Über den neuen Golf haben wir bereits zweimal geschrieben. Einmal hatten wir die Version mit manuellem Getriebe und einmal den neuen Mild-Hybrid eTSI mit Automatik. Und dann gibt es noch eine wichtige Motorisierung, nämlich den Dieselmotor. „Der Golf mit Diesel” ist gleich nach „Octavia mit Diesel” und „Passat mit Diesel” schon seit vielen Jahren ein Begriff, und auch wenn das manchmal etwas unglücklich klingen mag, ist er ein gewisses Statussymbol - nicht zuletzt wegen seines „Durchzugs von unten heraus". Der Aufpreis für den Dieselmotor ist zwar nicht mehr so happig wie früher, heute macht er nur noch etwa 5 % des Fahrzeugpreises aus. In Kronen ausgedrückt sind das relativ vernünftige 37 Tausend. Der Verbrauchsunterschied liegt laut Herstellerangabe bei 0,7 Litern auf hundert Kilometer. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass das kein rein theoretischer Wert ist.

Ich persönlich stehe Dieselmotoren in Pkw etwas reserviert gegenüber, weil die heutigen modernen Benzin-Turbomotoren eine ähnliche Dynamik und einen ähnlichen Verbrauch erreichen können, sodass sich der Dieselaufpreis nur schwer rechtfertigen lässt, wenn das Auto nicht viele Zehntausend Kilometer im Jahr zurücklegt. Der bereits erwähnte eTSI etwa fuhr unter 5 Litern und bot die gleiche Dynamik. Und diese Ruhe an Bord! Und die Mild-Hybrid-Einheit funktionierte hervorragend, weil sie während der Fahrt so oft den Motor abschaltete. Ergibt der Diesel also überhaupt noch Sinn? Beginnen wir mit einem kleinen Vergleich. Von der Leistung her sind die Autos identisch, beide haben 110 kW, beide haben ein Siebengang-DSG, beide haben nahezu die gleichen Beschleunigungswerte (0,3 Sekunden zugunsten des eTSI). Der Diesel-Golf ist etwa 100 kg schwerer, was Einfluss auf sein leichtfüßiges Fahrverhalten haben kann, muss aber nicht. Größeren Einfluss hat nämlich die Wahl der Felgengröße bzw. der Aufpreis für die DCC-Dämpfer (beim Dieselmodell nicht vorhanden, beim eTSI schon). Auf unserem Diesel-Testwagen waren zudem Winterreifen montiert, die das Verhalten des Autos ebenfalls verändern. Diese drei Variablen sorgen dafür, dass man nicht sagen kann, das Fahrverhalten habe sich irgendwie verändert. Beide Fahrzeuge haben dank ihrer 110 kW eine Mehrlenker-Hinterachse. Beide Fahrzeuge haben ein hervorragend abgestimmtes Fahrwerk und sind in puncto Akustik, Fähigkeit zum Absorbieren von Unebenheiten sowie Komfort spitzenmäßig. Dort, wo andere Autos bei einer Serie von Unebenheiten hüpfen, bewahrt der Golf auf 17-Zoll-Felgen seine Contenance und die Ruhe im Innenraum. Eigentlich könnte ich sogar auf die adaptiven Dämpfer verzichten, denn die klassischen sind genau richtig abgestimmt und man kann ihnen selbst auf den 17-Zoll-Rädern nichts vorwerfen. Im Vergleich zur vorherigen Generation ist eine spürbare Verschiebung in Richtung Komfort zu erkennen.

Wo der Unterschied zwischen den Motorisierungen normalerweise am deutlichsten hervortritt, ist beim subjektiven Gefühl für den Leistungsunterschied der beiden Aggregate. Der Benzinmotor reagiert sofort auf das Gaspedal, seine Leistung steigt allmählich an, und dem Motor liegt ein deutlich breiteres Drehzahlspektrum, sodass es kein Problem ist, ihn über 6.000 Umdrehungen zu drehen. Der Diesel wirkt dagegen (subjektiv) etwas behäbiger. Das Auto beginnt plötzlich bei rund 1.700 Umdrehungen zu ziehen, und nach zweitausend Umdrehungen lässt die Leistung schon wieder nach, und obwohl objektiv die Leistungswerte also ähnlich sind (oder bei höheren Geschwindigkeiten beim Diesel sogar besser), ist das Gefühl umgekehrt. Man muss sagen, dass das hervorragende DSG-Getriebe diese Charakteristik durch seine großartige Arbeit herausfiltert.
Der Diesel-Golf hat definitiv die Nase vorn, wenn es ums Beschleunigen über die erlaubten Autobahn-Tempolimits hinaus geht. Bei 130 km/h drücke ich das Pedal durch, und im Handumdrehen stehen 160 km/h auf dem Tacho. Das ist wohl der größte Vorteil - wenn das Auto die meiste Zeit auf der linken Autobahnspur verbringt, hört der Benziner auf, so sparsam zu sein, und in diesen Bereichen zeigt sich der Vorteil der 360 Nm bei 1600 Umdrehungen. Der Diesel ist auch für diejenigen von Vorteil, die etwas weniger geschmeidig fahren (sprich etwas aggressiver). Oberhalb von Stadttempo ist auch der neue TDI-Evo-Motor völlig unhörbar, sodass er die Fahrt nicht durch irgendein Dröhnen stört. Das gehört heute schon der Vergangenheit an. In der Stadt hingegen kann er auf kurzen Strecken durstiger sein als der eTSI. Was konkrete Zahlen betrifft - den Papier-Kombiverbrauch von 3.9 Litern können wir vergessen. Bei großem Bemühen um sparsames Fahren außerorts mit ECO-Modus und Segeln landete ich bei 3.8 Litern. Das ist zwar ein außergewöhnlicher Wert, erfordert aber schon fast übertriebene Selbstdisziplin. Die Realität wird eher bei 4,5 Litern liegen. Immer noch ein sehr guter Wert! Auf der Autobahn wird der Golf rund 5 Liter wollen, in der Stadt 5 bis 7 Liter. Bei unserem Testwagen lag der Langzeitverbrauch bei genau 5 Litern. Das sind genau die 0,7 Liter mehr, die wir beim eTSI erreicht haben, so wie es der Hersteller angibt. Vom eTSI-Golf, seinem Fahrverhalten, seiner Leistung und dem Verhalten der Antriebseinheit war ich regelrecht begeistert, beim getesteten Diesel-Golf kann man dem komfortablen und leisen Fahrwerk, der Materialqualität sowie dem Auftreten des Dieselmotors nur den Hut ziehen, aber ... es fehlt dieses Hochdrehen des Benzinmotors, diese Stille beim langsamen Fahren durch die Stadt.

Wenn wir uns nach innen begeben - die neue Architektur sieht optisch großartig aus, hervorragend sind auch die Sitze und der Verstellbereich. Der gesamte Innenraum hat ein großes Redesign durchlaufen, über das wir im vorherigen Test bereits geschrieben haben. Verändert hat sich vor allem die Bedienung der Beleuchtung und der Klimaanlage. Wobei man an den Lichtschalter ohnehin nicht oft heranmuss. Der Golf war mit den göttlichen IQ.LED-Matrix-Scheinwerfern mit Objektausblendung ausgestattet, die absolut hervorragend funktionieren.

Was einfachere Wege zur Erledigung von Aufgaben betrifft, so hat sich Volkswagen hier etwas hinreißen lassen, und einige grundlegende Bedienschritte sind nicht mehr ganz so einfach wie früher. Die Bedienung des digitalen Kombiinstruments ist zwar übersichtlich, die Touch-Flächen für Lautstärke und Klimaanlagen-Temperatur sind zweckmäßig, die Smart Climate Control wirkt wie eine gute Idee, aber ansonsten ist die Logik der Anordnung der neuen Infotainment-Umgebung ziemlich kompliziert. Zum Glück löst die drahtlose Konnektivität mit Mobiltelefonen (wie so oft) eine ganze Reihe von Problemen. Und der Golf funktioniert eigentlich schon ab Werk hervorragend, wenn man ihn quasi aus der Schachtel auspackt, macht er bereits alles so, wie er soll.
Die Bewertung des Golf-Exterieurs ist sehr subjektiv. In Schwarz gefiel mir das Auto nicht, in Weiß dagegen sehr, und in diesem Grauton Moonstone auch ziemlich gut. Auch wenn es sich um eine Evolution des aktuellen Designs handelt, wird der Großteil der Leute die Veränderungen bemerken. Diese schönen Felgen gehören in der Ausstattung Style zur Serienausstattung.

Was bleibt zum Schluss zu sagen? Volkswagen hat auch in dieser Generation ein großartiges Auto gebaut. Der Innenraum vermittelt durch seine Klarheit und die Materialien ein hervorragendes Qualitätsgefühl, der komplett neue Dieselmotor ist elastisch, leise und sparsam. Das Fahrwerk ist in Sachen Komfort spitze und hebt Sie mit seiner Leistung um eine Klasse nach oben. Der Golf gibt sich preislich nicht besonders zurückhaltend, das muss er mit seiner Geschichte auch nicht groß. Sein Feind wird die konzerneigene Technik sein, denn praktisch dieselbe Technik findet man auch im Octavia, der bei uns nach wie vor als Auto mit dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis gilt. Der Golf ist jedoch nur einer von vielen ...