Tesla hat Anfang April 2026 aus der Ferne die bezahlten Full-Self-Driving-Funktionen bei Fahrzeugen von Besitzern deaktiviert, die Drittanbietergeräte am CAN-Bus verwendeten. Dabei handelte es sich nicht um ein Software-Update, sondern um eine Konfigurationsänderung – das Auto wachte eines Morgens mit der Information auf, dass die betreffende Funktion nie gekauft worden sei. Details beschrieb Bartosz Hernas auf X, dessen Beitrag über 53.000 Menschen sahen.
Beitrag von Bartosz Hernas über die Fernabschaltung von FSD. Quelle: @bartosz / X
Hernas zahlte für die FSD Capability 6.200 Euro (ohne MwSt.). Zum Paket gehörte unter anderem die Funktion Traffic Light and Stop Sign Control – die Erkennung von Ampeln und Stoppschildern, die in der EU legal und voll funktionsfähig ist. Nach der Konfigurationsänderung Anfang April entzog ihm das Auto diese Funktion mit der Begründung: „Your vehicle has detected an unauthorised third-party device" (Ihr Fahrzeug hat ein nicht autorisiertes Gerät eines Drittanbieters erkannt).
Entscheidendes Detail: Tesla verschickte kein Software-Update, das den Patch gegen die Jailbreak-Geräte in eine neue Firmware-Version integriert hätte. Stattdessen überschrieb das Unternehmen aus der Ferne die Fahrzeugkonfiguration so, dass das System glaubte, der Besitzer habe FSD nie gekauft. Dadurch funktionierten auch legale Funktionen nicht mehr, die mit der Umgehung der regionalen Sperre nichts zu tun hatten.

Ursache des Eingriffs sind Hardwaremodule, die sich an den CAN-Bus anschließen lassen – das Kommunikationsnetzwerk, über das die einzelnen Steuergeräte des Fahrzeugs miteinander kommunizieren. Geräte wie der EnhAuto Commander oder Open-Source-Lösungen für den Flipper Zero können Befehle senden, die mit jenen identisch sind, die das Auto intern verwendet. Eines dieser Geräte konnte FSD in Regionen aktivieren, in denen Tesla es offiziell nicht anbietet.
Der Preis eines solchen Moduls liegt laut Not a Tesla App bei rund 500 Euro. Das Gerät wird wie ein gewöhnlicher OBD-Diagnosestecker angeschlossen – es verändert die Fahrzeugsoftware nicht, installiert nichts und entzieht Tesla keine Einnahmen, sofern der Besitzer für FSD bezahlt hat.
Tesla veröffentlichte zunächst das Update 2026.8.6, das die Jailbreak-Geräte blockierte – wer aktualisierte, verlor die Möglichkeit, FSD inoffiziell freizuschalten. Das ist laut Hernas ein legitimer Schritt. Zum Problem kam es bei Fahrzeugen, die das Update nicht heruntergeladen hatten: Bei ihnen überschrieb Tesla aus der Ferne die Konfiguration und entzog dabei auch legal gekaufte und in der EU zulässige Funktionen.
„Stellen Sie sich vor, der Hersteller schaltet Ihnen über Nacht die Sitzheizung ab, weil Sie einen nicht originalen Spoiler ans Auto montieren", vergleicht Hernas. Technisch ist die Fernabschaltung dabei trivial – Tesla verwaltet auf dieselbe Weise das Abonnement für autonomes Fahren und früher auch die Sitzheizung.
Tesla verschickte Ende März 2026 eine Massen-E-Mail an die Besitzer, in der das Unternehmen laut Not a Tesla App darauf hinwies, dass der Nutzer bei Verwendung eines nicht autorisierten Geräts „die hundertprozentige Verantwortung für jeden Unfall" trage. Zugleich behält sich das Unternehmen das Recht vor, Garantiereparaturen abzulehnen, unabhängig davon, ob das Gerät den Defekt verursacht hat.
Am härtesten ging Südkorea vor. Das dortige Verkehrsministerium stufte die Nutzung von Jailbreak-Geräten als Straftat ein, die mit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe von 20 Millionen Won (etwa 340.000 Kč) geahndet werden kann. In China sperrte Tesla Besitzern, die FSD unautorisiert aktiviert hatten, dauerhaft den Zugang zu den Assistenzfunktionen.
| Region | Maßnahme von Tesla | Rechtliche Folgen |
|---|---|---|
| Europa (EU) | Fernabschaltung von FSD + legalen Funktionen | Bisher keine gesetzgeberische Reaktion |
| Südkorea | Dauerhafter Bann von FSD + Warnung | Bis zu 2 Jahre Gefängnis / 20 Mio. Won |
| China | Dauerhafter Reset des Assistenzpakets | Nicht bekannt |
Hernas und zahlreiche Kommentatoren weisen auf ein größeres Problem hin: Wenn Tesla über Nacht eine bezahlte Funktion wegen eines Geräts am CAN-Bus entziehen kann, was hindert das Unternehmen daran, dasselbe aus einem anderen Grund zu tun? Die Fernverwaltung der Konfiguration ist derselbe Mechanismus, mit dem Tesla das FSD-Abonnement verwaltet, die Sitzheizung freischaltet oder die Leistung über das kostenpflichtige Boost-Paket erhöht. Den Trend zur Monetarisierung von Funktionen per Abonnement kritisierte übrigens auch der ADAC – BMW berechnet beispielsweise eine monatliche Gebühr für das Fernlicht.
In der traditionellen Automobilwelt kann ein Hersteller eine Garantiereparatur ablehnen, wenn der Besitzer eine nicht autorisierte Änderung vorgenommen hat. Er kann aber nicht in die Garage kommen und die Klimaanlage ausbauen. Bei softwaredefinierten Fahrzeugen – und Tesla ist ihr reinstes Beispiel – verschwimmt diese Grenze.
In Tschechien wurden 2025 4.537 neue Teslas zugelassen – ein im Jahresvergleich mehr als zwanzigfacher Anstieg gegenüber 2024 (175 Zulassungen), der vor allem auf die Einführung des überarbeiteten Tesla Model Y zurückzuführen ist. In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 kamen weitere 616 Fahrzeuge hinzu. Wie viele davon die FSD Capability gekauft haben, gibt Tesla nicht bekannt.
FSD Supervised funktioniert in Tschechien offiziell nicht – Tesla verfügt bisher für kein europäisches Land über eine behördliche Zulassung. Laut Tesla Oracle deutet das Update 2026.8.6 jedoch auf einen bevorstehenden Start von FSD v14 in Europa hin, vermutlich zuerst in den Niederlanden. Für tschechische Besitzer, die FSD in Erwartung eines künftigen Starts abonniert haben, ist der Eingriff im April ein beunruhigendes Signal: Selbst legal gekaufte Funktionen kann Tesla aus der Ferne deaktivieren, wenn dem Unternehmen nicht gefällt, was Sie an Ihr Auto angeschlossen haben.