MG ist zu seinen sportlichen Wurzeln zurückgekehrt – und hat dabei gleich eine ganze Ära übersprungen. Der Cyberster ist kein Elektro-Hatchback mit dem Logo einer Marke, die einst Roadster baute. Es ist ein echter zweisitziger Roadster mit Scherentüren, den Sie in Tschechien ab 1 639 990 Kč kaufen können und der aussieht wie ein Auto, das das Fünffache kosten sollte. Nach der Auswertung von neun ausländischen und tschechischen Tests, Langzeiterfahrungen von Besitzern und stundenlangen Videorezensionen vergeben wir dem Cyberster 78/100. Es ist eine faszinierende Maschine mit einem entscheidenden „Aber“: Er will ein Sportwagen sein, ist aber innerlich ein Gran Turismo.
Der Cyberster sorgt auf jedem Parkplatz sofort für Aufsehen. Die Scherentüren, die sich wie beim Lamborghini nach oben öffnen, sind nicht nur eine Pose für Fotos. Das Auto ist 1,9 Meter breit, benötigt zum Öffnen der Türen aber nur 2,3 Meter – damit kommt man auch in engen Tiefgaragen zurecht. Die Türen verfügen über Sensoren oben und unten, die sie stoppen, bevor sie gegen die Decke oder das Nachbarauto stoßen, und der Öffnungswinkel lässt sich von 30 bis 76 Grad einstellen. Es ist ein Feature, das teuer aussieht, aber überraschend praktisch funktioniert.

Die Front mit schmalen Scheinwerfern und einem großen Spoiler erinnert an die beste Ära britischer und italienischer Sportwagen, das Heck mit durchgehendem Lichtband und massivem Diffusor wirkt muskulös und originell. Der Cyberster misst 4 535 mm in der Länge, liegt tief (nur 1 329 mm Höhe) und der Radstand von 2 690 mm verspricht Stabilität. Für MG ist es eine Rückkehr zu einem Erbe, das in den 1960er und 70er Jahren für erschwingliche Roadster für jedermann stand. Nur dass er jetzt von einer 77-kWh-Batterie im Unterboden angetrieben wird und in Tschechien Anfang 2025 auf den Markt kam.

Hier liegt der größte Widerspruch des ganzen Autos. Auf dem Papier sieht der Cyberster aus wie eine Kanonenkugel: Die Topversion GT hat Allradantrieb, zwei Motoren mit einer kombinierten Leistung von 375 kW (510 PS) und schafft laut MG den Sprint auf 100 km/h in 3,2 Sekunden. In der Praxis ist er jedoch kein scharfer Roadster für Enthusiasten, sondern eher ein komfortables Reise-Gran-Turismo ohne Dach. Die Lenkung ist im Supersport-Modus künstlich schwer, hat nur 2,5 Umdrehungen zwischen den Anschlägen und vermittelt kaum Feedback. Das Heck kann auf Unebenheiten ins Schaukeln geraten, und in einer schnellen Kurve unter Last schlupft das kurveninnere Rad durch, weil der Cyberster kein Sperrdifferenzial besitzt. Das ist schade – ein Sperrdiff würde dem Auto die echte Fahrfreude verleihen.

Sobald man aber aufhört, den Cyberster wie einen Porsche zu jagen, ergibt er Sinn. Die Karosserie ist außerordentlich steif, weil die Batterie Teil der Struktur ist und durch Aluminiumverstärkungen vor und hinter den Sitzen ergänzt wird. Der Schwerpunkt liegt nur 440 mm über dem Boden, die Batterie ist lediglich 110 mm dünn und die Gewichtsverteilung von 50:50 ist ideal. Bei 130 km/h mit geschlossenem Dach sinkt der Geräuschpegel unter 70 dB – ein Niveau, das ein Luxus-Coupé nicht zu schämen bräuchte. Der Cyberster will schlicht kein Rennwagen sein, er will ein angenehmer Alltags-Roadster sein, mit dem man mit einem Lächeln unterwegs ist und auf Landstraßen keine ideale Linie sucht. Wenn man das versteht, ist es ein großartiges Auto.
Der Cyberster wird in Europa in zwei Versionen angeboten. Die Basisversion mit Einzelmotor treibt die Hinterräder an, leistet 250 kW (340 PS) und 475 Nm und sprintet in 5,0 Sekunden auf 100 km/h. Das Topmodell GT mit zwei Motoren und Allradantrieb bietet insgesamt 375 kW (510 PS) und 725 Nm und schafft den Sprint in besagten 3,2 s. Beide Versionen teilen sich dieselbe 77-kWh-Batterie (74 kWh nutzbar) mit NMC-Chemie.
| Parameter | Cyberster RWD (Trophy) | Cyberster AWD (GT) |
|---|---|---|
| Leistung | 250 kW (340 PS) | 375 kW (510 PS) |
| Drehmoment | 475 Nm | 725 Nm |
| 0-100 km/h | 5,0 s | 3,2 s |
| Antrieb | Hinterrad | Allrad |
| Batterie | 77 kWh (74 kWh netto) | 77 kWh (74 kWh netto) |
| Reichweite (WLTP) | bis 507 km | geringer als RWD |
| DC-Laden (max.) | 144 kW | 144 kW |
Die WLTP-Reichweite von 507 km ist für einen offenen Roadster eine respektable Zahl, die Realität fällt laut Langzeittests jedoch nüchterner aus. Bei zügiger Fahrt steigt der Energieverbrauch schnell: Im Stadtverkehr bei winterlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt klettert er auf 27 bis 29 kWh auf 100 km, auf Landstraßen bei 90 bis 100 km/h sind auch 20 kWh möglich, auf der Autobahn sollte man eher mit 22 bis 24 kWh rechnen. Die reale Reichweite bewegt sich damit zwischen 320 km (Autobahn) und 385 km (Landstraße). Schwachpunkt ist das Laden: Die maximale DC-Ladeleistung von 144 kW ist für 2026 keine beeindruckende Zahl, und von 10 auf 80 Prozent dauert das Laden rund 38 Minuten. Konkurrierende Elektrofahrzeuge in dieser Preisklasse können deutlich schneller laden.
Steigt man ein, ist der erste Eindruck durchweg angenehm. Die Materialien sind für MG ungewohnt weich und hochwertig, die Sitze sind beheizt und das Cockpit umhüllt den Fahrer mit drei ineinander übergehenden, fahrerzentrierten Displays. Das Bose-Soundsystem mit acht Lautsprechern klingt hervorragend, und hinter den Sitzen findet sich eine großzügige Ablage. Die Alltagstauglichkeit ist insgesamt eine Stärke: Der Kofferraum fasst bis zu 249 Liter – für einen Roadster ungewöhnlich viel – und nimmt locker eine Golftasche oder den Wocheneinkauf für eine dreiköpfige Familie auf. Das Stoffdach lässt sich in rund 10 Sekunden öffnen und schließen, auch während der Fahrt bis 50 km/h, ohne dabei Kofferraumvolumen zu opfern.

Der Haken liegt in der Sitzposition hinter dem Steuer. Da man auf der Batterie sitzt, sitzt man vergleichsweise hoch und hat das Gefühl, eher auf dem Auto zu sitzen als darin. Fahrer über 180 cm kommen mit dem Kopf ans Dach, und das offene Verdeck verstärkt diesen Eindruck. Außerdem ist der untere Sitzbereich recht schmal, sodass kräftigere Fahrer klagen könnten. Der Cyberster ist daher für kleinere und mittelgroße Personen am komfortabelsten – größere Fahrer sollten ihn vor dem Kauf unbedingt ausgiebig Probe fahren.

Das Infotainment ist der größte Kompromiss des gesamten Autos. Die drei Displays sehen beeindruckend aus, aber die dahinterliegende Software ist langsamer und weniger übersichtlich, als man bei einem Auto für 1,6 Millionen Kč erwarten würde. Die Schrift auf den Bildschirmen ist klein und der Touchscreen reagiert träge, sodass man oft zweimal tippen muss. Apple CarPlay funktioniert nur per Kabel (keine drahtlose Verbindung) und fällt laut Besitzern gelegentlich aus. Dazu kommt ein Aufmerksamkeitswarner, der sich nach jedem Start neu aktiviert und sich auch meldet, wenn der Blick kurz auf die Klimabedienung fällt. Lob verdienen hingegen die 360-Grad-Kamera, Parksensoren und eine physische Taste zum kurzfristigen Abrufen der vollen Leistung beim Überholen, an die sich Besitzer schnell gewöhnen.
Euro NCAP hat den Cyberster bisher keinen Crashtests unterzogen – was bei Niedrigvolumen-Roadstern üblich ist – sodass kein offizielles Sternebewertung vorliegt. Das Auto basiert jedoch auf der technischen Basis des elektrischen MG4, der 2022 die volle Fünf-Sterne-Wertung erhielt. Die Karosseriesteifigkeit, die Tester und Besitzer gleichermaßen loben, ist ein gutes Zeichen, doch ohne eigenen Crashtest bleibt die Sicherheit des Roadsters eher eine Einschätzung als ein belegtes Faktum. Zu den aktiven Systemen gehören automatische Notbremsung, adaptiver Tempomat und Spurhalteassistent – deren Kalibrierung ist laut Tests aber nicht ganz feinjustiert.
Für eine seriöse Zuverlässigkeitsbewertung ist der Cyberster noch zu neu; unabhängige Pannenstatistiken (TÜV oder andere) erfassen ihn noch nicht. MG wirbt jedoch mit sieben Jahren Garantie bis 150 000 km, was im Elektrofahrzeugsegment überdurchschnittliche Sicherheit bedeutet. Erfreulich sind die niedrigen Servicekosten: Der elektrische Roadster benötigt keine Ölwechsel und keine aufwendige Verbrenner-Wartung, und laut Besitzern belaufen sich die Unterhaltskosten auf einen Bruchteil der Verbrenner-Konkurrenz. Die jährlichen Servicekosten werden im Ausland umgerechnet mit rund 3 500 bis 9 000 Kč je nach Händler angegeben, wobei die Spreizung zwischen den einzelnen Werkstätten erheblich ist.
Professionelle Tests verbringen eine Woche mit dem Auto, Besitzer leben Monate damit. Wir haben Erfahrungen aus Langzeittests (Autocar, Top Gear) sowie aus Foren gesammelt, in denen sich echte Cyberster-Besitzer austauschen, vor allem auf dem britischen MGEVs.com. Das Fazit ist eindeutig: Besitzer lieben das Auto trotz seiner Schwächen.
Was bemerkenswert ist: Selbst Besitzer, die all diese Kritikpunkte unterschreiben, antworten auf die Frage „Würdest du ihn wieder kaufen?“ mit „ohne zu zögern“. Der Cyberster ist ein Auto, das man nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen kauft, und das verzeiht ihm so manche Schwäche.

Die tschechische MG-Preisliste beginnt bei 1 639 990 Kč, und der Cyberster wird über ein wachsendes Händlernetz vertrieben. Für einen elektrischen Roadster mit dieser Ausstattungs- und Designdichte ist das ein Preis ohne direkte Konkurrenz in Tschechien. Eine gewisse Rolle spielt jedoch die Herkunft: MG gehört dem chinesischen Konzern SAIC, und die europäischen Einfuhrzölle auf chinesische Elektroautos, die für MG 35,3 Prozent betragen, könnten die Preise künftig nach oben treiben. Bisher hat sich das auf die attraktive Preisliste jedoch nicht ausgewirkt.
Die Verkaufszahlen bestätigen, dass es sich um eine reine Nischenangelegenheit handelt. Im Jahr 2024 wurde in Tschechien ein einziger Cyberster zugelassen, 2025 kamen rund 14 hinzu (davon eine knappe Mehrheit auf Firmen) und 2026 bisher einige weitere Exemplare. Am häufigsten taucht er in Prag auf, vereinzelt in Ostrava, Südmähren oder Jablonec. Der Cyberster ist kein Volumenbringer für MG, sondern ein Flaggschiff, das Kunden in die Showrooms locken und zeigen soll, dass die Marke auch Emotionen beherrscht. Darin funktioniert er hervorragend.
Ein direkter elektrischer Konkurrent des Cyberster existiert auf dem Markt praktisch nicht; zu den wenigen anderen Elektro-Cabrios zählt das deutlich kleinere Fiat 500e Cabrio. Klammert man den Antrieb aus, konkurrieren klassische Verbrenner-Roadster und Sportwagen in ähnlicher Preisklasse.
| MG Cyberster | BMW Z4 Roadster | Mazda MX-5 | Alpine A110 | |
|---|---|---|---|---|
| Preis ab | 1 639 990 Kč | 1 267 500 Kč | 884 750 Kč | 1 962 000 Kč |
| Antrieb | Elektro | Benzin | Benzin | Benzin |
| Leistung | 250 kW (340 PS) | 145 kW (197 PS) | 97 kW (132 PS) | 221 kW (300 PS) |
| 0-100 km/h | 5,0 s | 6,6 s | 8,3 s | 4,2 s |
| Kofferraum | 249 l | 281 l | 130 l | 196 l |
Der Mazda MX-5 bietet das purere Fahrerlebnis für weniger Geld, der BMW Z4 ist der ausgefeiltere Reisebegleiter und der Alpine A110 spielt in puncto Fahrschärfe in einer eigenen Liga. Der Cyberster aber vereint als Einziger offenes Verdeck, Elektroantrieb und 510 PS zu einem erreichbaren Preis. Den detaillierten Vergleich des MG Cyberster mit der Konkurrenz finden Sie in unserem Fahrzeugvergleich.

Wer einen scharfen Sportwagen für Landstraßenhotzerei und präzises Lenkgefühl sucht, wird vom Cyberster enttäuscht – greifen Sie dann lieber zum Alpine A110 oder zur Mazda MX-5. Ebenso gilt: Wer das Auto häufig auf der Autobahn bewegt und dabei auf Ladegeschwindigkeit angewiesen ist, findet bessere Elektroalternativen.
Der Cyberster ist jedoch die ideale Wahl für denjenigen, der ein offenes Elektrofahrzeug mit Charisma zu vernünftigem Geld möchte und dem Wochenendausflüge bei schönem Wetter mehr bedeuten als Zehntelsekundenunterschiede auf der Rundstrecke. Es ist ein Auto für Menschen, die aus der Masse herausstechen wollen, eine leise und kultivierte Fahrt mit dem Wind in den Haaren genießen und dafür kein Premiummarken-Logo brauchen. Wer zu dieser Gruppe gehört und die hohe Sitzposition sowie gelegentliche Software-Eigenheiten als Preis für die Einzigartigkeit akzeptiert, den wird der Cyberster jeden Tag mit einem Lächeln begrüßen. Und das ist bei einem Auto mehr wert, als es zunächst scheint. Wie MG auch pragmatischere Segmente meistert, haben wir übrigens in der Rezension des MG ZS beleuchtet.