Sie wollen das komfortabelste Auto für rund eine halbe Million, und Fahren ist für Sie eher ein notwendiges Übel? Dann suchen Sie nicht weiter. Citroen bietet Ihnen für gutes Geld ein Fahrerlebnis, wie Sie es sonst nirgendwo finden. Zum Test steht uns ein Benzin-Dreizylinder mit Automatikgetriebe in einem schönen Bronzeton zur Verfügung.

Aufmerksamen Lesern entgeht vielleicht nicht, dass wir genau dieses Fahrzeug schon einmal getestet haben. Und es hat damals so gut abgeschnitten, dass wir uns gerne wieder mit ihm durch die Gegend fahren lassen und uns daran erinnern. Und wir werden auch sehen, ob es sich gegen die neuen Zugänge auf dem Markt behaupten konnte. Als ich bei der Übergabe dasselbe Auto sah, dachte ich mir: „Ich passe einfach den letzten Test an, und gut ist.“ Am Ende steht hier aber ein ganz anderer Text. Trotzdem kopiere ich den ersten Absatz aus dem vorherigen Test, den ich auch nach einem Jahr nicht besser formulieren könnte: „Der Citroen C4 ist so etwas wie die Königin der Tretroller der unteren Mittelklasse. Etwas höhergelegt, aber kein SUV. Etwas beplankt, aber ohne Allrad. Etwas geländetauglich wirkend, aber nicht geländegängig. Er hat die Form eines Coupés, hat aber keine zwei Türen. Trotzdem verspricht der neue Crossover von Citroen genau das, was der Hersteller bei seinen Autos so gut beherrscht - den Fahrer vom Geschehen ringsum abzuschirmen. In Verbindung mit dem leisen Benzinmotor und dem Automatikgetriebe hat er dafür sogar die besten möglichen Voraussetzungen. “

Vor uns steht ein 4360 mm langes Auto von sehr extravaganter Form, das die Robustheit eines SUV mit einer Liftback-Karosserie und der rundlichen Designsprache der Marke verbindet. Innen überrascht ein zurückhaltender Stil mit insgesamt hochwertigen Materialien. Wir finden hier ein Armaturenbrett ohne große „Extravaganzen“, abgesehen von der einzigartigen Tablet-Halterung samt „geheimer Schublade“, in der man es verstauen kann. Erfreulich sind die vielen Ablagefächer, doch die glänzende Mittelkonsole verlangt Arbeit mit dem Lappen und verkratzt trotzdem. Die sehr bequemen Sofa-Sitze sind in dieser Ausstattung mit Kunstleder bezogen. Ich könnte mir auch ein besseres Material vorstellen, ruhig den Stoffbezug aus der niedrigeren Ausstattung. Das kleine Display anstelle des klassischen Kombiinstruments finde ich ebenfalls recht sympathisch, da es nur die für das Fahren nötigsten Angaben zeigt (ähnlich wie etwa im Enyaq und nicht etwa wie im Honda Jazz oder Toyota Camry). Im Kofferraum finden wir 380 Liter samt Skidurchreiche, und hinten gibt es ausreichend Platz für einen Erwachsenen. Auch das abfallende Dach schränkt nicht ein.

Unter der Haube arbeitet der Benzinmotor 1.2 PureTech, abgestimmt auf 150 PS. Den Sprint auf „Hundert“ schafft er in 8,5 Sekunden, der WLTP-Verbrauch liegt bei 6,1 Litern. Einen so leistungsstarken Motor findet man in der diesjährigen Preisliste leider nicht mehr. Es ist aber dasselbe Aggregat, nur auf 130 PS gedrosselt. Er beschleunigt zwar um eine Sekunde langsamer, ist dafür aber um 0,3 Liter sparsamer. Das ist offenbar eine Folge des Flottendurchschnitts bei den Emissionen. Was sich nicht geändert hat, ist die Kombination mit dem sehr gelungenen Achtgang-Automatikgetriebe EAT8. Dieses ergänzt sich mit seinem samtweichen Schaltverhalten gut mit der extrem leichtgängigen Lenkung. Bei ihr spürt man überhaupt keine Verbindung zu den Rädern, was etwa auf rutschigem Untergrund stören kann, ansonsten aber gut zum Auto passt. Der Dritte im Bunde ist die extrem weiche Dämpferabstimmung, die kleine Unebenheiten wunderbar herausfiltert. Dabei hilft auch die Profilhöhe 60 der Reifen 195/60 R18. Ich kann mir hier keinen anderen Antrieb vorstellen als diesen leisen Benzinmotor mit dem samtweichen Automatikgetriebe. Wer würde sich in so einem Auto schon mit dem Schalten aufhalten wollen. Wie das Getriebe schaltet und wie aus der Ferne gelegentlich ein sympathisches Brummen des Motors zu hören ist, passt perfekt zum Charakter des C4. Vom Fahrgefühl her gefällt er mir besser als der elektrische e-C4, der für das einfache Fahrwerk fast zu schwer ist.

Das ist die stärkste Seite des C4, wenn Sie sich vom Auto chauffieren lassen wollen. Citroen rühmt sich einer sehr weichen Federungsabstimmung. Das ist von Vorteil bei langsamerer Fahrt und vor allem bei einzelnen Unebenheiten. Kein bisher getestetes Auto schluckt diesen scheußlichen eisernen Retarder so gut wie der C4. Die weichen Dämpfer erlauben ein schnelles Einfedern der Räder in die Karosserie und lassen sie danach langsam wieder zur Fahrbahn zurückkehren. Dasselbe gilt für diverse Dehnungsfugen oder andere isolierte Unebenheiten. Dort arbeitet das Fahrwerk hervorragend. Es ist leise und überträgt kaum Erschütterungen ins Innere. Es überrascht aber nicht, dass bei einer Abfolge von Unebenheiten, etwa auf so einer „zerfahrenen“ Landstraße, die Dämpfer nicht mehr hinterherkommen, die aufschaukelnden Räder abzubremsen und zur Fahrbahn zurückzuführen, sodass der C4 nervös wird und hüpft. Kurz gesagt, Wunder geschehen keine, wir befinden uns immer noch in einem Auto der unteren Mittelklasse. Zudem gibt es hinten eine Verbundlenkerachse, der die weichen Dämpfer ebenfalls nicht besonders zuträglich sind, vor allem bei Richtungswechseln.

Ich habe es nicht objektiv gemessen, aber subjektiv gehört er zu den leisesten Innenräumen dieser Klasse. Auch bei Fahrten oberhalb der Autobahngeschwindigkeit treten keine übermäßigen Geräusche auf. Weder von der Karosserie, noch vom Motor, noch von den Rädern. Der Karosserie hilft dabei die vernünftige Höhe und die Form mit dem fließend abfallenden Heck. Dem Motor hilft, dass er auf der Autobahn nur 2100 Umdrehungen dreht. Und den Rädern helfen ihre geringe Breite und die große Reifenflankenhöhe. Diese Kombination führt dazu, dass der C4 meiner Meinung nach auf der Autobahn ein absolut tolles Fahrerlebnis bietet, wenn man den Preis von rund einer halben Million bedenkt. Zudem steigt mit zunehmender Geschwindigkeit auch der Verbrauch nicht allzu stark.

Generell hat die Karosserieform einen entscheidenden Einfluss auf den Verbrauch, und hier eher einen positiven. Außerorts lässt es sich problemlos mit rund 5 Litern fahren, auf der Autobahn mit den üblichen 6,5 Litern. Und ein solches wöchentliches Pendeln endet bei 6 Litern. In einem SUV. Mit Automatik. Mit 150 PS. Klasse. Hut ab. Mir gefällt am C4 dieser vernünftige Kompromiss zwischen erhöhter Sitzposition und den übrigen Eigenschaften, die einem Pkw entsprechen. Dass er eine leicht erhöhte Sitzposition für ein besseres Einsteigen bietet, kombiniert mit minimalem Einfluss auf den Verbrauch, bewerte ich ebenfalls sehr positiv.

Vergessen Sie das Sportliche, dafür haben Sie sich dieses Auto nicht gekauft. Ein paar zügige Kurvenfahrten werden weder Ihnen noch ihm wirklich behagen. 150 PS sind zwar genug, gefühlt würde man aber wohl weniger schätzen. Ein größeres Problem sind die eben gelobten weichen Dämpfer. Das Auto neigt sich in der Kurve, beginnt zu verzögern, und das stark entlastete kurveninnere Rad verhindert jegliche Beschleunigung, bis sich alles wieder beruhigt hat. Dort, wo man in der Kurvenmitte normalerweise „aufs Gas geht“, geht das hier also nicht. Und schließlich hilft auch die sehr leichtgängige Lenkung keinem verspielteren Fahrstil. Praktisch habe ich weder die Fahrmodi umgeschaltet, noch die Schaltwippen am Lenkrad, noch die manuelle Schaltung des Getriebes benutzt. Für dieses Auto passt das irgendwie nicht. So, wie man ihn startet, ist er am besten. Wenn entspanntes Fahren Ihre Blutgruppe ist, sind Sie hier richtig. Dieses gemütliche Dahingleiten durch die Landschaft, das kann Citroen am besten.
