Die russische Volga kehrt zurück. Die sowjetische Legende, die jahrzehntelang Parteifunktionäre und Taxifahrer in der gesamten UdSSR chauffierte, ersteht mit zwei neuen Modellen von den Toten auf — der Limousine C50 und dem SUV K50. Unter der Haube beider Fahrzeuge arbeiten jedoch turbogeladene Zweiliter-Motoren, die von Aurobay entwickelt wurden, einem Gemeinschaftsunternehmen des chinesischen Geely-Konzerns und des schwedischen Volvo. Das berichtet das Portal Carscoops.
Die Geschichte der neuen Volga beginnt im chinesischen Hangzhou. Dort hat die Zhejiang Geely Holding Group ihren Sitz — ein Konzern, der 2010 den schwedischen Hersteller Volvo Cars für 1,8 Milliarden Dollar von Ford übernahm. Seitdem hat Geely eines der größten Automobilimperien der Welt aufgebaut. Neben Volvo besitzt oder hält der Konzern Anteile an den Marken Zeekr, Lynk & Co, Polestar, Lotus, Proton, Smart (gemeinsam mit Mercedes) sowie dem Londoner Hersteller LEVC.
Ein zentraler Baustein der gesamten Gruppe ist Aurobay Technology — das Gemeinschaftsunternehmen von Volvo und Geely, das 2021 gegründet wurde. Volvo brachte dabei sein Motorenwerk im schwedischen Skövde samt Entwicklungsteam sowie ein Werk in China ein. Aurobay produziert turbogeladene Vierzylindermotoren, die nicht nur den Volvo XC60, XC90 oder S60 antreiben, sondern neuerdings auch die russische Volga.

Das Flaggschiff der wiederbelebten Marke ist die Volga K50 — ein Mittelklasse-SUV auf Basis des Geely Monjaro. Optisch unterscheidet es sich vom chinesischen Original praktisch nur durch den angepassten Kühlergrill mit dem Volga-Logo. Verchromte Details, die Form der Scheinwerfer und die gesamte Silhouette blieben unverändert.
Unter der Haube des K50 arbeitet ein turbogeladener Zweiliter-Benzinmotor mit 238 PS (175 kW) und einem Drehmoment von 350 N·m im Bereich von 1 800 bis 4 500 U/min. Der Motor stammt aus der Aurobay-Fertigung. Die Kraft wird über eine Achtstufenautomatik übertragen, der Allradantrieb ist serienmäßig. Laut russischen Zulassungsdokumenten erhielt der K50 bereits im Dezember 2025 die Typgenehmigung.
Das zweite Modell ist die Limousine Volga C50, die auf der Plattform des Geely Preface basiert. Mit einer Länge von 4 825 mm und einem Radstand von 2 800 mm ordnet sie sich in ein Segment ein, das in Russland traditionell von der Toyota Camry oder dem Volkswagen Passat bedient wurde — beide Marken verließen jedoch den russischen Markt nach der russischen Invasion in der Ukraine.
Der C50 bietet zwei Leistungsvarianten desselben turbogeladenen Zweiliter-Vierzylinders: 150 und 200 PS. Beide Versionen nutzen ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe. Das Interieur übernimmt vom Geely Preface das digitale Kombiinstrument, das vertikal ausgerichtete Infotainment-Display sowie das Vierspeichenlenkrad. Laut www1.ru umfasst die Ausstattung LED-Scheinwerfer, schlüssellosen Zugang, eine Zweizonen-Klimaautomatik, einen adaptiven Tempomaten sowie ein 360-Grad-Kamerasystem.

Beide Modelle werden im Werk in Nischni Nowgorod produziert, wo bis vor Kurzem Fahrzeuge von Škoda und Volkswagen für den russischen Markt vom Band liefen. Nach dem Rückzug des VW-Konzerns aus Russland im Jahr 2022 stand das Werk ungenutzt. Nun dient es als Montagehalle für Geely — beziehungsweise für die Marke Volga, die formal zum russischen Hersteller GAZ gehört.
Die Ironie der Situation ist kaum zu übersehen. Die sowjetische Ikone, einst Symbol industrieller Eigenständigkeit, kehrt als umgelabeltes chinesisches Produkt mit schwedischen Motoren zurück, gefertigt in einem Werk, das von einem deutschen Konzern errichtet wurde.
Der Fall der Volga zeigt, wie weit der Einfluss des chinesischen Geely-Konzerns reicht. Es geht nicht nur um den Besitz der Premiummarke Volvo oder des Sportwagenherstellers Lotus. Dank Aurobay gelangt eine ursprünglich in Schweden entwickelte Technologie in Fahrzeuge, die außer der Konzernzugehörigkeit nichts mit Volvo gemein haben. Ein ähnliches Modell funktioniert auch anderswo: Mercedes verhandelt mit Geely über eine Plattform für Kompaktmodelle, und gemeinsam betreiben sie die Marke Smart.
| Modell | Basis | Motor | Leistung | Getriebe | Antrieb |
|---|---|---|---|---|---|
| Volga K50 | Geely Monjaro | 2.0T Aurobay | 238 PS (175 kW) | 8AT | 4×4 |
| Volga C50 | Geely Preface | 2.0T | 150 / 200 PS | 7DCT | Frontantrieb |
Die Volga kommt nicht nach Tschechien — diesmal weder als sowjetischer Import noch als chinesischer. Die Volga ist ausschließlich für den russischen Markt bestimmt, wo nach dem Rückzug westlicher Marken eine Lücke im Segment der Mittelklasse-Limousinen und -SUVs klafft.
Pikant ist, dass die Motoren für die neue Volga von derselben Firma Aurobay geliefert werden, die auch die Antriebseinheiten für den Volvo XC60, den XC90 und den S60 herstellt. Laut russischen Zulassungsdokumenten handelt es sich um einen turbogeladenen Zweiliter-Vierzylinder aus der Aurobay-Produktion — also aus demselben Motorenwerk im schwedischen Skövde, in dem auch die Aggregate für Volvo entstehen. Ein anderes Emblem auf der Motorhaube, derselbe Ursprung darunter.
Geely verkauft in Europa Fahrzeuge unter den Marken Volvo, Polestar, Zeekr und Lynk & Co. Unter dem eigenen Namen hat der Konzern keine offizielle Vertretung in Tschechien. Beide Volga-Modelle sollen im Sommer 2026 bei russischen Händlern erscheinen. Preise wurden bisher nicht bekannt gegeben.