Tesla setzte 2021 mutig auf Kameras. Der Radar aus Model 3 und Model Y verschwand, und es kam das System Tesla Vision — acht Kameras, keine Mikrowellen. Elon Musk argumentierte damals damit, dass widersprüchliche Daten aus verschiedenen Sensoren das Risiko erhöhen. Nach vier Jahren zeigt sich, dass die Natur ein härterer Gegner ist als konkurrierende Sensoren.
Der ursprüngliche Radar Continental ARS-4B hatte ein grundlegendes Problem: Er konnte ein stehendes Auto nicht von einer Brückenauffahrt oder einer auf der Straße liegenden Dose unterscheiden. Das Ergebnis war das sogenannte Phantom Braking — plötzliches Bremsen ohne erkennbaren Grund. Tesla-Ingenieur Yun-Ta Tsai erklärte damals, der Radar könne „grundsätzlich nicht zwischen stationären Objekten ohne Frequenzverschiebung unterscheiden“.
Ein rein kamerabasiertes System stößt jedoch an seine Grenzen, sobald Regen, Schnee oder direkte Sonneneinstrahlung die Linsen blenden. Das menschliche Auge kneift sich zusammen — doch eine Kamera hat kein Augenlid. Bei starkem Schneefall oder Platzregen verliert Tesla Vision die Fähigkeit, die Umgebung präzise zu erfassen, und der Fahrer muss die Kontrolle übernehmen.
Laut Unterlagen der US-Behörde FCC aus dem Juni 2022 ließ sich Tesla einen hochauflösenden Millimeterwellenradar genehmigen, der im Frequenzband von 60–64 GHz arbeitet. Intern trägt er die Bezeichnung Phoenix und nutzt den Chip Texas Instruments IWR6843AOP mit vier Sende- und drei Empfangsantennen. Die FMCW-Modulation (Frequency-Modulated Continuous Wave) ermöglicht ihm eine Objekterkennung mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich.
Im Vergleich zum alten Continental ARS-4B bietet Phoenix eine höhere Leistung und Auflösung. Er funktioniert auch unter Bedingungen, bei denen Kameras versagen — starker Regen, Nebel, Schneefall sowie direkte Sonnenblendung. Genau das ist das Szenario, mit dem Tesla Vision nicht zurechtkommt.

Als Tesla 2023 begann, Fahrzeuge mit der Hardware der vierten Generation (HW4) auszuliefern, bestätigte eine Teardown-Analyse, dass Model S und Model X über ein physisch verbautes Radarmodul verfügen. Beim Model Y mit HW4 fehlte der Radar noch — Tesla wartete damals auf das überarbeitete Juniper-Facelift, um die komplette Sensorausstattung anbieten zu können.
Entscheidend ist, dass die Radare in Model S, Model X und Cybertruck bis heute weder für Autopilot noch für Full Self-Driving aktiviert wurden. Nach verfügbaren Informationen sammeln sie lediglich Validierungsdaten — die eigentliche Steuerung übernehmen weiterhin ausschließlich die Kameras. Berichte vom Februar 2026 deuten jedoch darauf hin, dass Besitzer neuerer Model Y und Cybertrucks eine Aktivierung des Radarsystems durch OTA-Updates von Ende 2025 festgestellt haben.
Während der Außenradar noch auf seine vollständige Integration wartet, ist der Innenraumradar im Model Y bereits aktiv. Die FCC-Unterlagen erwähnen Funktionen wie die Erkennung von im Auto zurückgelassenen Kindern, die Fahrerüberwachung und ein Diebstahlschutzsystem. Es handelt sich um dieselbe Plattform, nur auf den Innenraum statt auf die Fahrbahn ausgerichtet.
In Tschechien sind laut Daten des Verbands SDA über 15 000 Tesla-Fahrzeuge zugelassen, die meisten mit der Hardware der dritten Generation ohne Radarmodul. Diese Besitzer werden den neuen Radar nicht bekommen — es handelt sich um eine Hardwareänderung, die sich nicht per Softwareupdate nachrüsten lässt. Der neue Radar Phoenix ist Teil der HW4-Plattform, über die Fahrzeuge verfügen, die etwa ab Mitte 2023 produziert wurden.
Für tschechische Fahrer, die regelmäßig unter winterlichen Bedingungen unterwegs sind — Schneefall auf der D1, Nebel in Südmähren oder Starkregen bei sommerlichen Gewittern — ist die Radarunterstützung ein realer Sicherheitsvorteil. Der Tesla Model 3 ist hierzulande das meistverkaufte Elektroauto der Marke, und gerade künftige Käufer dieses Modells mit HW4 könnten die Ersten sein, die von der Radaraktivierung profitieren.