31 Jahre später steht vor uns ein Fahrzeug, das vielseitige Ansprüche der Nutzer erfüllen muss und neben der bekannten Geländeausstattung auch komfortabel, sicher und sparsam sein muss. Bei der Sparsamkeit geht der Hersteller mit dem Angebot von Mild-Hybrid-Modellen im gesamten Portfolio voran. So kam für unseren Wochentest die neue Version des Antriebsaggregats 1.4 BoosterJet mit Mild-Hybrid-Technologie und 48-Volt-Batterie zu uns, die gegenüber dem Vorgängermodell bis zu 1,2 Liter Benzin einsparen soll. Dieses Antriebsaggregat ist derzeit das einzige angebotene. Gegen Aufpreis ist der 4x4-Antrieb erhältlich, mit dem auch unser Testmodell ausgestattet war. In der höchsten Ausstattungslinie Elegance kostet dieses Modell sehr interessante 576.000 Kč.
Das Mild-Hybrid-Aggregat besteht aus einem kleinen Startergenerator, der über einen Riemen mit dem Motor verbunden ist. Mit einer Leistung von 10 kW und einem Drehmoment von 53 Nm kann er dem Verbrennungsmotor beim Anfahren und Beschleunigen helfen. Die Leistung sank zwar auf 95 kW, doch das Drehmoment von 235 Nm erreicht das Aggregat bereits ab 2.000 Umdrehungen. Dadurch schafft es den Sprint auf hundert in 10,2 Sekunden. So viel zu der Änderung unter der Haube. Nun noch zu dem, was geblieben ist. Mit 4175 mm Länge und 1610 mm Höhe bietet sie bereits ausreichend Platz für Passagiere und Gepäck und nimmt dabei nicht viel Platz vor dem Haus ein. Außerdem zeigt sie, dass ein SUV nicht groß, schwer und dieselbetrieben sein muss. Tatsächlich ist die Vitara keines von beidem. Zudem ist sie elegant und geschmackvoll, meiner Meinung nach ist die Front sehr gelungen und es handelt sich um ein ansehnliches Auto. Von hinten ragen die roten Rückleuchten etwas hervor, die auf der roten Karosserie nicht viel Eindruck machen, aber etwa in Blau oder Gold sind sie ein gelungenes Designdetail.

Der Innenraum begeistert nicht, stößt aber auch nicht ab. Das einfach und zweckmäßig gestaltete Armaturenbrett entspricht sowohl der praktischen Ausrichtung des Autos, als auch spiegelt es ein Stück weit den niedrigeren Preis wider und die Tatsache, dass die Suzuki ein praktisches und zweckmäßiges Auto ist, kein Hochglanzprodukt. Das Armaturenbrett hat keinen gravierenden Fehler, es ist ergonomisch, der Bordcomputer zwischen den Instrumenten zeigt alle nötigen Daten an, die Instrumente sind gut ablesbar und alle Bedienelemente und Tasten sind groß und gut erreichbar. Aber zum Beispiel der „dekorative“ Kunststoffstreifen auf einem großen Teil des Armaturenbretts ist weder besonders gelungen noch ansehnlich. Oder an den Türverkleidungen ist zu erkennen, dass das Design der Türverkleidungen definitiv nicht zu den Stärken der Vitara zählt. Aber etwa die Ausführung der Sitze und ihre Kombination aus Leder und Wildleder halten selbst strengsten Maßstäben stand. Und wenn ich sagen müsste, was mich stört, dann sind es die Ablagefächer, die keine Gummierung oder andere Behandlung haben, die das Klappern der abgelegten Gegenstände verhindern würde. Vor allem im Fach vor dem Schalthebel klapperte ständig etwas. Aber gut, dass ich die Rezension mit der Beschreibung des Innenraums begonnen habe, denn von nun an gibt es nur noch Lob (mehr oder weniger).

Das Erscheinungsbild der Vitara lässt vermuten, dass sie vor dem Gelände nicht zurückschreckt. Das könnte aber bedeuten, dass sie auf der Straße nicht so gut ist. Das Gegenteil ist der Fall. Das haben wir letztes Jahr bestätigt, und wir bestätigen es auch dieses Jahr. Die Vitara verfügt über eine ideale Fahrwerksabstimmung für den Alltagsverkehr, doch auch eine zügigere Fahrweise bringt sie nicht aus der Ruhe. In dieser Kategorie überrascht sie vor allem mit der Akustik des Fahrwerks. Unebenheiten, die bei ähnlichen SUVs im B-Segment recht deutlich zu hören sind (etwa im kürzlich getesteten Peugeot 2008), verarbeitet sie sehr gut und lässt davon in der Kabine nur wenig durchdringen. Auf der Autobahn dreht der sechste Gang bei 130 km/h knapp über 2.500 Umdrehungen, was ebenfalls zur guten Akustik und zum niedrigen Verbrauch beiträgt.
Die größte Neuerung ist das Mild-Hybrid-System. Der Elektromotor soll dem Verbrennungsmotor beim Beschleunigen helfen, wenn dieser Ansaugdruck aufbauen muss oder bei bestimmten Drehzahlen bzw. im eingelegten Gang schlicht nicht genug Kraft hat. In diesem Moment kommt ihm die beim Bremsen gespeicherte Energie zugute. Der Energiefluss lässt sich auf einer der Anzeigen im Armaturenbrett verfolgen. Ansonsten ist die Unterstützung durch den Elektromotor praktisch nicht zu bemerken, außer dass die Vitara recht spritzig auf Befehle reagiert und linear beschleunigt. Damit das funktioniert, muss Energie in den Batterien vorhanden sein. Und der einzige Weg, sie dorthin zu bringen, ist die Energierückgewinnung. Sobald man den Fuß vom Gas nimmt, ist die Verzögerung deutlich zu spüren, mit der die Rekuperation Energie erzeugt. Man muss also das klassische Segeln bzw. leichte Motorbremsen vergessen. Das Problem ist, dass es nur eine Rekuperationsstufe gibt. Und die ist nicht gerade schwach. Und so kommt es (und das ist mein Kritikpunkt) häufig vor, dass man nur ein wenig bremsen möchte - etwa bergab auf der Bělohorská- oder Plzeňská-Straße. Das kann die Vitara aber nicht. Auch der Tempomat kann das nicht. Das Ergebnis ist eine ziemlich „ruckelige“ Fahrt. Mal wird rekuperiert (das verursacht eine Verzögerung), dann wird wieder Gas gegeben. Man kann die Bremse nicht einfach nur ein wenig „antippen“. Schade, dass die Rekuperation nicht etwa zwei Stufen hat oder ihre Intensität nicht über das Bremspedal gesteuert wird. In Verbindung mit dem Schaltgetriebe sind die Antriebsmöglichkeiten zudem eingeschränkt, sodass das System nicht selbstständig auskuppeln, den Motor abschalten und segeln kann, wie es der Golf konnte. Dennoch erfüllt es seinen Zweck. Und lohnt sich das Ganze? Die angegebene Einsparung von 1,2 Litern haben wir zwar nicht erreicht, doch der kombinierte Verbrauch von 6,5 Litern am Ende des Tests ist sicher nicht schlecht. Bei „innerstädtischen“ Fahrten lag er bei etwas über 5 Litern, was gar nicht so schlecht ist.

Ich konnte mir die Chance nicht entgehen lassen, die Vitara im Gelände etwas zu fordern. Es sind keine Einstellungsänderungen nötig, schon die Grundeinstellung funktioniert hervorragend und verteilt den Antrieb schön dorthin, wo er gebraucht wird. Im schlimmsten Fall lässt sich die Mittendifferenzialsperre verriegeln, was in dieser Klasse eine seltene Eigenschaft ist. Im Gelände wird man also - abgesehen von den Grenzen im eigenen Kopf - vor allem durch das Fehlen einer Geländeuntersetzung eingeschränkt, denn mit dem Schaltgetriebe lässt sich ein gelegentliches Strapazieren der Kupplung bei sehr langsamer Fahrt über Hindernisse nicht vermeiden.

Die Vitara hat eine Modernisierung durchlaufen und bietet den Mild-Hybrid-Antrieb als einzige verfügbare Option. Sein Vorteil liegt in der Kraftstoffersparnis und der verbesserten Kraftentfaltung des Motors. Die beim Bremsen gewonnene Energie nutzt sie beim Anfahren. Das äußert sich in einer stärker als geringfügigen Bremswirkung, die nicht jedermanns Sache sein muss, weshalb ich unbedingt empfehle, das selbst auszuprobieren. Ansonsten bleibt die Vitara ein hervorragendes SUV, das in der Werbung nicht behaupten muss, ein „Stadt“-SUV zu sein, damit niemand im Gelände etwas von ihr erwartet. Im Gegenteil. Das Gelände liegt ihr genauso wie die Straße. Und in der höchsten Ausstattung für 576.000?! Wohin sonst sollten Ihre Schritte führen als zum Suzuki-Autohaus :-)