Wie sich ein Auto auf der Straße verhält, wird nicht erst beim finalen Fahrwerks- oder Lenkungsabstimmen entschieden. Die Grundlage entsteht viel früher - bei der Konstruktion der Karosserie selbst. Je steifer und torsionssteifer die Karosserie, desto besser schützt sie die Insassen beim Aufprall, und desto mehr Spielraum haben die Ingenieure beim Ausbalancieren der widerstreitenden Anforderungen an Handlichkeit und Komfort. Der Hersteller aus Mladá Boleslav hat nun beschrieben, wie er die Entwicklung seines neuen elektrischen Flaggschiff-SUV Peaq angegangen ist, dessen Weltpremiere am 23. Juni stattfindet.
Die Karosserie des Peaq besteht zwar aus Stahl, doch das Material ist nicht überall identisch. Die geschweißte Struktur setzt sich aus Blechen mit einer Stärke von 0,7 bis 2 Millimetern zusammen, wobei der Hersteller für verschiedene Bauteile unterschiedliche Stahlsorten wählt - je nach der Funktion, die sie an der jeweiligen Stelle erfüllen sollen. Manche Teile sind so hochfest, dass sie nur minimale Verformungen zulassen, während andere gezielt so ausgelegt sind, dass sie im Aufprall kontrolliert falten und Energie absorbieren.
„Das Material für die einzelnen Bauteile wählen wir danach aus, welche Funktion das jeweilige Bauteil in seinem Karosseriebereich übernimmt. Bei der Auswahl berücksichtigen wir Sicherheit, Festigkeit, Langlebigkeit und das Gesamtgewicht des Fahrzeugs", erklärt Václav Špringl, der bei Škoda für die Entwicklung der Schweißkarosserie verantwortlich ist. Der Fahrgastraum besteht überwiegend aus warmumgeformtem Hochfestigkeitsstahl, während die Knautschzonen aus einem Material gefertigt sind, das neben Festigkeit ausreichende Duktilität bietet, um die Aufprallenergie wirkungsvoll abzubauen.

Die Konstrukteure stellte der Peaq allein schon wegen seiner Abmessungen vor mehrere Herausforderungen. Das Fahrzeug verfügt laut Škoda über die größten hinteren Türen in seinem Segment und zugleich über das größte Panoramadach, das die Marke aus Mladá Boleslav je verbaut hat. Beides entzieht der Karosserie an Stellen, die sie sonst zusammenhalten, Metall und stellt damit hohe Anforderungen an die Gesamtsteifigkeit. „Damit das Fahrzeug eine hohe Torsionssteifigkeit behält, mussten wir die gesamte Karosseriestruktur optimieren", sagt Špringl.
Die Torsionssteifigkeit - also der Widerstand der Karosserie gegen Verdrehung - ist einer der Parameter, der am stärksten beeinflusst, wie präzise und berechenbar sich das Fahrzeug in Kurven und auf unebenem Untergrund verhält. Je weniger sich die Struktur selbst verformt, desto wirkungsvoller kann das Fahrwerk so arbeiten, wie die Ingenieure es abgestimmt haben.

Beim Erreichen der hohen Steifigkeit half paradoxerweise die elektrische Plattform selbst. Der Rahmen mit der Batterie ist in den Fahrzeugboden integriert und fungiert als außerordentlich stabiles Fundament der gesamten Karosserie. Gleichzeitig senkt er den Schwerpunkt und trägt zur gleichmäßigen Gewichtsverteilung bei - Faktoren, die die Fahrwerksabstimmung erleichtern. „Dadurch wirkt der Peaq trotz seiner Größe und seines Gewichts stabil, komfortabel und natürlich", sagt Petr Šulc aus dem Technischen Entwicklungszentrum von Škoda Auto.
„Ziel war eine ausgewogene Balance zwischen Komfort, Stabilität und Karosseriebewegungskontrolle, damit sich der Peaq in jeder Situation leicht, geschmeidig und souverän anfühlt", ergänzt Šulc. Eine steife und torsionsfeste Struktur ist somit nicht nur Voraussetzung für passive Sicherheit, sondern auch dafür, dass die Entwickler das Wanken und Nicken des schweren SUV dämpfen können, ohne dabei den Komfort zu opfern. Škoda widmete mit gleicher Sorgfalt auch der Aerodynamik Aufmerksamkeit. Die Peaq-Prototypen erreichten einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,249 - für ein siebensitziges SUV ein außergewöhnlich niedriger Wert.

Den größten Teil dieser Arbeit wird der normale Fahrer nie zu Gesicht bekommen. Laut Škoda wird er sie jedoch auf jedem gefahrenen Meter spüren - sei es durch das sichere Gefühl dank dem stabilen Stand und der präzisen Spurführung oder durch die Entspanntheit, die das komfortbetonte Abstimmungskonzept vermittelt. Die Steifigkeitswerte und Konstruktionsdetails stammen derzeit ausschließlich aus Herstellerangaben; unabhängige Euro-NCAP-Crashtest-Ergebnisse werden erst nach der Markteinführung vorliegen. Die Peaq-Prototypen haben bereits über 1,5 Millionen Kilometer Tests auf drei Kontinenten absolviert.
Der Peaq ist das neue Flaggschiff der Marke und wird direkt in Mladá Boleslav gebaut - im Gegensatz zum kleineren elektrischen Epiq, der im spanischen Pamplona montiert wird. Das siebensitzige SUV positioniert sich oberhalb des bisherigen Enyaq und wird zum größten Serienfahrzeug in der Geschichte von Škoda. Tschechische Preise hat der Hersteller noch nicht bekanntgegeben; diese werden im Zuge der Premiere am 23. Juni kommuniziert. Zum Vergleich: Der aktuelle Enyaq in der Version 85 mit 210 kW Leistung kostet laut aktuellem Preisblatt 1 130 000 Kč. Vollständige Spezifikationen, Motorisierungen und einen Vergleich mit Wettbewerbern finden Sie auf der Škoda Peaq-Seite; eine ausführliche Analyse des Fahrzeugs haben wir auch in unserem Testbericht veröffentlicht.