Test: Ford Focus – der Kompaktwagen-Hammer

Jiří Zelinka, 17. Juni 2019

Der Ford Focus der ersten Generation, der bereits 1998 vorgestellt wurde, bedeutete die Ankunft eines fahrwerksseitig interessanten Modells in der Klasse kompakter Familien-Hatchbacks. Die zweite Generation ersetzte dann die wilde Ära des New Edge-Designs durch konservative Formen, woraufhin sich die deutlich wildere dritte Generation präsentierte, vor allem was den Innenraum betrifft. Dieser zog einige Kritik auf sich, doch das änderte nichts daran, dass der Focus weiterhin zu den überdurchschnittlichen Fahrerautos zählte. Und jetzt haben wir die vierte Generation. In 20 Jahren hat Ford sein globales Modell sehr stark verfeinert, und ich verrate gleich: Der von uns getestete Focus ST line war großartig und verdient den Titel des tschechischen Autos des Jahres völlig zu Recht.

Gefällt, gefällt …

Für den Test hatten wir das Modell in der mittleren Ausstattung ST line, die auf eine sportlichere Note setzt – im Gegensatz zu Vignale, die luxuriöser ist, oder Active, die auf aktive Autofahrer/Sportler abzielt. Mit dem Modell ST line ist der Dreizylinder-1.5litrový Turbomotor EcoBoost verbunden, der in zwei Leistungsvarianten erhältlich ist – 150 und 180 koní. Und überraschenderweise stört es überhaupt nicht, dass es ein Dreizylinder ist. Er hat einen schönen, gleichmäßigen Durchzug, es fehlt ihm die Gummigkeit mancher Turbomotoren (oder der Turboloch-Effekt), und stattdessen verfügt er über einen unaufdringlichen, sehr leisen, brummenden Klang, der hervorragend zu seinem Charakter als Baby-Hot-Hatch mit 150 koňmi passt. Ich wette, Sie würden das Fehlen eines Zylinders nicht bemerken – und das nicht nur dank der Dämmung im Innenraum. Der einzige Moment, in dem eine sehr aufmerksame Person die ungerade Zylinderzahl erkennt, kommt beim Abstellen des Motors.  

Außen gibt es an der ST line kein bisschen Chrom, und so wirkt das Auto insbesondere in schwarzer Lackierung sehr elegant, (un)auffällig, während die Karosserieformen stärker betont werden – vor allem im Heckbereich, der formlich besonders gelungen ist (einschließlich des recht massiven Heckspoilers). Gleichzeitig wirkt es aber nicht so wild wie etwa der Honda Civic. Auf meiner Skala von der konservativen VW group bis zur extravaganten Honda ist das genau die richtige Balance.

Im Innenraum: intelligent, ergonomisch und überraschend hochwertig   

Mit einem sehr leichten Zug im Stand öffnen sich die Türen, die sich ebenso leicht schließen lassen. Sie hinterlassen einen sehr schönen Klang und sind zudem durch einen Kunststoff-„Stoßfänger“ geschützt, der jedes Mal ausfährt, um den Türlack und das daneben stehende Auto zu schützen. Dass Ford aus diesem Modell einen Verkaufsschlager machen wollte, ist deutlich spürbar. Und dabei fangen wir erst an. Im Innenraum finden wir ein Armaturenbrett, das von dem der vorherigen Generation Lichtjahre entfernt ist. Die Ergonomie ist absolut hervorragend, die Zahl der mechanischen Tasten wurde reduziert und liegt nun bei einer idealen Kombination aus mechanischen Bedienelementen für die Belüftung und virtuellen für das Infotainment. Weicher Kunststoff auf dem Armaturenbrett und an den Türen überrascht in dieser Klasse nicht sonderlich, die weiche Unterseite des Mitteltunnels aber schon ein wenig – sie befindet sich genau dort, wo die Knie großer Menschen anliegen. Die rote Naht am sehr angenehm bezogenen Lenkrad mit idealem Durchmesser und die angenehme Mittelarmlehne runden den idealen Platz ab, an dem man sitzen möchte, denn für den Fahrer ist der Focus eine Freude, wie wir weiter erfahren werden.

Technik der Freude oder Fahreigenschaften

Ein Druck auf die Starttaste lässt den Anlasser sofort drehen und der Motor läuft innerhalb einer Sekunde – bei manchen Autos ist diese Verzögerung erheblich, hier nicht. Oder dass das Radio nach dem Abstellen des Motors nicht aufhört zu spielen, sondern erst beim Öffnen der Tür, oder dass das Infotainment nach dem Starten sehr schnell beispielsweise auch für die Navigation bereit ist – das mögen selbstverständliche und gewöhnliche Dinge zu sein scheinen, sind es aber nicht, und schon gar nicht selbstverständlich – manchmal bootet das gesamte System der „Bordunterhaltung“ nach dem Starten erneut und man muss lange Sekunden warten, bis es zum Leben erwacht, um eine Route ins Navigationssystem einzugeben. Das kann nervig sein – und unter diesen Problemen können auch Autos leiden, die mehrere Klassen höher angesiedelt sind.

Aber so fahren wir nun mal – ein paar Gasstöße und ein paar durchfahrene Kurven bedeuten, dass ich dem Focus langsam auf den Geschmack komme. Über die Bremsschwellen im Ort kommen die großen 18-Zoll-Räder und das tiefergelegte Sportfahrwerk zwar nicht ganz sanft hinweg, aber schon auf den ersten Blick kann man irgendwie erwarten, dass es kein „Schlammwühler“ sein wird. Und das Eigentliche beginnt gleich hinter dem Ortsendeschild. Der zweite und dritte Gang sind recht lang, sodass der Focus auch in diesen beiden Gängen auf Geschwindigkeiten weit jenseits der Tempolimits beschleunigt. Für sportliches Fahren könnten diese Gänge vielleicht etwas kürzer sein. Schließlich muss kaum jemand schon im dritten Gang das Autobahnlimit überschreiten. Kurz sind hingegen definitiv die Schaltwege des Sechsganggetriebes, das genau so präzise schaltet, wie ich es mir vorstellen würde. Das straffere Fahrwerk lässt das Auto leicht wippen, und einige größere Schlaglöcher sind durch ein gedämpftes, aber keineswegs unangenehmes Poltern hörbar, das nur bestätigt, wie steif das Chassis ist und wie gut der Innenraum gedämmt und verarbeitet wurde. In Kurven hält der Focus hervorragend die Spur und springt nicht weg (dank der hinteren Mehrlenkerachse). Gut dosierbare Bremsen und schnelle Gasannahme ermöglichen es, in der Kurvenmitte wunderbar aufs Gas zu treten und mit sich gerade richtenden Rädern nach vorn zu schießen, auch wenn die 150 kein Asphaltzerreißer ist. Das maximale Drehmoment (240 Nm) steht jedoch bereits ab 1600 ot./min. zur Verfügung, und das reicht für eine schnelle Fahrt vollkommen aus. Obwohl die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h vor allem dank der längeren Übersetzungen knapp unter 9 Sekunden liegt, ist das Auto insgesamt agil, elastisch und präzise. Die adaptiven Dämpfer im Sport-Modus sind für gewöhnliche schlechte Landstraßen vielleicht sogar zu hart, sodass ich problemlos mit dem Normal-Modus auskomme. Dieser bietet zwar keine so scharfe Gasannahme, rüttelt die Beifahrerin dafür aber nicht so durch, dass sie protestiert. Auch auf der Autobahn liegt der Focus sehr ruhig, in keinem üblichen Geschwindigkeitsbereich ist der Motor zu hören, und bei Geschwindigkeiten über 130 km/h ist er sogar ungewöhnlich leise. Hätte ich nichts über die Abschaltung eines Zylinders gelesen, hätte ich es nie bemerkt. So gut und ruhig ist dieser Motor. Und was verlangt er für die ganze Arbeit, die er unter der Haube leistet? Der Langzeitverbrauch lag beim Auto bei 8 l/100 km, was für 6 tisíc km journalistischen Einsatzes kein schlechter Wert ist. Ich kam während einiger hundert Kilometer auf 7,5 Liter, aber ganz sicher gibt es noch mindestens eine halbe Liter Reserve, denn ich habe das Auto ziemlich „genossen“ :-). Der Hersteller gibt einen kombinierten Verbrauch von 5,5 Liter an, den Sie zwar ehrlich gesagt nicht erreichen werden, von dem Sie aber auch nicht allzu weit entfernt sein werden.

Und was noch?

 

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