Toyota RAV4 2.0 CVT AWD - Ich kann alles

Toyota RAV4 2.0 CVT AWD - Ich kann alles

Jan Nemrava, 29. Januar 2020

Tradition aus Japan

Toyota hatte sein Eisen bei den SUV-Modellen schon im Feuer, bevor es „cool“ war. Der RAV4 wird seit 1994 gebaut und knüpft in seiner 5. Generation an die Fähigkeiten seiner Vorgänger im Gelände wie auf der Straße an. Im Test hatten wir die Version in der mittleren Ausstattung Comfort in Grau, mit Allradantrieb und demselben Zweiliter-Motor, den es auch mit Hybridantrieb gibt (zum Beispiel im Corolla). Ohne Batterien leistet er 173 PS (129 kW) bei 6600 Umdrehungen und 208 Nm. Damit bietet er eine Beschleunigung in 11 Sekunden auf 100 und einen kombinierten Verbrauch unter 6 Litern, praktisch irgendwo zwischen 7 und 8 Litern. Der RAV4 gehört zu den gestalterisch mutigeren Modellen und steht zusammen mit dem Honda CR-V für japanischen Stil mit etwas wilderen Linien. In dem Grau, das unser Exemplar trug, gehen die gelungenen und durchaus mutigen Karosseriedetails aber unter. In Weiß, das man häufig sowohl auf den Straßen als auch in Werbematerialien sieht, wirkt das Auto mit den schwarzen Einfassungen der kantigen Kotflügel deutlich besser. Dass schon ein leicht verschmutztes Auto recht unauffällig aussah, kann für manche ein willkommenes Plus sein; bei genauer Betrachtung lässt sich die Gestaltung von Front und Heck dennoch nur loben. Sie wirkt elegant. 

Vor allem vorsichtig

Innen fällt vor allem der hervorragende Rundumblick auf, ermöglicht durch leicht nach hinten versetzte Spiegel und dünne Säulen. Beim Blick nach hinten helfen zusätzlich Rückfahrkamera und Sensoren, die überraschenderweise an der Front fehlen. Das Armaturenbrett wirkt auf den ersten Blick hochwertig und elegant, auf den zweiten eher zweckmäßig und schlicht. Der Infotainment-Bildschirm ragt in den Raum hinein, sodass der Fahrer ihn ständig im Blick hat. Das kann in vielen Autos ein Vorteil sein, nicht jedoch im Toyota - das Infotainment ist die größte Schwäche des Autos - es ist veraltet und schwer zu bedienen. Zum Glück ist es der einzige wesentliche Mangel dieses Autos und ganz sicher kein Grund, es nicht zu kaufen, denn der RAV4 hat viele Eigenschaften, die eine Überlegung wert sind. Außerdem haben seit dem Modelljahr 2020 alle Ausstattungen serienmäßig CarPlay und Android Auto. Den großen Innenraum ergänzen bequeme Sitze und ein großer, gut zugänglicher Kofferraum mit 580 Litern Volumen. 

Im Gelände wie auf der Straße zu Hause

Der RAV4 bietet sehr angenehme Fahreigenschaften - mich hat überrascht, wie gut er Unebenheiten schluckt und zugleich wie wenig er sich in Kurven neigt. Im Grunde bietet er ein Fahrverhalten, das dem von Pkw sehr ähnlich ist - es ist unglaublich, wie viel Mühe die Hersteller investiert haben, damit sich SUVs auf der Straße wie normale Autos fahren und ihren Besitzern zugleich das so geschätzte Gefühl von Freiheit und der Möglichkeit geben, überall hinzufahren und auch wieder herauszukommen. Bei der von uns getesteten Version hilft dabei deutlich der Allradantrieb, der bei den Hybridversionen über einen Elektromotor an der Hinterachse realisiert wird; hier gibt es dagegen eine klassische Kardanwelle und eine Mittelkupplung. Außerdem beherrscht dieser Antrieb auch Torque Vectoring, also die bedarfsgerechte Verteilung zwischen linker und rechter Seite über eine Viskokupplung. Und nicht nur das - in der im Auto angezeigten Grafik zur Arbeit des Antriebs ist zu sehen, dass der RAV4 die Leistung an das Rad schickt, das sie in der jeweiligen Situation am meisten brauchen könnte. Ein kräftiger Start mit nach links eingeschlagenen Rädern bedeutet also Antriebsmoment für das rechte Hinterrad. Zu den sicheren Fahreigenschaften gibt diese Verteilung der Antriebskraft noch ein besseres Gefühl für die Lenkung.

Auch sie ist angenehm straff, und auch wenn das CVT-Getriebe manche abschrecken kann, muss es das hier nicht. Es hat einen festen ersten Gang und denselben Motor wie im Corolla, also einen modernen atmosphärischen Zweiliter, der Direkteinspritzung und Saugrohreinspritzung mit dem Atkinson-Zyklus kombiniert. Er ist ziemlich gut gedämmt und hat genug Kraft, um den Motor nicht ständig in höchste Drehzahlregionen treiben zu müssen. Normale Starts erledigt er bei niedrigeren Drehzahlen und ohne Aufheulen. Außerdem verfügt er über einen manuellen Modus mit 10 vordefinierten Fahrstufen - das ist zwar ziemlich viel für manuelles Schalten, doch die Wahl der passenden Stufe bedeutet (heute überraschend) sofortige Gasannahme des Saugmotors und einen sehr plötzlichen Kraftschub an die Räder. Das passt gut zum Überholen, auch wenn ich glaube, dass die meisten ihre Sicherheit lieber dem Automatikmodus der Schaltung anvertrauen.

Bei höheren Geschwindigkeiten (über 130 km/h) fehlt dem Saugmotor in niedrigen Drehzahlen bereits Leistung, und dann kann dieser Motor sein Geräusch nicht einmal mehr hinter dem wachsenden Abrollgeräusch verstecken. Übrigens dominiert das Abrollgeräusch schon ab mittleren Geschwindigkeiten - das kann an den Winterreifen von Nokian liegen, aber die Konkurrenz ist hier besser.

Ich war sehr gespannt auf die Fähigkeiten des Antriebs gerade in Kombination mit den Winterreifen - Schnee gibt es leider nicht viel, Schlamm aber genug. Der Allradantrieb ist sehr fähig - und man muss am Wählhebel nicht einmal einen der drei Modi wählen - Snow, Mud oder Sand. Auch der Normalmodus weiß, was zu tun ist. Schlupf an einem beliebigen Rad wird durch einen sofortigen Eingriff der Elektronik (die es abbremst) begrenzt und an das Rad geschickt, das gerade Traktion hat. Das ist spürbar, geschieht aber fast sofort. Gescheitert bin ich nur an einem Hügel, den ich wegen der Neigung des Autos schon nicht mehr sehen konnte.

Wieder habe ich mich davon überzeugt, dass die Möglichkeiten der Antriebe heutiger SUVs weiter reichen als die Komfortzone des Fahrers. Der RAV4 fuhr schlicht alles hoch, was ich mir vorgenommen hatte. Bei der Abfahrt nutzte ich den Bergabfahrassistenten, der dank Automatikgetriebe wirklich im Schneckentempo hinunterrollen kann und so Sicherheit vermittelt. Auch hier würde ich potenziellen Käufern raten, darüber nachzudenken, wann sie zuletzt mit ihrem Auto stecken geblieben sind oder wirkliches Gelände bewältigen mussten. Denn je beliebter SUVs werden, desto schwieriger ist es, irgendwo ins Gelände zu fahren - überall Verbote, Schranken und Privatgrundstücke. 

Für jeden ist etwas dabei

In dieser Kategorie steht Toyota mit seiner traditionellen Zuverlässigkeit und einer großen Bandbreite an Antrieben: vom normalen Zweiradantrieb über diesen Allradler und den Hybrid mit Frontantrieb bis zum Hybrid-Allrad bietet die Marke eine Palette, wie sie wohl kein anderer Hersteller hat. Dazu kommen hervorragende Fahreigenschaften, viel Platz vorn, hinten und für Gepäck, und fertig ist ein Paket, das zwar ein paar Schönheitsfehler hat (die höhere Geräuschkulisse im Innenraum), aber auch eine Menge Stärken, wegen derer es sich lohnt, dieses Modell auszuprobieren. Die Version ohne Batterien verbraucht in der Stadt wie auf der Autobahn rund 8 Liter Benzin. Bei ruhiger Fahrt außerorts sinkt der Verbrauch auf 7 Liter.

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