Renault ändert seinen Ansatz bei der Elektrifizierung seiner größeren Modelle. Statt auf klassische Plug-in-Hybride setzt der Hersteller auf einen sogenannten Range Extender — der Verbrennungsmotor dient hier nicht dem Antrieb der Räder, sondern lediglich als Stromgenerator für die Batterie. Diese Richtung beschrieb CEO François Provost in einem Interview mit Auto Express.
Plug-in-Hybride müssen regelmäßig aufgeladen werden, damit ihr elektrischer Antriebsteil überhaupt Sinn ergibt. Viele Besitzer laden die Batterie jedoch nicht auf und fahren überwiegend mit Benzin. Der Range Extender umgeht dieses Problem: Das Fahrzeug fährt stets rein elektrisch, der Verbrennungsmotor erzeugt lediglich Strom.
„Der Super-Hybrid wird den Menschen helfen, mit weniger Ängsten in die elektrische Welt einzusteigen. Auch wenn sie keine Ladestation finden, können sie weiterfahren", sagte Bruno Vanel, Produktchef von Renault, gegenüber Auto Express. Renault spricht von einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern im Autobahntempo.
Im Vergleich zu Plug-in-Hybriden ist der Range Extender günstiger in der Herstellung — die komplexe mechanische Verbindung des Motors mit den Rädern entfällt. Markenchef Fabrice Cambolive bestätigte, dass Renault den seriellen Hybrid bevorzugt: Die Räder werden vom Elektromotor angetrieben, der Verbrennungsmotor dient ausschließlich als Generator.

Eine Schlüsselrolle spielt Horse — das Gemeinschaftsunternehmen von Renault mit dem chinesischen Geely und dem saudi-arabischen Aramco. Horse hat ein kompaktes Range-Extender-Modul entwickelt: einen 1,5-Liter-Vierzylinder, Generator und Wechselrichter in den Abmessungen eines Koffers. Die Einheit leistet 70 kW, mit Turbolader wahlweise 120 kW, und erfüllt die Euro-7-Norm.
Laut Horse lässt sich das gesamte System auch in bestehende Elektroautos integrieren — es nutzt die vorhandenen Elektromotoren des Fahrzeugs. Genau diese Modularität ist eines der Argumente für den Range Extender: Der Hersteller muss keine zwei grundlegend unterschiedlichen Plattformen entwerfen.
Provost bestätigte, dass Renault eine neue Plattform für Fahrzeuge der Segmente C und D vorbereitet. „In unserem nächsten mittelfristigen Plan werden wir eine neue Plattform und Lösungen entwerfen, um unsere Position im Segment C im Herzen Europas zu stärken", sagte er gegenüber Auto Express.
Der Plan trägt den Namen „FutuREady", und Renault sollte die Details am 10. März enthüllen. Die ersten Modelle auf der neuen Plattform kommen im Jahr 2028. Dazu gehören der Nachfolger des Mégane und der neue Espace, inspiriert vom Concept Emblème.
Kleinere Fahrzeuge bleiben auf den bestehenden Plattformen. Renault 5 und Twingo werden rein elektrisch, Clio und Captur behalten den klassischen Hybridantrieb. „Meine Absicht ist es, in die Hybridplattform für Clio und Captur zu investieren", erklärte Provost.
Renault setzt sich ein ambitioniertes Ziel: in Europa die Nummer eins im Segment der kleinen und mittelgroßen Hybridfahrzeuge zu werden. Also Toyota zu überholen, das den Hybridmarkt seit der Einführung der ersten Prius-Generation dominiert.
Gleichzeitig will Renault die Entwicklung neuer Modelle verkürzen. Der Twingo entstand in 21 Monaten dank eines Ansatzes, der vom chinesischen Engineering-Zentrum übernommen wurde. „Das Problem liegt nicht darin, was wir tun müssen, sondern darin, wie wir die Denkweise der Ingenieure ändern, damit sie genauso schnell entwickeln wie die chinesische Konkurrenz", räumte Provost ein.

| Segment | Antrieb | Modelle |
|---|---|---|
| Kleine Fahrzeuge (B) | Rein elektrisch / Hybrid | Twingo, R5, Clio, Captur |
| Mittlere und große (C/D) | Range Extender / BEV | Nachfolger des Mégane, neuer Espace |
Renault hat derzeit im tschechischen Angebot noch keinen Range Extender. Sobald die neue Plattform 2028 eintrifft, wird sich das ändern. Für Kunden, die einen Umstieg auf ein Elektroauto erwägen, aber Reichweitenängste haben, könnte dies eine interessante Alternative sein — besonders wenn Renault das Versprechen einer Reichweite von rund 800 km einhält. Der kürzlich vorgestellte Renault 4 E-Tech zeigt, dass die Marke bei der Elektromobilität auch bei kleineren Fahrzeugen nicht nachlässt.