Suzuki Swift Sport – Samstagmorgen mit Spaßfaktor

Jan Nemrava, 28. August 2019

Was das Design betrifft, wird das Auto nur wenigen Menschen nicht gefallen (es gibt sie zwar), und es werden auch nicht viele sein, die gerade in dieser gelben Farbe nicht sagen würden, dass der Wagen extravagant wirkt. Seine breitbeinige Haltung ist eine Kombination aus breiter Spur und schmaler Kabine mit kleineren Fensterflächen und integrierten hinteren Türgriffen, die die Illusion eines Sportcoupés erzeugen. Das Doppelendrohr, die „Carbon“-Applikationen, die 17-Zoll-Sporträder verraten selbst dem ungeübten Auge, dass dies kein gewöhnlicher Swift ist. Von vorne wiederum sorgt der schelmisch aufgerissene Blick der Scheinwerfer dafür, dass er keine Angst einflößt. Das ist ein Rezept, das nicht nur die Blicke der Passanten anzieht, sondern bei manch einem Fahrer (leider) auch den Impuls weckt, es Ihnen „zu zeigen“ und mit Ihnen zu konkurrieren. Und einigen gelingt das auch beim Start an der Ampel, denn eine Beschleunigung von null auf hundert in 8,1 Sekunden schaffen heute schon so manche „sportliche“ SUVs. Doch beim Swift Sport geht es nicht um Leistung auf der Geraden, sondern um Fahrspaß in Kurven und den Kontakt zum Auto.

Komfortabel

Beim Einsteigen stellt sich gleich zu Beginn ein gemischtes Gefühl ein. Auf der einen Seite stehen bequeme Sitze mit perfektem Seitenhalt, ein schönes Lenkrad mit vielen Tasten und ein hervorragend gestaltetes Bedienfeld der Klimaanlage in leichtem Kontrast zur Qualität der Kunststoffe, vor allem an den Türen und auf der Oberseite des Armaturenbretts, die selbst ein durchschnittlicher Autofahrer nicht als besonders hochwertig bezeichnen würde. Neben den extrem angenehmen Sitzen (die vielleicht noch ein paar Zentimeter niedriger sein könnten) fällt die relativ steile Frontscheibe auf, es gibt reichlich Kopffreiheit, und hinter dem Lenkrad sitzen rote Rundinstrumente. Hervorragend gelöst ist das Ablagefach, tiefe Getränkehalter vor dem Schalthebel, sodass sie weder das Schalten noch die schnelle Fahrt einschränken – ebenso wenig wie das, was man gerade mitnehmen möchte.

Die auf den ersten Blick extrem dünnen Türen mit einer nur wenige Zentimeter breiten oberen Kunststoffkante mindern das gefühlte Sicherheitsgefühl etwas, bringen den Fahrer aber gleichzeitig näher an das Erlebnis heran, das ihn am Lenkrad dieses Wagens erwartet. Ohne diese Tasten, die aussehen, als kämen sie aus den Neunzigerjahren, wäre es wohl kaum ein echtes Suzuki – andererseits garantieren ihre klassische Form und der klar definierte Schaltweg eine lange Haltbarkeit und eine hervorragende Ergonomie, denn die Taste kann man einfach nicht verfehlen. In der Mitte des Armaturenbretts sitzt der Bildschirm des Infotainmentsystems, der zwar eigenwillig ist, aber keineswegs schlecht. Die Funktionen sind logisch angeordnet, ohne unnötige grafische Schnörkel. Alles streng funktional, aber sehr praktisch. Eine Anleitung braucht man dafür wirklich nicht zu studieren. Und mit CarPlay- und Android-Auto-Unterstützung ist das Ganze richtig gelungen.

Praktisch

Mit dem schlüssellosen System werden die Türen entriegelt, und nachdem ich es mir in den Sitzen bequem gemacht habe, starte ich per Knopfdruck den 1,4-Liter-BoosterJet mit 104 kW und 250 Nm. Beim Betätigen der recht straffen Kupplung des sehr präzisen Getriebes und dem angenehmen Einrasten des ersten Gangs spürt man schon nach den ersten Metern, dass dieses Auto jede Menge mechanische Rückmeldung bietet und das Fahrerlebnis vor allem in der Verbindung des Autos mit der Straße liegt. Von den ersten Metern an spürt man die Leichtigkeit des Autos, die sein größtes Plus ist und der Ausweis für eine spaßige und gutmütige Fahrt. Die erste ausgedrehte Runde offenbart, wie sehr diese fehlenden Kilogramm dem Motor helfen, der mit seinen 104 kW nicht gerade zu den stärksten zählt. Doch Suzuki bringt nur 1050 kg auf die Waage, und das ist sehr wenig. Ein ähnliches Gewicht hatte mein erstes Auto, ein Honda Civic aus dem Jahr 1991. Jetzt, nach drei Jahrzehnten, in denen die Autos eher zugelegt haben, kehren sie mit Gewichten in diese – heute schon fast unvorstellbare – Region um die eine Tonne zurück. Und gleichzeitig behalten sie dank moderner Technik natürlich alle Vorteile bei – eine steife Karosserie trägt zu besseren Fahreigenschaften, zu Komfort an Bord, vor allem aber zur Sicherheit bei. Zudem punktet der Swift Sport mit einer um 120 mm niedrigeren Bodenfreiheit und einem angepassten Fahrwerk, das ein deutlich souveräneres Verhalten bietet als der gewöhnliche Swift.

Wild

Die Grundlage bildet natürlich der Motor. Er hat schon bei niedrigen Drehzahlen einen hervorragenden Durchzug, es ist kein Problem, ihm schon ab 2.500 Touren Leistung abzuverlangen. Der Turbo setzt angenehm und schnell ein, schießt nicht mit einer plötzlichen Leistungswelle an, sondern steigert sich allmählich bis zum Begrenzer. Der Ladedruck des Turboladers wird vom Steuergerät über das Öffnen und Schließen eines Bypassventils geregelt, was die Motorreaktionen beschleunigt. Ab 2.500 Touren beschleunigt der Motor bereitwillig, ab 3.000 ahnt man schon, was kommt, und ab 4.000 beginnt jenes Erlebnis, für das man sich dieses Auto überhaupt kauft. Bei 5.500 Touren liegt die maximale Leistung an, kurz darauf greift der Begrenzer ein – doch da hat das präzise Getriebe längst in den nächsten Gang geschaltet. Kurve reiht sich an Kurve, der Körper wird hervorragend in den Sitzen gehalten, das Auto neigt sich gerade so viel, dass es noch mit dem holprigen Asphalt fertig wird. Die Drehzahl fliegt rauf und runter. Im Auto dröhnt es, und aus den Radläufen ist das Trommeln des Splitts zu hören. Ein zu schnelles Einlenken bedeutet einen Kampf mit dem Lenkrad im ersten Teil der Kurve und unnötiges Abbremsen – viel besser ist es, früher zu verzögern, später einzulenken und mit sich geradestellenden Rädern gleichmäßig zu beschleunigen. Und das alles bei einigermaßen vernünftigen Geschwindigkeiten, hart an der Grenze unserer gesetzlichen Limits. 

Wenn ich nach kleinen Schwächen suchen müsste, dann hätten mir die ersten drei Gänge vielleicht etwas kürzer übersetzt besser gefallen. Zwischen dem zweiten und dritten Gang liegt ein großer Sprung, und im klassischen Landstraßenbetrieb ist es manchmal schwierig, den idealen Gang zu wählen, auch wenn man den Motor dank der Kraft des Turboladers nicht ständig „bei der Kehle“ halten muss. Für einen samstäglichen Morgenausflug über Bergstraßen ist dieses Auto absolut großartig. Man braucht keinen vollblütigen Hot Hatch mit 300 PS, der auf einer schmalen Straße ohnehin nur schwer auf die Vorderachse zu bringen ist – viel mehr Spaß macht es mit diesem leichten, härteren, ideal „passend motorisierten“ Flitzer. Dank des geringen Gewichts drückt er nicht aufs Vorderrad und erlaubt in Kurven mehr, als man von den 195er-Reifen erwarten würde. Und fehlt ein Sperrdifferenzial, das die Kurvenausfahrt durch Einbinden des äußeren Rades so gut löst? Kaum. Das Innenrad dreht gelegentlich kurz durch, aber das passt irgendwie gut zum unverfälschten Charakter des Swift. Das Auto ist sehr gut lesbar, es gibt sehr klar zu verstehen, wann die Vorderräder genug haben und wann die Traktions- oder Stabilitätskontrolle sanft eingreift.

Retro

Der Swift ist in der heutigen übertechnisierten Zeit unter anderem dadurch etwas Besonderes, dass er völlig frei ist von jeglichen modischen, vermeintlich sportlichen „Spielereien“ wie künstlichem Motorsound, Sportmodi, die die Gaspedalkennlinie verändern – er hat weder Fahrmodi noch Dämpfer für die Innenbeleuchtung oder farbig hinterleuchtete Zeiger. Und so steht dem Fahrer eine Tonne an Emotionen eines gut funktionierenden Autos zur Verfügung, das zwar sein Gesicht nicht von Reise- zu Sportwagen wechseln kann, sich dessen aber nicht schämt. Für 480.000 Kronen muss es das auch nicht. Mit seinem Ruf, seiner Länge und seiner Leichtigkeit erst recht nicht. Übrigens beträgt die Länge 3890 mm, sodass der Swift zu den kleinen Autos zählt – aber keine Sorge, der Kofferraum fasst 265 Liter, das reicht für ein Wochenende zu zweit oder zu dritt völlig aus.

Gelassen

Und wenn man gerade nicht flott über Bergserpentinen fährt? Was, wenn man in der Stadt wohnt und irgendwie in die ersehnten Berge gelangen muss und sich freitags eine Stunde lang durch den Stadtstau quälen muss? Nun, hier zeigt das unveränderliche Gesicht des Swift natürlich seine Früchte. Das Auto ist hart, die Siebzehn-Zoll-Räder helfen den kurzen Federwegen auch nicht gerade, und die mechanische Rückmeldung ist in dieser Kolonne auch nicht mehr ganz so großartig, und Kopfsteinpflaster sowie Schienen lassen die Besatzung das wirklich spüren. Getröstet wird man nur durch die gut funktionierende Elektronik, die einem das Leid (streckenweise) deutlich erleichtert. Etwa die Totwinkelüberwachung, der adaptive Tempomat oder das ordentliche Audiosystem. Und dazu jede Menge Aufmerksamkeit, die diese gelbe Wespe auch im Stadtverkehr auf sich zieht.

Rational

Bei sehr ruhiger Fahrt im Sightseeing-Tempo lässt sich das Auto mit rund 6,5 Litern bewegen, was ich vielleicht sogar für einen niedrigeren Wert gehalten hätte (auch wenn der Verbrauch sicherlich kein Verkaufsargument ist, aber man fährt eben nicht immer wie die Feuerwehr). Damit lassen sich mit dem sehr kleinen Tank (37 Liter) rund 500 km zurücklegen. Die schönere Überraschung ist, dass der Verbrauch trotz zwei erlebnisreicher Morgen im Erzgebirge nicht in unsinnige Höhen gestiegen ist. Die Abschlussrechnung für den Verbrauch lag bei 6,8 Litern, davon rund 150 km zum Vergnügen und 450 km zum reinen Fortbewegen. Deutlich nervenaufreibender als der Reifenverschleiß an der Vorderachse war die Reichweitenanzeige, die den Wert offenbar aus den letzten paar Minuten berechnet, denn sie schwankt extrem. Zum Beispiel zeigte sie kurz bevor der Reichweitenwert ganz verschwand noch 20 km an, dabei leuchtete nicht einmal die Reserve. Die Reichweite basiert also nicht auf dem Durchschnittsverbrauch über den ganzen Tank, sondern auf einem Durchschnitt über eine sehr kurze zurückliegende Zeitspanne. Und es ist auch kein Problem, gleichzeitig 80 km Reichweite und einen halbvollen Tank zu haben. Und das hat mich während der Fahrt in den Bergen schon etwas nervös gemacht. Aber am Ende ist alles gut gegangen – man sollte eher auf die Tankanzeige schauen und auf dem zentralen Display zwischen den Rundinstrumenten lieber eine der vielen Sportgrafiken (Ladedruck, Leistung, Turbo, Querbeschleunigung) anzeigen lassen, für die man während der Fahrt ohnehin keine Zeit hat.

Zum Schluss, das Ende

Es waren zwei wunderschöne Morgen, die wir mit dem Suzuki genossen haben. Es ist ein großartiges, nicht übertechnisiertes Auto, das seinem Fahrer ein echtes Fahrerlebnis bietet. Mit etwas Selbstverzicht könnte es das einzige Auto in einer jungen zweiköpfigen Familie sein, doch ob es sich für den ganz alltäglichen Stadtverkehr eignet, weiß ich nicht so recht. Wenn Sie ein ähnliches Budget zur Verfügung haben und Fahren für Sie ein Vergnügen ist, sollten Sie sich das Auto unbedingt einmal ansehen. Und das nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Stadt.

100%
BEWERTUNG

Stärken

  • hervorragendes Fahrerauto
  • sympathisches Design
  • für seine Klasse recht praktisch

Schwächen

  • zu lang übersetzte Gänge
  • für den täglichen Gebrauch nicht ideal

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