Als Toyota 2016 den ersten C-HR vorstellte, war das eine schockierende Abkehr von der grauen Nüchternheit der meisten damaligen Kompakt-SUVs. Coupé-Linie, aggressiv gefaltete Blechkanten, versteckte hintere Türgriffe. Die zweite Generation, in Tschechien unter dem Codenamen AX20 bekannt und seit Januar 2024 in der Preisliste, entfernt sich von dieser DNA nicht grundlegend. Im Gegenteil. Die Designer haben die Front zu einem Gesicht mit charakteristischem, C-förmigem Tagfahrlicht weiterentwickelt und das Profil beibehalten, das man im Parkhaus über drei Etagen hinweg erkennt. Von außen zieht der C-HR nach wie vor Blicke auf sich, und davon lebt auch sein Verkaufserfolg.
Unter dem Blech hat sich jedoch eine echte Revolution abgespielt. Toyota ist auf die neueste Version der TNGA-C-Plattform umgestiegen, sodass sich der C-HR die Bodengruppe mit dem neuen Corolla teilt, allerdings mit schärfer abgestimmtem Fahrwerk. In Tschechien wird er ausschließlich als Hybrid verkauft: der Basis-1.8 Hybrid mit einer Systemleistung von 140 PS, der mittlere 2.0 Hybrid mit 197 PS und verfügbarem AWD-i (mit Elektromotor an der Hinterachse) sowie der Flaggschiff-2.0 Plug-in Hybrid mit 223 PS und einer angegebenen elektrischen Reichweite von 66 km nach WLTP. Die Vorgängergeneration spielt hier keine Rolle mehr, da sie längst aus dem Angebot verschwunden ist und die aktuelle Generation den tschechischen Vertriebskanal vollständig übernommen hat.
Der erste Eindruck hinter dem Lenkrad des zweiten C-HR ist überraschend beruhigend. Man sitzt hoch, der sportlich geformte Sitz hält die Hüften auch in schnelleren Kurven, und das Cockpit umgibt einen mit weicher Polsterung. Toyota hat hier bei den Materialien auf eine Art gearbeitet, die man vor zehn Jahren nur bei Lexus erwartet hätte. Das Lenkrad dämpft Vibrationen, die Lenkung hat einen präzisen Geradeauslauf, und das Fahrwerk schluckt Kanaldeckel so souverän, dass man versteht, warum der C-HR langfristig auch Umsteiger von Premiummarken anlockt.
Doch dann tritt man das Gaspedal voll durch. Und da kommt es. Das stufenlose e-CVT-Getriebe schickt den Motor in hohe Drehzahlen, wo er lange Sekunden verharrt, bevor das Auto Geschwindigkeit aufnimmt. Der klassische „Gummiband“-Effekt, der zu Hybrid-Toyotas seit drei Jahrzehnten gehört. Im britischen Langzeittest von Parkers sprach man von „clinical steering“, und nach sieben Tausend Meilen schrieb man, die Erfahrung sei „forgettable“ - was bei einem Auto mit einem derart scharfen Design wie eine überraschende Einschränkung klingt. Sie ist jedoch nicht unbegründet: Der C-HR bewegt sich bei höheren Geschwindigkeiten geschmeidig, nur eben nicht auf aufregende Weise.

Größere Sorgen bereiten aber die Fahrassistenten. Toyota Safety Sense 3.0 ist zwar technisch fortschrittlich, bekommt von den Besitzern jedoch wiederholt Kritik wegen übertriebenem Eifer zu hören. Die Warnung vor Geschwindigkeitsbegrenzungen lässt sich nicht dauerhaft abschalten, und nach jedem Start muss man sich erneut durch das Displaymenü klicken. Die Parksensoren reagieren im autonomen Modus auf Büsche und abgefallenes Laub am Straßenrand wie auf eine Stahlbarriere. Ein Besitzer merkte nach drei Monaten Nutzung in der britischen Presse an, er habe das Gefühl, die Eingriffe der Sicherheitssysteme seien zu restriktiv. Toyota verspricht, dass Verhaltensanpassungen im Rahmen eines Software-Updates kommen sollen, das der Fahrer beim regelmäßigen Service aufspielen lassen soll.
Die PHEV-Version ist technisch am interessantesten. Der 13,6-kWh-Akku ermöglicht 66 km rein elektrisch nach WLTP, das britische Magazin Electrifying setzt die realen Werte jedoch eher bei 48 bis 58 km an, ähnlich Auto Świat mit 66 km unter polnischen Bedingungen. Das reicht für die meisten Alltagspendelfahrten ohne einen Tropfen Benzin. Der Haken: Der PHEV lädt nur AC bis 6,6 kW, kein DC-Schnellladen. Der PHEV ist zudem nur mit Frontantrieb erhältlich, AWD gibt es hier nicht.
Das Cockpit macht beim ersten Einsteigen einen starken Eindruck. In den höheren Ausstattungen ist ein 12,3-Zoll-Zentraldisplay mit einem 12,3-Zoll-Digitalinstrumentenschild verbunden, die physischen Drehregler für die Klimaanlage sind erhalten geblieben (goldene Medaille für Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Trend, alles auf Touch umzustellen), und die obere Kante des Armaturenbretts ist mit weichem Material gepolstert. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos, in die Mittelkonsole hat Toyota eine kabellose Handyladestation integriert, wobei mehrere Besitzer melden, dass das Laden gelegentlich aussetzt und das Display zu flackern beginnt.

Die Rückbank ist jedoch der Preis für das vorne betonte Design. Die Coupé-Silhouette mit steil abfallendem Dach reduziert die Kopffreiheit, die kleinen Fenster in den hinteren Türen wirken klaustrophobisch, und zwei erwachsene Passagiere passen nur dann hinein, wenn vorne niemand den Sitz ganz nach hinten geschoben hat. Das Öffnen der hinteren Türen hat noch ein spezifisches Problem: Die Türkante ist so geformt, dass sie bei unvorsichtigem Öffnen in den Bauch trifft. Klingt wie ein Scherz, aber mehrere Langzeittests erwähnen diese Eigenschaft mit dem Hinweis, dass man sich daran gewöhnen muss (und vor allem die Kinder darauf vorbereiten sollte).
Der Kofferraum gehört in dieser Klasse zu den kleineren. Der Basis-1.8 Hybrid hat 388 l, die AWD-Version 2.0 Hybrid 364 l und der PHEV nur 310 l, da die Batterie Platz unter dem Boden beansprucht. Zum Vergleich: Der Škoda Kamiq bietet 400 l und der Hyundai Kona Hybrid 466 l. Beim Praxisnutzen liegt der C-HR also unter dem Segmentdurchschnitt, zudem erreicht man mit umgeklappten Rücksitzen keinen ebenen Boden.
Toyota hat den Umstieg auf die neue Multimediasystem-Architektur gut gemeistert. Das größere Display reagiert flüssig, die Navigationsebene basiert auf Cloud-Karten (mit OTA-Updates), Android Auto und CarPlay verbinden sich kabellos, zum Laden des Handys stehen USB-C-Anschlüsse zur Verfügung. Ab der Ausstattung Comfort gibt es das digitale Kombiinstrument, eine Zweizonen-Klimaanlage, einen adaptiven Tempomaten mit Stop-&-Go-Funktion und das komplette Assistenzpaket Toyota Safety Sense 3.0. Die höchste Standardausstattung Executive fügt ein Head-up-Display, ein Panorama-Schiebedach, JBL-Audio und Lederpolsterung hinzu.
Die praktische Schwachstelle liegt aber im Detail. Britische Besitzer erwähnen in Community-Diskussionen am häufigsten drei Dinge: Die ausfahrbaren Türgriffe geben beim Einziehen ein hörbares „Klacken“ von sich, das den Eindruck einer billigen Konstruktion erweckt; das Infotainment erlaubt es nicht, nur eine Uhr oder einen neutralen Bildschirm anzuzeigen, sodass man, wenn man nicht mit Navigation fährt, das Werbemenü von Toyota vor Augen hat; und der Ton der Lautsprecher des Safety-Sense-Systems (Spurverlassenswarnung) ist lauter programmiert als die Musik, sodass jede Warnung einen erschreckt.
Die zweite Generation des C-HR durchlief 2024 den Euro-NCAP-Test mit der höchsten Fünf-Sterne-Bewertung. Euro-NCAP-Bewertung: 5 Sterne; Insassenschutz Erwachsene 85 %, Kinderschutz 86 %, Fußgängerschutz 86 % und Sicherheitsassistenten 79 %. Die Konstruktion bewältigte Seitenaufprall und frontale Überdeckung gut, der Schutz vor Schleudertrauma wurde als gut bewertet. Standard ist TSS 3.0 mit automatischer Notbremsung, Erkennung von Radfahrern und Fußgängern, Totwinkelüberwachung und Warnung beim Öffnen der Tür in ein vorbeifahrendes Fahrzeug.
Der höhere Schwerpunkt der PHEV-Version (wegen der Batterie) und der Hybrid-AWD (wegen des hinteren Elektromotors) führt zu einer etwas langsameren Fahrwerksreaktion bei kritischen Manövern wie dem Elchtest, wobei das ESP rechtzeitig eingreift und das Auto stabil bleibt.
Hier sammelt der C-HR Punkte, um die ihn andere Marken beneiden. Der niederländische Consumentenbond bewertet in seiner Zuverlässigkeitsrangliste für 2026 die zweite Generation mit einer Punktzahl von 9,3 von 10, was im Segment der Kompakt-SUVs außergewöhnlich stark ist. Die Vorgängergeneration 2016 bis 2023 erreichte 9,0 von 10 und gehörte ebenfalls zu den zuverlässigsten. Der deutsche TÜV-Report reiht Toyota-Modelle in der aktuellen Ausgabe traditionell an der Spitze, mit einem Mängelanteil deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt von 24,4 % bei älteren Fahrzeugen, bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 136 Tausend km. Der C-HR hat zwar keine eigene Zeile im Ranking, aber die allgemeinen Markenparameter gelten auch für ihn.
Ein Haken gibt es jedoch auf dem britischen Markt, wo eine aktive Rückrufaktion für die Funktion Intelligent Speed Assistance (Verkehrszeichenerkennung) läuft. Die Software verschlechterte bei einigen Fahrzeugen die Reaktion des adaptiven Tempomaten, und mehrere Besitzer meldeten grundloses Bremsen. In Tschechien gab es bislang keinen entsprechenden Rückruf, da es sich jedoch um dieselbe Softwareplattform handelt, ist es sinnvoll, beim Händlerbesuch die Aktualität der Firmware überprüfen zu lassen.
Professionelle Testberichte testen ein Auto eine Woche, manchmal einen Monat. Echte Besitzer leben jedoch tausende Kilometer mit ihm und sprechen über Probleme unabhängig von einem Rabatt auf die nächste Testfahrt. Die Zusammenfassung basiert auf dem britischen Langzeittest von Parkers nach 7.000 Meilen, dem PHEV-Langzeittest von BusinessCar und dem Testbericht des Portals Electrifying, das Aussagen echter Nutzer aus dem britischen Mk2-Besitzerforum gesammelt hat.
Die meisten Besitzer melden eine standardmäßig positive Erfahrung mit dem Vertragsservice. Größere Fälle (ein amerikanischer Mk2-Besitzer meldete einen Ausfall des Hybridgetriebes bei 78.000 Meilen für 8.900 USD) treten bislang vereinzelt auf und sind laut verfügbaren NHTSA-Daten Einzelfälle. Beim britischen Mk2 läuft jedoch eine aktive Rückrufaktion für das Software-Update Intelligent Speed Assistance, die Reparatur dauert laut Händlern 30 bis 60 Minuten und ist kostenlos.

Aus den Zulassungsdaten des Verbands der Automobilimporteure geht hervor, dass nach einem schwächeren Jahr 2024 (1.228 Neuzulassungen in Tschechien, ein Rückgang von rund 15 % im Jahresvergleich) mit dem Start der zweiten Generation eine deutliche Erholung eintrat: 2025 wurden 1.925 neue C-HR zugelassen, ein Anstieg von über 50 % im Jahresvergleich. Das Tempo der ersten vier Monate des Jahres 2026 (427 Fahrzeuge) setzt diesen Trend in etwa fort. Der C-HR hält damit im Segment der kompakten Hybrid- und Benzin-Crossover den dritten Platz hinter dem Škoda Kamiq (11.567 Stück) und dem Renault Captur (2.055 Stück), wobei er 2025 sogar seinen eigenen Geschwister-Modell Yaris Cross (1.735 Stück) übertroffen hat. Die Summe beider Toyota-Modelle im Segment (über 3.600 Fahrzeuge) bringt die Marke zudem direkt hinter Škoda.
Ein detaillierter Blick auf die Zulassungsstruktur zeigt jedoch eine andere Realität. 2025 entfielen 55 % der neuen C-HR auf juristische Personen, 45 % auf Privatpersonen. Aus der Analyse der Erstzulassungen nach Betreiber geht hervor, dass mehr als die Hälfte der neuen C-HR in Tschechien 2025 zunächst von der captive Leasinggesellschaft Toyota Financial Services und mehreren der größten Vertragshändler als Flotten-, Vorführ- und Operativ-Leasingfahrzeuge zugelassen wurde. Die tatsächlichen Kunden übernehmen das Auto erst im zweiten Schritt, meist im Rahmen von Operativ-Leasing. Das ist kein Skandal, das macht jede Marke so. Es erklärt aber, warum der tschechische Vertriebskanal des C-HR auch in einer Phase leicht sinkender Endnachfrage reibungslos funktioniert.
Detailliertere Unterschiede bei Technik, Ausstattung und Betriebskosten finden sich in unserem Vergleichstool aller vier Modelle auf einmal. Aus der Tabelle geht vor allem eines hervor: Der Kamiq ist deutlich günstiger, hat aber keinen Vollhybrid (und schleppt in Tschechien Probleme in der Preisgestaltung durch die aktuelle Welle der Mild-Hybrid-Anpassungen mit sich). Der Captur ist eine hybride Alternative zu einem niedrigeren Preis, aber mit einem weniger ausgereiften Multimediasystem. Die Kona hat den größten Kofferraum und eine längere Garantie ohne Kilometerlimit, aber die aggressiv wirkende Front gefällt nicht jedem.

Der C-HR passt zu einem spezifischen Käufertyp. Wer ein stylisches Stadt-SUV mit dem niedrigsten realen Verbrauch seiner Klasse sucht, komfortables Fahren mag und Wert auf die Verarbeitung des Innenraums legt, für den ist der C-HR wahrscheinlich die attraktivste Wahl im Bereich um eine Million Kronen. Ein Bonus ist die 10-jährige Toyota-Relax-Garantie, die den Stress durch Betriebskosten deutlich reduziert. Für tägliches Pendeln im Bereich von 50 bis 60 km empfehlen wir die PHEV-Version, die praktisch ohne einen Tropfen Benzin fährt, sofern man sie jede Nacht auflädt.
Wer dagegen ein praktisches Auto für eine Familie mit zwei größeren Kindern braucht oder umfangreichere Gepäckstücke transportiert, wird vom C-HR frustriert sein. Der beengte Fond, die kleinen Kofferräume (besonders beim PHEV) und das abfallende Dach sind der Preis für ein Design, das zwar wie der Gipfel der Mode aussehen mag, aber kein Familienauto ist. In diesem Fall lohnt sich ein Blick auf den Hyundai Kona Hybrid mit größerem Kofferraum und praktischerer Raumaufteilung, oder auf den Škoda Kamiq, der zwar ohne Hybrid auskommt, aber für weniger Geld nüchterne Praktikabilität bietet.
Und wer auf Elektroantrieb umsteigen möchte, dem aber der C-HR wegen des Designs ins Auge gefallen ist: Toyota bringt dieses Jahr ein eigenständiges Elektromodell heraus, das auf dem Konzept bZ Compact SUV auf der e-TNGA-Plattform basiert und mit 150 kW DC schnellladefähig ist. Das ist keine Evolution des Hybrid-C-HR, sondern eigentlich ein völlig anderes Auto mit ähnlichem Namen. Seinen umfassenden Testbericht bringen wir, sobald es auf dem Markt verfügbar ist.