Der Peugeot 208 wurde im März zum Europäischen Auto des Jahres 2020 gekürt. Noch davor hatten wir ihn in der höchsten Ausstattung mit Automatik und 130-PS-Motor im Test. Nun haben wir die 100-PS-Version desselben Motors, der diesmal mit einem manuellen Sechsganggetriebe zusammenarbeitet. Somit gilt eigentlich das meiste von dem, was im März geschrieben wurde, weiterhin, und ich werde mich vor allem auf den Motor mit diesem Sechsganggetriebe konzentrieren. Gelegentlich werde ich auch einen Vergleich anstellen, etwa mit dem kürzlich getesteten Peugeot 2008 oder dem Renault Captur.

Auch nachdem wir auf den stärkeren Motor und die Automatik verzichtet haben, steht vor uns immer noch ein Auto, das mit nahezu allen Extras 585 Tausend kostet (bzw. 535 Tausend im Rahmen des aktuellen Angebots). Allein die Ausstattung GT line kostet 505 Tausend (bzw. 450 Tausend im aktuellen Angebot). Für dieses Geld darf man an ein Fahrzeug dieses Segments bereits recht hohe Ansprüche stellen.
Das Design ist eindeutig gelungen und hat zweifellos zum Gewinn des Titels Auto des Jahres beigetragen. Der Innenraum löst dagegen nicht ganz so eindeutige Lobeshymnen aus. Zwar handelt es sich in dieser Klasse um ein einzigartiges Konzept, sowohl hinsichtlich der Innenraumgestaltung mit 3D i-Cockpit und der Formgebung des Armaturenbretts als auch bei der Verwendung angenehmer Materialien. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es für manche „zu viel“ ist. Das 3D-Display sieht zwar sehr gut und funktional aus, hat aber seine Macken. Die Kombination aus futuristischen Formen und Displays passt nicht recht zu der nicht gerade schnellen und übersichtlichen Bedienung, die einen aus diesem kosmischen Raum wieder mit beiden Beinen auf den Boden des frühen 21. Jahrhunderts zurückholt. Besonders die beiden Reihen von Bedienelementen mit berührungsempfindlichen Flächen zum Umschalten der Modi, die hinter physischen Tasten verborgen sind, sind schlicht ungeschickt. Aber mehr dazu gegebenenfalls im Test vom März.

Im Gegensatz zur Automatik haben wir hier einen hoch positionierten Schalthebel des manuellen Getriebes, dessen Schaltwege zwar relativ lang sind, der aber mit seiner Leichtgängigkeit und Präzision überrascht. Selbst der erste Gang lässt sich bei niedriger Geschwindigkeit völlig widerstandslos einlegen, etwa beim Einfahren in einen Kreisverkehr. Zudem bietet die Armlehne dem den Schalthebel bedienenden Arm eine sehr angenehme Stütze. In Kombination mit der leichtgängigen Kupplung und der relativ starken Servolenkung ist der 208 vor allem für Frauen ideal. Dazu passt auch eine der weichsten Fahrwerksabstimmungen in dieser Klasse. Das mag zwar diejenigen enttäuschen, die sportlichen Geist erwartet haben, doch in der Stadt weiß man diese Abstimmung selbst auf den großen 17-Zöllern zu schätzen. Eine Folge größerer Unebenheiten, etwa die Kombination aus Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen, kann das Fahrwerk zwar etwas überfordern und die Räder beginnen zu springen, in Ausnahmefällen meldet sich auch das ESP. Seine Eingriffe sind jedoch feinfühlig, und seine Funktion trägt eindeutig dazu bei, dass der 208 seine derart weiche Abstimmung beibehalten kann.

Es muss noch gesagt werden, dass dieses Fahrwerk kein Feind schneller Fahrt ist. Abrupte Richtungswechsel mag es zwar nicht, doch bei feinfühliger Behandlung bieten die 205 R17-Räder viel Grip, und gerade dank der weicheren Dämpferabstimmung springen sie auch dann nicht, wenn die Straße einmal nicht perfekt ist.
Was den Motor betrifft – unter der Haube arbeitete der bekannte Dreizylinder 1.2 PureTech, den der Hersteller auf 100, 130 oder 155 PS abstimmt. Mit dem manuellen Getriebe würde ich die 100 PS durchaus als ausreichend betrachten. Anders als der kürzlich getestete 100-PS-Captur hat der 208 auch oberhalb von Autobahngeschwindigkeiten keine Probleme zu beschleunigen, da er dank seiner Größe die Luft mit weniger Aufwand durchschneidet. Zugleich ist der 208 für mich persönlich bei höherem Tempo angenehmer zu fahren, gerade wegen seiner geringeren Höhe. Bei 130 km/h dreht der Motor mit 3000 Umdrehungen und begnügt sich mit weniger als 6 Litern. Das entsprach auch unserem Stadtverbrauch. Zugleich weist auch der WLTP-Normverbrauch exakt diesen Wert aus. Zwar hatten wir den 208 mit Automatik im Winter, doch sein Verbrauch lag um eineinhalb Liter höher. Beim 2008 lag der Verbrauch nur um einen halben Liter höher. In beiden Fällen handelte es sich jedoch um stärkere Varianten, was sich sicherlich ebenfalls bemerkbar macht.

Am Ende des gesamten Tests zeigte die Verbrauchsanzeige 5,6 Liter an, was ich für einen sehr guten Wert halte. Dazu trägt auch die Schaltempfehlung bei, die sehr häufig sogar zum Herunterschalten rät. Selbst bei Geschwindigkeiten um 80 km/h, bei denen der sechste Gang bereits zurechtkommt, fordert sie häufig zum Herunterschalten auf. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber jenen Anzeigen, die lediglich empfehlen können, wann man hochschalten soll. Eine weitere theoretische Möglichkeit, Verbrauch und Fahrleistungen zu beeinflussen, ist der Schalter für die Modi Eco und Sport, der beim manuellen Getriebe allerdings ziemlich sinnlos ist, weil sein größter Einfluss in der Schaltstrategie der Automatik besteht. Im Modus Eco segelt das Auto beispielsweise, im Modus Sport schaltet es früher. Hier wird lediglich die Lenkung straffer und die Kennlinie des Gaspedals schärfer, außerdem ertönt aus den Lautsprechern ein Geräusch, das nach einer Weile etwas lästig wird. Eco wiederum dämpft die Gasannahme auf das Niveau eines Gummiballs unter dem Gaspedal. Den Moduswahlschalter halte ich daher für völlig überflüssig, ganz zu schweigen von seiner ungeschickten Platzierung.
Was die elektronische Ausstattung betrifft, hatte unser Modell keinen adaptiven Tempomaten mit aktiver Spurführung, der Kritik verdient. Die übrigen Assistenten funktionieren zuverlässig, und beispielsweise das schlüssellose Entriegeln des Fahrzeugs allein durch Annäherung (wie es etwa Renault oder Dacia bietet) ist eine ausgesprochen komfortable Möglichkeit, das Konzept des Schlüssels zu vergessen. Der 208 war zwar mit einer elektronischen Parkbremse ausgestattet, verfügte aber nicht über eine Auto-Hold-Funktion. Hervorragend funktionieren die Full LED-Scheinwerfer mit automatischer Umschaltung auf Fernlicht.

Der Peugeot 208 hat mit dem Titel Auto des Jahres 2020 seine Qualitäten und seinen Anspruch bestätigt, zu den angesehensten Automobilherstellern zu gehören. Zu seinen unbestreitbaren Qualitäten zählen das Außendesign sowie der gelungene, durchzugsstarke und sparsame Motor, der bereits erprobt und zuverlässig ist. Peugeot hat intensiv an der Qualität gearbeitet, sodass es beispielsweise eine Freude ist, dem satten Geräusch beim Zuschlagen der Türen zuzuhören. Die Meinung zum Innenraumdesign ist sehr subjektiv, doch die langsamere Elektronik und die schwächere Ergonomie bleiben objektive Tatsachen, mit denen ein potenzieller Käufer täglich zu kämpfen haben wird. Angesichts der relativ ambitionierten Preise der höheren Ausstattungen würde ich eher zu einer einfacheren Variante mit klassischen Instrumenten und einfachem Infotainment ohne Navigation tendieren. Meiden Sie das schwächste Aggregat, dann werden Sie mit diesem Motor zufrieden sein und können für rund 400 Tausend ein komfortables Auto für den Alltag bekommen.