Die polnische Armee hat in China hergestellten Fahrzeugen die Einfahrt in militärische Anlagen untersagt. Grund dafür sind Bedenken hinsichtlich einer unkontrollierten Datensammlung durch Bordsensoren und Kommunikationssysteme, die in modernen Autos zur Standardausstattung gehören. Die Entscheidung gab der polnische Generalstab am 17. Februar 2026 bekannt.
Moderne Fahrzeuge können Video, Ton und Standort aufzeichnen. Nach Angaben der polnischen Armee besteht das Risiko einer „unkontrollierten Erfassung und Nutzung von Daten“ – das heißt, dass diese Informationen bei chinesischen Herstellern oder gegebenenfalls bei chinesischen Staatsorganen landen könnten.
Das Verbot betrifft nicht nur chinesische Marken. Aus gesicherten Militärzonen sind alle Fahrzeuge, die Standort, Bild und Ton aufzeichnen können, ausgeschlossen, sofern diese Funktionen nicht deaktiviert sind. Soldaten ist es zudem untersagt, Diensttelefone mit dem Infotainmentsystem von in China hergestellten Fahrzeugen zu verbinden.
Die Maßnahmen seien laut Armeeangaben präventiv und stünden im Einklang mit dem Vorgehen anderer NATO-Mitglieder. Das Verbot ist nicht dauerhaft – die Armee arbeitet an einem Sicherheitszertifizierungssystem, das es einzelnen Herstellern ermöglichen würde, eine Ausnahme zu beantragen.
Chinesische Marken haben sich in Polen in den letzten Jahren deutlich ausgebreitet. Laut der Warschauer Marktforschungsfirma IBRM Samar machten chinesische Modelle im Jahr 2025 über 8 % der neu zugelassenen Autos im Land aus. Zu den meistverkauften gehören MG (im Besitz des chinesischen Konzerns SAIC Motor), Chery und BYD.

Eine Komplikation für die Durchsetzung des Verbots besteht auch darin, dass einige europäische Marken Modelle in China produzieren. Volvo und Polestar haben einen Teil ihrer Produktion in chinesischen Fabriken – dem Wortlaut des Verbots nach würden die Regeln auch für sie gelten.
Polen ist nicht das erste Land, das chinesische Autos als Sicherheitsrisiko wahrnimmt. Das britische Verteidigungsministerium schränkte die Einfahrt von Fahrzeugen mit chinesischen Komponenten in sensible Militärzonen bereits 2025 ein. Die Vereinigten Staaten planen, ab März 2027 die Nutzung chinesischer Software in vernetzten Fahrzeugen und ab 2029 auch chinesischer Hardware zu verbieten.
Es bietet sich eine Analogie zur Telekommunikation an: Zahlreiche westliche Länder haben in den vergangenen Jahren Geräte von Huawei und ZTE aus ihren Mobilfunknetzen entfernt, aus Sorge, dass chinesische Unternehmen gezwungen sein könnten, mit Geheimdiensten zusammenzuarbeiten.
Das chinesische Außenministerium reagierte über seinen Sprecher Guo Jiakun, der die polnischen Pläne bereits im Januar als „Missbrauch des Konzepts der nationalen Sicherheit“ bezeichnet hatte.
In Tschechien stiegen die Verkäufe chinesischer Autos im Jahr 2025 um 68 %. Zu den Marken mit offizieller Vertretung gehören BYD, MG, Polestar, Xpeng, Maxus und Ora. Eine Debatte über die Sicherheitsrisiken vernetzter chinesischer Fahrzeuge hat in Tschechien bislang noch nicht begonnen.
Das polnische Verbot betrifft dabei genau jene Datentypen, die auch von auf dem tschechischen Markt verkauften Fahrzeugen gesammelt werden – Navigationsstandort, Kameraaufnahmen und Mikrofonaufzeichnungen für die Sprachsteuerung. Ob sich ähnliche Maßnahmen auch auf andere europäische Länder ausweiten, wird vom weiteren Verlauf der Diskussion innerhalb von NATO und EU abhängen.