Der deutsche Automobilclub ADAC hat die Ergebnisse seines ersten Kindersitztests des Jahres veröffentlicht. Im Frühjahrstest 2026 wurden 26 Modelle aus allen Altersgruppen und in Preislagen von knapp 70 bis fast 580 Euro geprüft. Die Bewertung „gut" erhielten nur sechs Sitze, sechzehn schnitten „befriedigend" ab, drei „ausreichend", und eine Babyschale ist im Test komplett durchgefallen. Der ADAC testet Kindersitze zweimal jährlich gemeinsam mit der Stiftung Warentest und bewertet jeden in vier Bereichen: Sicherheit, Bedienung, Ergonomie und Schadstoffe.
Tipp: Ab wann darf ein Kind auf einem Sitzerhöher fahren, welche Bußgelder drohen und was gilt im Ausland, erfahren Sie in unserem Ratgeber Sitzerhöher im Auto: Ab wann ist er erlaubt und was sagt das Gesetz - inklusive interaktivem Rechner, der den passenden Sitz für Ihr Kind empfiehlt.
In der interaktiven Tabelle unten können Sie die Modelle nach Alterskategorie filtern, nach Note und Preis sortieren und nach bestimmten Marken suchen. Ein Klick auf einen beliebigen Sitz öffnet seine vollständigen Details - die vier ADAC-Teilnoten sowie eine Liste der Vor- und Nachteile. Mit dem Schalter oben wechseln Sie außerdem vom Frühjahrstest 2026 zur gesamten ADAC-Datenbank mit allen 295 seit 2020 getesteten Sitzen. Eine niedrigere Note bedeutet ein besseres Ergebnis (Modelle mit gleicher Note werden vom günstigsten an sortiert).
Das insgesamt beste Ergebnis erzielte die italienische Foppapedretti Disk Infant i-Size in Kombination mit der Isofix-Basis Tech i-Size. Mit der Note 1,9 sammelte sie die besten Teilwertungen des gesamten Tests - Sicherheit 1,8, Ergonomie 1,8 und bei den Schadstoffen eine glatte Eins. Der ADAC lobt das sehr geringe Verletzungsrisiko beim Frontalaufprall, die optimale Gurtführung und die sichere Befestigung im Fahrzeug; leichte Abzüge gibt es nur für den durchschnittlichen Seitenaufprallschutz und den schwerer abnehmbaren Bezug. Das Set mit Basis kostet rund 368 Euro.

Die gleiche Schale ohne Basis, nur mit dem fahrzeugeigenen Dreipunktgurt gesichert, erhielt die Note 2,2 zum Preis von rund 199 Euro - und ist als einzige im Test sowohl beim Frontal- als auch beim Seitenaufprall mit geringem Verletzungsrisiko bewertet. Die dritte „gute" Babyschale ist die Silver Cross Glide Plus 360 (Note 2,4, rund 259 Euro) mit einfacher Installation und stabilem Sitz.
Unter den Besten finden sich auch drei Sitze für ältere Kinder. Der drehbare Cybex Sirona Ti (2,5, ca. 480 Euro) bietet hervorragende Sicherheit mit 2,1 und ein sehr geringes Seitenaufprallrisiko, verliert aber Punkte wegen „sehr hohem Gewicht" und etwas aufwändigerem Anschnallen des Kindes. Der Sitz mit Sicherheitsbügel Cybex Pallas G3 (2,5, rund 260 Euro) schützt gut, doch nicht jedes Kind akzeptiert den Bügel - der ADAC empfiehlt, ihn vor dem Kauf auszuprobieren. Und der günstigste aus dem Spitzenfeld ist der Hochrückbooster Kinderkraft Junior Fix 2 i-Size für rund 75 Euro: ebenfalls Note 2,5, einfache Bedienung und geringes Fehlbedienungsrisiko. Ein schöner Beweis, dass guter Schutz kein Vermögen kosten muss.

Die größte Gruppe bilden sechzehn Modelle mit einer Note zwischen 2,6 und 3,5. Am besten schnitten davon der Thule Palm (2,6, ca. 270 Euro) und die Babyschale Bugaboo Otter by Nuna (2,6, rund 279 Euro) ab, die zwar ein geringes Verletzungsrisiko bei Front- und Seitenaufprall aufweist, aber durch schwer erkennbare Gurtmarkierungen Punkte einbüßt. Der Test bestätigte dabei, dass ein höherer Preis keine bessere Leistung garantiert: Der teuerste Sitz im gesamten Test, der Silver Cross Approach Plus 360 + Base für 578 Euro, landete nur bei Note 3,0, während der faltbare Maxi-Cosi Topaz i-Size für gerade mal 140 Euro die Note 3,2 und die mit Abstand beste Ergonomie im Test (1,5) vorweisen kann. Unter den „Befriedigenden" finden sich auch Modelle von Maxi-Cosi, Joie, Jané Concord, Peg Perego, Britax Römer, Chicco, Avionaut und Nuna - alle mit Details in der Tabelle oben.
Am schlechtesten schnitt die Babyschale Kinderkraft Mink Pro 2 mit der Isofix-Basis Mink FX2 ab - als einzige mit dem Urteil „mangelhaft" (Note 5,5). Der Grund ist schwerwiegend und betrifft direkt die Sicherheit, wo sie ebenfalls 5,5 erhielt: Beim Frontalaufpralltest löste sich die Schale von der Basis und wurde in den Fahrzeuginnenraum geschleudert. Bei einem echten Unfall würde das ein ernstes Verletzungsrisiko für das Kind bedeuten. Der ADAC warnt daher ausdrücklich vor dieser Kombination, und der Hersteller bietet kostenlosen Umtausch oder Rückerstattung an - Besitzer sollten sie nicht weiter verwenden. Interessant ist, dass die gleiche Schale, nur mit dem Fahrzeuggurt befestigt (ohne Basis), im Test ein „befriedigendes" 3,3 erhielt - das Problem liegt also in der Basis selbst, nicht in der Schale als solcher.
An der Note „ausreichend" scheiterten drei Modelle. Der Reboarder Axkid Minikid 4 Pro (3,6, 500 Euro) schützt ordentlich, leidet aber unter der Bedienungsnote 3,8 - der aufwändige Einbau erfordert einen Stützfuß und zusätzliche Untergurtführungen, weshalb er nur in vom Hersteller zugelassenen Fahrzeugen verwendet werden darf. Beim Sitz Jané Concord Kombikid + Kombibase (3,8, 495 Euro) drückte die Schadstoffnote 4 das Gesamtergebnis - das Labor fand im Bezugsstoff einen gesundheitsschädlichen Flammschutzmittelstoff in erhöhter Konzentration, obwohl der Sitz ansonsten gut schützte. Und der schwächste der drei, Lionelo Lavender i-Size (3,9, 190 Euro), fiel direkt bei der Sicherheit (4,2) durch erhöhtes Verletzungsrisiko bei Front- und Seitenaufprall ab; die Idee eines einzigen Sitzes für viele Jahre ist gut, führt aber zu Kompromissen.
Der ADAC hat seine Methodik seit Frühjahr 2025 grundlegend verschärft, weshalb neue Ergebnisse nicht direkt mit älteren Tests verglichen werden können. Beim Frontalaufprall wurde die deformierbare Barriere durch eine starre Wand ersetzt - früher dämpfte die Knautschzone den Aufprall und der Sitz bremste schrittweise ab, heute wird nahezu die gesamte kinetische Energie auf einmal übertragen, was auch bei niedrigerer Geschwindigkeit einen wesentlich steileren Impuls erzeugt. Beim Seitenaufprall ist der leichte Test gegen eine leichte Barriere bei 15 km/h Geschichte und wurde durch einen sechs Tonnen schweren Impactor bei 60 km/h ersetzt, der einen realen Unfall simuliert - etwa einen Transporter oder SUV, der an einer Kreuzung seitlich in ein Fahrzeug fährt. Der aktuelle Standard ist damit anspruchsvoller als je zuvor, was erklärt, warum selbst renommierte Sitze „nur" eine Zwei erreichen.
Positiv zu vermerken ist der Schadstoffbefund. In keinem der getesteten Sitze fand das Labor ökologisch belastende PFAS-Substanzen (sogenannte ewige Chemikalien). Im Herbsttest 2025 war noch fast jeder dritte Sitz betroffen, sodass dies eine deutliche Verbesserung für die gesamte Branche darstellt.
Die meisten im Test vertretenen Marken - Cybex, Maxi-Cosi, Joie, Kinderkraft, Britax Römer, Silver Cross und Thule - sind im deutschen Fachhandel für Babyausstattung problemlos erhältlich, sodass die ADAC-Ergebnisse eine gute Orientierungshilfe beim Kauf darstellen. Bei der Auswahl lohnt es sich, vor allem auf die Gesamtnote und die Alterskategorie nach Körpergröße des Kindes zu achten und nicht nur auf den Preis - der Test hat einmal mehr gezeigt, dass auch ein Sitz für 75 Euro gut schützen kann, während ein Modell für 145 Euro durchfallen und das für 578 Euro im Mittelfeld landen kann. Entscheidend ist außerdem die korrekte Befestigung: Selbst die beste Schale schützt nur dann, wenn sie exakt nach Anleitung eingebaut ist. Wie das Isofix-System funktioniert und worauf man beim Transport von Kindern im Auto achten sollte, haben wir ausführlich in einem eigenen Artikel über Isofix erklärt.
Die vollständigen Ergebnisse aller 26 Sitze einschließlich der Teilnoten finden Sie in der interaktiven Tabelle oben oder auf der Website des ADAC Kindersitztest.