Die niederländische Straßenverkehrsbehörde RDW hat am 10. April 2026 die formelle Typgenehmigung für Tesla FSD Supervised (Full Self-Driving) erteilt. Die Niederlande sind damit das erste Land der Europäischen Union, in dem Tesla das System auf öffentlichen Straßen aktivieren darf. Die Zulassung kommt genau zu dem Termin, den Tesla Ende März angekündigt hatte, nach Abschluss der europäischen Testphase.
Laut Electrek wurde die Zulassung im Rahmen der Regelung UN R-171 (UNECE-Vorschrift für Fahrerassistenzsysteme) erteilt. Die Gültigkeit ist vorerst jedoch auf die Niederlande beschränkt. Jeder weitere europäische Staat muss eine eigene Zulassung erteilen, wenn er FSD Supervised auf seinem Gebiet erlauben möchte.
Die RDW weist in ihrer Erklärung ausdrücklich darauf hin, dass „das System zwar viele Fahraufgaben übernehmen kann, die Fahrzeuge aber weder autonom noch selbstfahrend sind". FSD Supervised wird als Automatisierung der Stufe 2 eingestuft, und der Fahrer muss während der gesamten Fahrt den Verkehr beobachten. Im Gegensatz zum gewöhnlichen Autopilot muss er dabei aber nicht die Hände am Lenkrad halten — die Überwachung der Aufmerksamkeit übernimmt eine Innenraumkamera, die die Augen verfolgt.
In der Praxis bedeutet das, dass das System auf Autobahnen, Stadtstraßen und an Ampelkreuzungen selbst lenkt. Es kann abbiegen, die Fahrspur wechseln, vor einem Fußgängerüberweg anhalten oder ein parkendes Auto umfahren. Bei einem Fehler trägt jedoch der Fahrer die volle Verantwortung, der laut Vorschrift sofort eingreifen muss.
Um die Zulassung zu erhalten, absolvierte Tesla ein umfangreiches Testprogramm auf europäischen Straßen. Laut den offiziellen Zahlen, die zusammen mit der Zulassung veröffentlicht wurden, haben Fahrzeuge mit FSD Supervised Folgendes erreicht:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Gefahrene Kilometer auf europäischen Straßen | 1,6 Millionen km |
| Fahrten mit Kunden (Ride-Alongs) | 13.000+ |
| Testszenarien auf abgesperrten Teststrecken | 4.500+ |
| Nachzuweisende UN-R-171-Anforderungen | 400+ |

Laut Not a Tesla App wird die Einführung des Systems zunächst nur auf Fahrzeuge mit dem AI4-Chip ausgerichtet sein — also die neueste Hardware-Generation, die Tesla seit Ende 2023 einsetzt. Ältere Fahrzeuge mit HW3-Hardware bleiben vorerst außen vor, doch Tesla arbeitet an einer „v14-Lite"-Architektur, die FSD auch auf diese Hardware bringen soll.
Die europäische Version von FSD läuft auf dem Build v14.2 — demselben, der bei den behördlichen Tests verwendet wurde. Gleichzeitig hat Tesla die Benutzeroberfläche angepasst, um den europäischen Vorschriften darüber zu entsprechen, was während der Fahrt auf dem Display angezeigt werden darf. Das System wird per Fernaktualisierung (OTA) verfügbar sein, und Tesla hat angekündigt, dass die Aktivierung in den Niederlanden „in den kommenden Tagen" beginnt.
Teil der Zulassungserklärung ist auch eine feine, aber wichtige Anmerkung. Während Elon Musk nach der Zulassung erklärte, dass „kein anderes Auto der Welt das kann", weist die RDW im offiziellen Text darauf hin, dass ähnliche Zulassungen in Europa bereits die Marken BMW und Ford erhalten haben. BMW Personal Pilot auf Level L3 wurde bereits 2024 in der 7er-Reihe eingeführt, erwies sich jedoch letztlich wegen des Preises von 6.000 Euro als kommerzieller Flop und wurde vor Kurzem eingestellt.
Der Hauptunterschied liegt im Konzept: BMW und Mercedes haben den Weg von Level 3 mit strengen Einschränkungen gewählt (Autobahn, Stauassistent, maximal 95 km/h), während Tesla Level 2 praktisch ohne geografische oder Geschwindigkeitsbegrenzungen anbietet — allerdings mit der Pflicht des Fahrers, aufmerksam zu bleiben.
Die Zulassung in den Niederlanden ist der erste Schritt, nicht ein automatischer Durchmarsch durch ganz Europa. Tesla steht nun ein langwieriger Verhandlungsprozess mit den Behörden weiterer Länder bevor. Laut Electrek werden die nächsten Entscheidungen in Deutschland, Frankreich und Italien in einem Zeitraum von 4 bis 8 Wochen erwartet.
Eine flächendeckende Genehmigung für die gesamte EU würde eine Abstimmung der Mitgliedstaaten der Europäischen Kommission erfordern — und dieser Prozess hat bislang noch nicht einmal begonnen. Tesla hat daher den ursprünglichen Plan eines „europaweiten Starts im Sommer 2026" davon abhängig gemacht, wie schnell die einzelnen Länder ihre eigenen Zulassungen erteilen. Realistischer ist ein Szenario der schrittweisen Öffnung Markt für Markt im Laufe der zweiten Jahreshälfte.

Tschechien gehört nicht zur ersten Runde der europäischen Einführung. Tesla bietet im Inland derzeit nur den einfachen Autopilot und das Paket Enhanced Autopilot an — FSD Supervised fehlt im Konfigurator und ist auch nach der Zulassung in den Niederlanden dort bislang nicht aufgetaucht. Nach verfügbaren Informationen wird der tschechische Markt erst nach der Entscheidung in Deutschland folgen, das sein wichtigster Partner bei der europäischen Typgenehmigung ist.
Nach früheren Informationen soll der Preis für FSD in Europa bei rund 99 Euro pro Monat (etwa 2.500 Kč) liegen. Tesla verkauft in Tschechien den Model 3 ab 899.990 Kč und den Tesla Model Y ab 1.125.400 Kč — beide Modelle mit AI4-Hardware werden künftig Kandidaten für FSD Supervised sein, sobald es in Tschechien zugelassen ist.
Zum Kontext: In Tschechien gelten seit 2026 neue Regeln für autonomes Fahren, die die einzelnen SAE-Stufen 0–5 unterscheiden und festlegen, was legal ist und was nicht. FSD Supervised würde unter diese Regeln als Level-2-System fallen — also praktisch genauso wie der heutige Autopilot, nur mit erweiterten Fähigkeiten.