Der Hyundai-Motor-Konzern plant, bis Ende des Jahrzehnts 30.000 humanoide Roboter Atlas von Boston Dynamics in seinen Werken einzusetzen — jenem Unternehmen, das zu 80 % in seinem Besitz ist. Der Roboter Atlas wurde erstmals in seiner Serienversion auf der CES 2026 in Las Vegas vorgestellt — und die Reaktion der koreanischen Gewerkschaften ließ nicht lange auf sich warten.
Atlas misst 190 cm, wiegt 90 kg und kann eine Last von 50 kg tragen. Seine Gelenke drehen sich um 360 Grad, was ihm Arbeitspositionen ermöglicht, die für den menschlichen Körper unerreichbar sind. An ein Netzwerk künstlicher Intelligenz angeschlossen, lernt er kontinuierlich neue Aufgaben. Laut Auto Plus kostet ein Exemplar etwa 130.000 Euro, mit jährlichen Wartungskosten von rund 8.000 Euro.
Die wirtschaftliche Rechnung spricht eine klare Sprache. Wie die Seoul Economic Daily berichtet, sinkt der Anschaffungspreis eines Roboters bei Serienproduktion auf etwa 200 Millionen Won (rund 3,5 Millionen Kronen). Die Lohnkosten für zwei amerikanische Arbeiter erreichen dagegen über zwei Jahre 470 Millionen Won. Der Roboter arbeitet zudem 16 Stunden täglich und übernimmt die Arbeit von zwei Beschäftigten.
Hyundai plant, die Serienproduktion von 30.000 Robotern jährlich in einer neuen Roboterfabrik zu starten. Laut Axios werden die ersten Roboter 2028 im Werk Metaplant America im US-Bundesstaat Georgia eingesetzt, wo Hyundai die Elektrofahrzeuge Ioniq 5 und Ioniq 9 produziert. Zunächst sollen sie Teile sortieren, ab 2030 sollen sie Komponenten montieren.
Die Gewerkschaften sprechen von einer „Traumfabrik", die sich die Hyundai-Führung als ein rund um die Uhr ausschließlich mit KI-gesteuerten Robotern laufendes Werk vorstellt. Der koreanische Metallarbeiterverband reagierte eindeutig: „Kein einziger Roboter betritt den Arbeitsplatz ohne eine Vereinbarung zwischen Unternehmensleitung und Beschäftigten", zitiert die Seoul Economic Daily.
Die Spannungen haben tiefere Wurzeln. Südkorea hält laut der International Federation of Robotics (IFR) den Weltrekord bei der Dichte von Industrierobotern: 1.012 Maschinen auf 10.000 Beschäftigte. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 162. Die Gewerkschafter sehen die Pläne mit Atlas daher als eine weitere Eskalation eines Trends, der die koreanischen Fabriken schon heute erheblich verändert.
Das südkoreanische Parlament reagiert. Der Abgeordnete Choi Eun-seok von der oppositionellen People-Power-Partei legte laut Auto Plus eine Novelle des KI-Gesetzes vor. Diese verlangt, dass der Staat entlassenen Arbeitern Zugang zu Umschulungsprogrammen und eine finanzielle Absicherung für die Übergangszeit gewährt. Der ursprüngliche Entwurf sah eine Pflicht vor, für jeden durch Automatisierung wegfallenden Arbeitsplatz einen neuen zu schaffen — diese Fassung setzte sich jedoch nicht durch.
Im Werk Hyundai Motor Manufacturing Czech in Nošovice arbeiten über 3.100 Menschen, weitere 8.700 bei direkten Zulieferern. Das Werk plant dieses Jahr die Produktion von knapp 265.000 Fahrzeugen — vor allem Tucson, Kona Electric und die i30-Reihe. Dennoch wird bereits gekürzt: Laut Zdopravy.cz werden hundert Arbeitsplätze wegen schwächerer Nachfrage gestrichen.
Hyundai konzentriert seine Roboterpläne bislang auf das US-Werk in Georgia. Nošovice taucht in den offiziellen Verlautbarungen zu Atlas nicht auf. Die Frage steht dennoch im Raum: Wenn sich die Technologie jenseits des Ozeans bewährt, wie lange bleibt sie dann noch außerhalb der europäischen Montagewerke?