In den ersten zwei Monaten des Jahres 2026 haben vier große Autohersteller Rückrufaktionen für insgesamt über 129.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride wegen des Brandrisikos von Hochvoltbatterien angekündigt. Die größte Aktion startete Volkswagen mit dem Modell ID.4, gefolgt von Volvo mit dem EX30 und Mercedes-Benz, das den EQB bereits zum dritten Mal zurückruft. Das Problem betrifft auch die Plug-in-Hybride Ford Escape und Lincoln Corsair.
Volkswagen kündigte im Januar zwei Rückrufkampagnen an, die über 52.000 Elektroautos ID.4 in den USA und Kanada betreffen. Die Hauptaktion (Kampagne NHTSA 26V030) betrifft 43.881 Fahrzeuge der Modelljahre 2023–2025, denen die Software zur Erkennung der Selbstentladung der Batterie (Self-Discharge Detection) fehlt. Ohne diese Software können sich die von SK Battery America – der US-Tochter des südkoreanischen Herstellers SK On – gelieferten Batteriemodule überhitzen und entzünden.
Die zweite Kampagne (26V028) betrifft rund 670 Fahrzeuge der Baujahre 2023–2024 mit fehlerhaft ausgerichteten Elektroden in den Batteriezellen. Es handelt sich um einen schwerwiegenderen Mangel: Volkswagen hat für diese Fahrzeuge angeordnet, sie sofort im Freien zu parken und nach dem Laden nicht in der Garage abzustellen.
Volkswagen aktualisiert bei beiden Kampagnen die Software und tauscht bei Bedarf die Batteriemodule kostenlos aus. Die Schreiben an die Besitzer sollten bis zum 20. März 2026 verschickt werden.

Mercedes-Benz kündigte im Februar die dritte Rückrufaktion für fast 12.000 elektrische Crossover-Modelle EQB in den USA an. Betroffen sind Fahrzeuge der Modelljahre 2022 bis 2024, die zwischen Dezember 2021 und Mai 2024 produziert wurden, wie das Portal CBT News berichtete.
Das Problem stammt von frühen Batteriezellen des chinesischen Zulieferers Farasis Energy. Diese können unter bestimmten Bedingungen, insbesondere bei hohem Ladezustand, einen internen Kurzschluss verursachen und einen Brand auslösen. In den USA wurden bereits zwei mit diesem Mangel verbundene Brände gemeldet.
Bei den beiden vorangegangenen Rückrufaktionen wurde versucht, das Problem mit einem Software-Update zur Batterieüberwachung zu beheben. Etwa 74 % der betroffenen Fahrzeuge erhielten es, doch die Software beseitigte die Ursache nicht. Mercedes-Benz geht daher nun dazu über, die kompletten Batteriepakete kostenlos auszutauschen.
Mercedes-Benz zieht das Modell EQB dabei schrittweise aus dem Angebot zurück. Sein Nachfolger wird der GLB mit EQ-Elektrotechnik.
Volvo bestätigte im Februar eine weltweite Rückrufaktion für 40.323 Elektroautos EX30 in den Versionen Single-Motor Extended Range und Twin-Motor Performance, worüber als Erstes die Agentur Reuters berichtete. Die Batteriemodule von Shandong Geely Sunwoda Power Battery Co. können sich überhitzen und entzünden.
Die Kosten für den Austausch der Module können laut Reuters bis zu 195 Millionen Dollar (fast 5 Milliarden Kronen) erreichen. Die Volvo-Aktie fiel nach Bekanntwerden der Nachricht um 4 %. Mehr dazu haben wir in einem eigenen Artikel über den EX30-Rückruf geschrieben.
| Hersteller / Modell | Anzahl der Fahrzeuge | Ursache | Batteriezulieferer | Maßnahme bis zur Reparatur |
|---|---|---|---|---|
| VW ID.4 | 52.000+ | Fehlende SDD-Software, fehlerhafte Elektroden | SK Battery America (Südkorea) | Max. auf 80 % laden, im Freien parken |
| Volvo EX30 | 40.323 | Überhitzung der Batteriemodule | Shandong Geely Sunwoda (China) | Max. auf 70 % laden, im Freien parken |
| Mercedes EQB | ~12.000 | Interner Zellkurzschluss, 3. Rückrufaktion | Farasis Energy (China) | Max. auf 80 % laden, im Freien parken |
| Ford Escape / Corsair PHEV | ~24.700 | Interner Kurzschluss in den Batteriezellen | Nicht angegeben | Modus Auto EV, max. auf 80 % laden |
| Insgesamt | ~129.000 | Alle Aktionen wurden im Januar–Februar 2026 angekündigt | ||
Drei der vier Fälle haben Batteriezellen von asiatischen Zulieferern gemeinsam — der südkoreanische Hersteller SK On (über die US-Tochter SK Battery America), der chinesische Zulieferer Farasis Energy und das chinesische Unternehmen Sunwoda. Die Autohersteller setzten bei ihrem Bestreben, das Elektroauto-Angebot schnell zu erweitern, auf Zulieferer, deren Zellen nicht immer ausreichend lange im Praxisbetrieb erprobt wurden.
Die Situation erinnert an den Fall aus den Jahren 2020–2021, als General Motors nach und nach 140.000 Chevrolet Bolt mit Batterien des südkoreanischen Herstellers LG zurückrief. Die Reparatur kostete damals zwei Milliarden Dollar.
Andy Palmer, ein Veteran der Automobilbranche und ehemaliger Chef von Aston Martin, merkte dazu gegenüber Reuters an: „Volvo kann sich kein Sicherheitsproblem leisten, weil Sicherheit der Kern seiner Marke ist.“ Dasselbe gilt auch für Mercedes-Benz: Der EQB zeigt, dass ein reiner Software-Patch nicht ausreichen muss und ein Hardware-Austausch unumgänglich ist.
Der Volkswagen ID.4 wird in Tschechien ab 1 064 900 Kč verkauft und gehört zu den meistverkauften elektrischen SUVs. Die bei der NHTSA registrierten Rückrufaktionen betreffen Nordamerika, doch die europäische Volkswagen-Vertretung kündigt gewöhnlich parallele Kampagnen an. Tschechischen ID.4-Besitzern empfehlen wir, die Mitteilungen der autorisierten Volkswagen-Händler zu verfolgen.
Der Volvo EX30 wird in Tschechien verkauft, und die Rückrufaktion ist global — der tschechische Importeur Volvo Car Czech Republic sollte die betroffenen Besitzer direkt kontaktieren. Der Mercedes-Benz EQB wurde in Tschechien ebenfalls verkauft, doch das Problem mit den Farasis-Batterien betrifft bisher offiziell nur den US-Markt.
Der Ford Escape und der Lincoln Corsair werden in Europa nicht angeboten.