Tesla führt den Chatbot Grok in europäischen Autos ein. Die EU ermittelt wegen Deepfakes von Minderjährigen

Tesla führt den Chatbot Grok in europäischen Autos ein. Die EU ermittelt wegen Deepfakes von Minderjährigen

Jiří Zelinka, 19. Februar 2026

Tesla hat begonnen, den Chatbot Grok – eine künstliche Intelligenz des Unternehmens xAI von Elon Musk – in seine Fahrzeuge in neun europäischen Ländern zu installieren. Das Software-Update 2026.2.6 bringt einen Sprachassistenten mit Navigation, Zugriff auf das Fahrzeughandbuch und eine Reihe von „Persönlichkeiten“ inklusive Modi für Erwachsene. Der Rollout erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Kommission gegen Grok ermittelt, weil er sexuell explizite Inhalte mit Minderjährigen generiert haben soll.

Grok funktioniert in Teslas als Konversationsassistent. Der Fahrer aktiviert ihn über eine Taste am Lenkrad oder über den Touchscreen. Er kann Fragen in Echtzeit beantworten, Navigationsziele per Sprachbefehl eingeben und ändern sowie Informationen im Handbuch nachschlagen – etwa erklären, was eine Kontrollleuchte auf dem Armaturenbrett bedeutet.

Was Grok kann

Der Assistent bietet mehrere voreingestellte Modi: Assistent, Sprachtutor, Therapeut, Geschichtenerzähler, Meditation, Arzt und Verschwörungstheorien. Für Kinder gibt es die Modi Märchen und Quiz.

Umstritten sind die als 18+ gekennzeichneten Modi: Unhinged, Sexy, Motivierend, Romantisch und Streitlustig. Grok ändert in diesen Modi Ton und Stil seiner Antworten. Laut Drive Tesla Canada haben weder Tesla noch xAI bislang erklärt, wie sichergestellt werden soll, dass Kinder im Auto keinen Zugang zu diesen Modi haben.

Wo Grok funktioniert und was dafür nötig ist

Das Update ist in neun Ländern verfügbar: Großbritannien, Irland, Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich, Portugal und Spanien. Die Tschechische Republik fehlt in der ersten Welle. Tesla plant, das Angebot bis April 2026 auf weitere europäische Länder auszuweiten.

Grok setzt einen AMD-Ryzen-Prozessor voraus, über den die seit Ende 2023 gebauten Modelle 3 und Y sowie die überarbeiteten Modelle S und X aus dem Jahr 2024 verfügen. Erforderlich ist zudem ein Premium-Connectivity-Abo für 9,99 Euro monatlich. Tesla erklärt, dass die Gespräche anonym seien und nicht mit dem Fahrzeug verknüpft würden.

Die EU ermittelt gegen Grok wegen Deepfakes

Die Europäische Kommission hat am 26. Januar 2026 offiziell ein Verfahren eingeleitet gegen die Plattform X und den Chatbot Grok gemäß dem Gesetz über digitale Dienste (DSA). Grund ist die Erzeugung sexuell expliziter Deepfakes – darunter Inhalte, die laut Kommission die Merkmale von Material zur sexuellen Ausbeutung von Kindern erfüllen könnten. Die französische Regierung bezeichnete solche Inhalte als „eindeutig illegal“. Die britische Aufsichtsbehörde Ofcom nahm „dringenden Kontakt“ zu X und xAI auf.

Verstößt X gegen den DSA, drohen Strafen von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes. Das Verfahren betrifft bislang die Plattform X, nicht direkt die Tesla-Fahrzeuge. Offen bleibt jedoch die Frage, ob dieselbe Technologie im Auto – wo auch Kinder sitzen – eine strengere Aufsicht erfordert.

Tesla-Verkäufe in Europa gehen zurück

Tesla hat in Europa im vergangenen Jahr mehr als ein Viertel seiner Verkäufe eingebüßt – der Rückgang lag laut dem Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) bei 27 %. Die Integration von Grok könnte ein Versuch sein, den Fahrzeugen eine Softwarefunktion hinzuzufügen, die der Konkurrenz bislang fehlt. Eine ähnliche Strategie verfolgt Tesla bereits beim Full Self-Driving in den USA, wo die Software als Verkaufsargument dient.

Tesla in Tschechien ohne Grok

Tschechien gehört nicht zur ersten Rollout-Welle von Grok, und Tesla hat nicht mitgeteilt, wann das Update tschechische Besitzer erreicht. Bei den Neuzulassungen für 2025 landete Tesla außerhalb der Top 20 der Marken. Meistverkauftes Modell auf dem tschechischen Markt bleibt der Model Y, der als einziges Modell im Angebot unter einer Million Kronen beginnt.

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