Was bereitet Autofahrern die größten Sorgen beim Umstieg auf Elektromobilität? Preis, Reichweite und Ladegeschwindigkeit. Drei Attribute, wegen derer Elektroautos noch immer in Ungnade stehen. Doch das MG4 gibt sich so, als hätte es darauf eine Antwort. Es bietet eine vernünftige Reichweite und einen vernünftigen Verbrauch, die Ladegeschwindigkeit ist ordentlich, und auch der Preis ist sehr gut – einer, der den europäischen Konkurrenten bald den Schlaf rauben dürfte. Sollten Sie es wollen? Und wie sehr?


Also los geht's. Das MG4 ist ein Auto, das auf der Straße so viel Aufmerksamkeit erregt wie kaum ein anderes Fahrzeug der letzten Monate. In leuchtendem Blau, mit scharf geschnittenen Frontscheinwerfern und einem markanten Heck mit großen Leuchten zieht es die Blicke aller Altersgruppen auf sich. Der Hersteller hat versucht, ein aerodynamisch geformtes Fahrzeug zu bauen, und sich nicht von der SUV-Welle mitreißen lassen. Von der Seite betrachtet fällt die keilförmige Silhouette des Autos auf, und bei genauerem Hinsehen auch die relativ kleinen Räder im Verhältnis zur Höhe der seitlichen Karosserielinie. Der Trend gibt vor, riesige Räder zu montieren, weil das gut aussieht und einen gewissen Einfluss auf den Komfort hat. Optisch wirkt ein solches Auto dadurch kleiner und ausgewogener. Kleine Räder haben jedoch eine Reihe von Vorteilen. Vom niedrigeren Reifenpreis bis zu deutlich geringeren Trägheitskräften, die einen großen Einfluss auf den Verbrauch haben. Die höhere Reifenflanke verschiebt zudem den Fahrkomfort noch ein Stück weiter nach vorne. Auf jeden Fall ist das Design eigenständig und zieht extrem viel Aufmerksamkeit auf sich.

Im Innenraum ist auf den ersten Blick die Inspiration durch den Volkswagen ID.3 zu erkennen. Auch hier zeigt das kleine Display hinter dem Lenkrad nur das Nötigste an. Ebenso einfach ist es, das Auto in Bewegung zu setzen. Man muss sich nur hinsetzen, anschnallen, die Bremse betätigen und mit dem großen runden Wählhebel die Fahrtrichtung einlegen. Klasse. Einfach. Die Sitze bieten zwar nicht viel seitlichen Halt, sind aber bequem, und auch nach ganztägiger Nutzung des Autos hatte ich nichts an ihnen auszusetzen.

Fahrerisch muss ich sagen, dass das MG4 eine große Überraschung ist. Man denkt sich immer wieder, dass sich die Ersparnis von Hunderttausenden Kronen irgendwo bemerkbar machen muss, und so ist man mit gespitzten Sinnen darauf aus, das MG4 bei Schwächen zu ertappen. Doch in Sachen Fahrkomfort gibt es kaum etwas zu bemängeln. Die Lenkabstimmung, das Ansprechverhalten von Gas und Bremse – daran ist absolut nichts auszusetzen. Mir gefiel, wie gut der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremsung abgestimmt ist. Erst später erfuhr ich, dass das MG4 mit einer recht einzigartigen Brake-by-Wire-Technologie ausgestattet ist, sodass eine mechanische Verbindung zwischen Pedal und Bremsen völlig fehlt. Das Fahrwerk ist sehr gut abgestimmt, dank der höheren Reifenflanke ist es nicht hart und dämpft Unebenheiten gut. Eine kleine Anmerkung habe ich zum akustischen Komfort bei niedrigen Geschwindigkeiten. In den völlig ruhigen Innenraum dringt beim Überfahren von Unebenheiten ein leichtes Dröhnen ein. Das passiert bis etwa 40 km/h. Oberhalb dieser Geschwindigkeit würde ich das Auto ohne Weiteres loben. Die 150 kW, die die Hinterräder antreiben, sind völlig ausreichend und verleihen dem Fahrzeug angenehme Fahreigenschaften. Bei der Rekuperation bremst es über die Hinterräder, sodass den Vorderrädern reichlich Grip zum Einlenken bleibt. Bei der Beschleunigung ist es sehr angenehm, wie das Heck schiebt. Auf nasser Fahrbahn ist jedoch etwas Vorsicht geboten, der Hinterradantrieb kann tückisch sein. Das Stabilitätssystem wacht über alles, doch gelegentlich bricht das Heck trotzdem leicht aus und kann einen erschrecken. Auf der Autobahn und bei höheren Geschwindigkeiten ist das MG4 leise und spricht auf das Gaspedal weiterhin ordentlich an. Es ist kein Problem, auch oberhalb der erlaubten Geschwindigkeiten zu fahren. Es hat immer noch genug Kraft, und der Verbrauch bleibt relativ vernünftig.

Bis hierhin habe ich gelobt. Das hört jetzt auf. Am meisten störte mich, dass sich beim Verlangsamen automatisch das Kamerasystem des Autos einschaltet. Ich verstehe, dass es ohne vordere Parksensoren eine schwierige Aufgabe ist, wie und wann die Kameras aktiviert werden sollen. Aber dass sie sich genau in dem Moment einschalten, in dem ich mich einer Kreuzung nähere und im Navi sehen möchte, wo ich abbiegen muss oder über welche Ausfahrt ich den Kreisverkehr verlasse – damit konnte ich mich einfach nicht anfreunden. Der zweite Kritikpunkt war die Bedienung der Klimaanlage. Lange störte mich, dass auf dem zentralen Display nur eine kleine Fläche zum Treffen zur Verfügung steht, zudem reagiert der Bildschirm manchmal seltsam auf Berührungen – gelegentlich passiert einfach gar nichts. Merkwürdig war auch, dass das MG4 erst dann zu heizen begann, wenn die Automatikklimaanlage auf 29 Grad eingestellt war. Der Bereich, in dem sich das MG im Sinne von „from zero to hero“ zeigte, war, als ich herausfand, wie hervorragend die Klimabedienung per Lenkradtaste funktioniert. Ein Tastendruck schaltet die rechte Wipptaste auf die Klimasteuerung um, wie ich sie sonst nirgendwo gesehen habe. Nach oben-unten ändert sich die Temperatur, nach links-rechts die Gebläsestärke. Einfach klasse. Deswegen habe ich beide Augen zugedrückt bei der schlechten Bedienung der Klimaanlage über den Bildschirm. Doch wenn Sie die Sitzheizung einschalten wollen, kommen Sie um dieses Herumklicken trotzdem nicht herum.

Das nächste Kapitel eröffnen wir mit dem nervigen Spurhalteassistenten, der ungewöhnlich stark am Lenkrad zieht, auch dann, wenn man es gar nicht erwartet. Und ihn abzuschalten erfordert einiges an Klicken. Ebenso ist auch das System zum aktiven Halten der Fahrspur sehr eigensinnig, und ich habe es sehr schnell abgeschaltet. Der adaptive Tempomat funktioniert dagegen hervorragend, auch im Stau geht er sanft mit Gas und Bremse um. Ein weiterer Wermutstropfen ist der recht empfindliche Lichtsensor, der dazu führt, dass die Scheinwerfer oft leuchten und die Helligkeit der Displays sich sehr stark abdunkelt. Das Hauptdisplay läuft auf einem Android-System, man muss gelegentlich etwas suchen, bietet aber überraschend viele Fahrzeugeinstellungen, darunter etwa die Einstellung der Widerstandsstärke des Gaspedals. Das Display reagiert nicht sehr empfindlich auf Berührung, man muss das jeweilige Bedienelement genau treffen. Von Vorteil ist auch die kontextbezogene Hilfe bei den meisten Einstellungen. Ein Nachteil ist jedoch, dass die Lokalisierung nur auf Englisch verfügbar ist. Merkwürdig ist auch, dass sich das Auto nicht ausschaltet, solange man es nicht verriegelt, sodass man es nicht unverschlossen stehen lassen kann, wenn man weggeht. Der Enyaq hingegen schaltet sich sofort nach dem Aussteigen aus, was etwa bei einer kurzen Toilettenpause auch nicht ideal ist. Nun, man kann es wohl niemandem recht machen.

Die Batterie hat eine Kapazität von 64 kWh, der Hersteller gibt eine Reichweite von 450 km bei einem Durchschnittsverbrauch von 16 kWh an. Das MG4 beschleunigt in 7,9 Sekunden auf Tempo 100, sodass es sich damit sicher nicht verstecken muss. Und wie sieht es in der Praxis aus? Was die meistbeachteten Parameter von Elektroautos betrifft, also Reichweite und Ladegeschwindigkeit, hat das MG4 sehr positiv überrascht. Auf der Autobahn begnügte es sich mit rund 21 kWh. Außerhalb der Stadt reichten ihm bei ruhiger Fahrweise problemlos 13-15 kWh. Das sind absolut hervorragende Werte. Der gesamte kombinierte Verbrauch der letzten 3 tausend km lag bei 18,5 kWh. Die reale Reichweite liegt also bei diesen 350 km. Und wenn die Energie zur Neige geht und man eine ausreichend schnelle Ladestation erreicht, wird man ebenfalls positiv überrascht. Nach unseren Messungen lud das MG4 mit einer Geschwindigkeit von rund 135 kw bis zu 55 %, bei 70 % lud es noch immer mit 65 kW, und bei 80 % noch mit über 50 kW. In 25 Minuten habe ich so von 15 auf 80 % geladen und 42 kWh nachgetankt. Das würde für rund 250 km reichen. Natürlich hat daran die Schnellladestation großen Anteil, von denen es aber noch nicht sehr viele gibt. An der klassischen 50-kW-Säule verbringt man dagegen eine ganze Stunde. Das liegt jedoch an der Infrastruktur. Ich ergänze noch, dass das Auto mit einem 11-kW-Onboard-Lader ausgestattet ist und an der Wallbox in 6,5 Stunden geladen wird.
