Ford Mustang Convertible mit Fünfliter-V8. Eine Legende der amerikanischen Automobilindustrie. Und dazu in einer Zeit, in der so viele Menschen die kleinvolumigen Dreizylinder mit einem Liter Hubraum nicht ausstehen können. Dieses Auto ist zum Symbol geworden. Zum Symbol für etwas, das wohl nicht wiederkehrt. Zum Symbol einer Zeit, in der die Ökologie nicht herrschte und Autos nicht nur vom Kohlendioxidgehalt ihrer Abgase handelten. Und nun steht er vor uns. In der Ausstattung California Special, in wunderschönem Blau. Und ohne Dach. Drehen wir eine Runde.

Manche Tests schreiben sich nicht ganz leicht, und dieser gehört dazu. Meist beurteilen wir Autos schließlich zumindest ungefähr nach ihrem Nutzwert. Wir sehen auf den Preis, das Raumangebot, die Verarbeitungsqualität, den Verbrauch, die Betriebskosten, das Image, das Aussehen und ähnliche Autos, die wir kaufen könnten. Und dann wieder zurück zum Preis. Doch es gibt Autos, bei denen wir den rationalen Teil des Gehirns gar nicht zu Wort kommen lassen. Genau so ein Auto ist der Ford Mustang California Special. Er ist schön, laut, riesig, durstig und unpraktisch. Trotzdem ist er großartig.

Ein großes amerikanisches Auto mit Fünfliter-V8 und dazu einem Stoffverdeck. Das ist eine so wilde Kombination, dass man die Vernunft völlig in den Boden stampfen muss. Für einen halben Tag haben wir einen wunderschönen, 4,8 Meter langen und 1900 kg schweren Koloss in tollem Blau mit California-Special-Paket, das das Auto um zahlreiche optische Elemente, Embleme, spezielle Sitze und besondere 19-Zoll-Räder ergänzt. Unter der langen Haube verbergen sich 330 kW (449 PS) und 529 Nm. Auf hundert geht es in 4,8 Sekunden, und mit der 10-Gang-Automatik soll er knapp 12 Liter Benzin auf hundert Kilometer verlangen. Einfach ein Monster. Dies wird kein vollwertiger Test, eher eine Mischung aus Eindrücken und Gefühlen eines Nachmittags.

Mit angehaltenem Atem gehe ich auf das riesige Auto zu, dessen Länge durch die niedrige Linie und große Breite noch betont wird. Die wunderschönen Formen begleiten uns schon einige Jahre, doch die Retro-Gestaltung der Rückleuchten ist geradezu göttlich. Diese lange Haube, dieser riesige Lufteinlass für den Motor. Das ist wirklich ein Meisterstück. Ich öffne die Tür und gelange durch die recht kleine Öffnung in die schönen Sportsitze. Vor mir liegt ein großes Armaturenbrett, mit relativ kleinem Blick nach draußen durch die extrem flach stehende Windschutzscheibe und bei geschlossenem Dach mit minimaler Rundumsicht. Ich bin nicht gekommen, um mit geschlossenem Dach zu fahren. Das Wetter ist zwar nicht besonders, doch schon auf dem Parkplatz löse ich den Verriegelungshebel und lasse das Dach elektrisch herunter, das sich nach wenigen Augenblicken im Kofferraum versteckt. Plötzlich ist die Übersicht deutlich besser. Das Wetter ist nicht ideal, aber der Motor erzeugt mehr als genug Wärme, sodass ich „für Gott in die Fenster“ heizen kann. Ich starte den Motor. Mit dem Mustang Fastback hatte ich schon das Vergnügen, doch das Erwachen des Motors im offenen Auto ist ein anderes Level. Vom ersten Moment an klingt der Motor ziemlich bedrohlich. Ich rolle langsam los, die Zehngang-Automatik schaltet sehr früh und lässt den Motor bei zweitausend Umdrehungen laufen. Ich gleite durch die Landschaft, begleitet vom Blubbern des Auspuffs und bewundernden Blicken der Passanten.

Ich fahre Richtung Beroun und genieße die Fahrt mit der unglaublichen Klangkulisse. Ich bewundere die Landschaft, und wenn mir etwas entgegenkommt, werde ich aufmerksam. Der Mustang ist neben seiner großen Länge auch recht breit. Fast 2,1 Meter, daher lasse ich seine Pferde zunächst lieber ruhig, bis ich mich an seine Abmessungen gewöhnt habe. Im Bordmenü finde ich die Möglichkeit, den Auspuffklang über eine aktive Klappe zu regeln. Unglaublich, wie leise er werden kann. Doch ich habe das Auto nur einen halben Tag, also Klappe auf und diesen Klang genießen. Als die Straße sich zum ersten Mal weitet, treibe ich den Mustang etwas an. Der Motor schaltet bei rund viertausend Umdrehungen, und mit der Dynamik eines so großen und weichen Autos bin ich bereits überaus zufrieden. Aber ich kann nicht widerstehen und trete das Gaspedal durch. Dann bricht die Hölle los: Gewitter, Donner und Weltuntergang. Der Motor brüllt, ich habe schon das Gefühl, er müsse genug haben, blicke auf den Drehzahlmesser – doch er steht erst bei fünftausend Umdrehungen und bis zum Ende bleiben noch zweitausend! Das ist einfach brutal. Um die siebentausend ist es unglaublich. Nur sind die Geschwindigkeiten dann nicht mehr besonders genussvoll, also nehme ich lieber wieder Tempo heraus, so wie es der Mustang mag, und konzentriere mich auf die Fahreigenschaften.

In diesem Bereich überraschte mich eigentlich, wie nachgiebig und komfortabel dieses Auto ist. Überrascht hat mich, wie sehr das fehlende Dach dazu führt, dass die Karosserie ziemlich zittert, gelegentlich ein Nebengeräusch aus dem Innenraum zu hören ist und sich die Karosserie leicht verwindet. Wie das Lenkrad manchmal vibriert. Das ist kein ganz wundersames Gefühl. Niemanden wird überraschen, dass der Mustang kein Kurvenräuber für Landstraßen ist, doch wenn der Asphalt nicht wirklich gut ist, fährt man besser im Ausflugstempo. Nicht, dass das eine Enttäuschung wäre, aber den starken Motor nutzt man vor allem, wenn man hinter dem Dorf geradeaus beschleunigen möchte. Jeder sagt, der Verbrauch sei nicht wichtig, aber jeden interessiert er. Bei ruhigem Tempo mit ein paar schnelleren Passagen endete ich bei 15 Litern. Auf die vom Hersteller angegebenen 12 Liter kommt man vermutlich problemlos, unter diesen Wert würde ich kaum tippen. Mit einem vollen Tank fährt man so etwa 400 km bis 500 km.

Das Mustang Cabrio ist wirklich ein besonderes Auto. Es verlangt auch nach einem besonderen Käufer, der das Fahren ohne Dach, den bedrohlichen Auspuffklang und die bewundernden Blicke der Passanten schätzt. Mit geöffnetem Dach kann man völlig entspannt bis 90 km/h reisen; für die Autobahn ist es dagegen sicher nichts, dort wird das Windgeräusch schon zu laut. Aber das ist doch egal. Schauen Sie sich nur diese Fotos an – vielleicht verzeihen Sie dem Mustang dann wirklich alles.