
Damit der Preis um 180 Tausend auf 480 Tausend sinkt, mussten wir auf das wunderschöne farblich abgestimmte Interieur, die großen Digitaldisplays, das Automatikgetriebe, den starken Motor sowie die Palette elektronischer Helfer inklusive adaptivem Tempomat verzichten. Dafür haben wir ein vernünftig ausgestattetes Auto mit einem neuen Ein-Liter-Motor bekommen, der dank seiner Technik großes Potenzial hat, zuverlässig zu sein. Und wie wir wissen, etwa aus dem Test des Clio, soll er sehr sparsam sein.
Fangen wir von vorne an. Wir haben hier immer noch ein sehr ansehnliches Auto, wobei vor allem das Design des Hecks meiner Meinung nach das Schönste ist, was man in diesem Segment sehen kann. Die schmalen Leuchten und das schön geformte Heck wirken wie von einer Automesse. Vorne ist das schon nicht mehr ganz so eine Bombe, und das Auto wirkt ziemlich pummelig, wobei die silberne Farbe dabei überhaupt nicht hilft. Das ist der Preis für die abfallende Motorhaube, die dazu führt, dass das Auto nicht so mächtig wirkt wie zum Beispiel der 2008. Dort ist die Motorhaube waagerecht, und das Auto sieht von außen zwar gut aus, aber innen ist es nicht ganz so angenehm.

Schauen wir ins Innere, fehlt die wunderschöne farbliche Abstimmung, der Schalthebel sitzt nicht mehr auf dem „schwebenden“ Vorsprung, weil das manuelle Getriebe weiterhin mechanisch mit dem Schalthebel verbunden ist. Im scharfen Kontrast zu diesem schönen „Heck“ steht die furchtbar gewöhnliche Instrumentenkapsel. Die technische Grafik und die Schriftarten aus dem Duster passen überhaupt nicht zum Rest des Autos. Anders ist es im Duster, dessen Preis um hunderttausend Kronen niedriger beginnt. Wenden wir den Blick lieber dem Infotainment-Display zu. Auch die Grundgröße des Displays der Hauptbedieneinheit schränkt dessen Möglichkeiten nicht ein und beherrscht alles, einschließlich anpassbarer Oberfläche oder Smartphone-Spiegelung. Mit dieser Größe lässt es sich völlig problemlos leben. Darunter ist die Klimabedienung mit drei ansehnlichen und funktionalen Reglern sehr gut gelöst. Noch weiter unten befindet sich dann der Hebel des manuellen Getriebes. Davor liegt die klassische Handbremse und die etwas unpraktisch gelösten Getränkehalter, in denen etwa eine klassische 250-ml-Dose eines Energydrinks schlecht hält. So wird Sie eher nicht das Koffein wachhalten, sondern die Frage, ob das Getränk schon verschüttet ist oder noch nicht. Mir persönlich fehlte die elektronische Handbremse, vor allem wegen der Auto-Hold-Funktion, aber man kann auch ohne sie leben. Die grundlegende Hill-Hold-Funktion für den Anfahrhügel ist weiterhin vorhanden. Das Fazit lautet also: Ich habe kein Problem mit der fehlenden Elektronik, aber Design und Erscheinungsbild des Interieurs haben deutlich gelitten.

Geblieben ist uns aber der großartige Hands-free-Zugang und das schlüssellose Starten mit der Karte, was die Nutzung angenehmer macht. Es fehlt jedoch eine Rückfahrkamera - die Parksensoren sind zwar gut, aber angesichts der schlechten Sicht aus dem Auto ist blindes Rückwärtsfahren ein kleines Risiko. Geblieben sind die sehr angenehmen Sitze sowie die sehr gute Materialqualität und die perfekte Ergonomie. Nur billige Blindabdeckungen an mehreren Stellen verraten, wie viel mehr Tasten die gut ausgestatteten Modelle haben. Geblieben sind ausreichend große Türtaschen und die extrem praktische Verschiebung der Rücksitzbank, die es ermöglicht, das Kofferraumvolumen im Bereich von 404 bis 536 Litern (nach VDA) zu verändern, und das ist meiner Meinung nach eine starke Waffe etwa gegen den Peugeot 2008 oder den Škoda Kamiq. Selbst eine durchschnittlich große Person kann die Bank um fast 10 cm verschieben und hat hinten immer noch Platz. Herrlich.

Unter der Haube mussten wir uns mit 55 PS weniger begnügen, also glatten 100, die der neue 1.0 TCe Benzinturbomotor liefert. Sein Vorteil ist die indirekte Einspritzung und die damit verbundene fehlende Partikelfilterpflicht. Zukünftig dürfte der Motor also theoretisch wartungsärmer sein, und kurze Strecken machen ihm nichts aus. Dieser Motor ist mit einem manuellen Fünfganggetriebe verbunden und stellt somit die Wahl für anspruchslose Fahrer dar. Sowohl was die Anzahl der Gänge betrifft als auch die Bedienung - sie ist etwas gummiartig, und etwa der erste Gang lässt sich etwas schwergängig einlegen. Der Turbomotor mit seinem breiten nutzbaren Drehzahlbereich ist ihm dabei ein guter Begleiter. Und er ist kein Schwächling - sein Durchzug ist gleichmäßig, sein Turbolader drückt bereits ab 2 Tausend Umdrehungen tapfer Luft in die Zylinder, und seine 160 Nm sind nicht gerade wenig, sodass die größere Herausforderung eher die größeren Übersetzungssprünge des Getriebes sind. In den fünften Gang will der Captur nicht mehr so richtig beschleunigen, und die Motordrehzahl liegt dann bei etwa 3200. Das ist zwar ein höherer Wert, als heute üblich, aber der Motor verlangt weder viel Kraftstoff, noch ist er besonders laut zu hören. Mehr als der Motor ist der Lärm von der vorderen Säule, beziehungsweise eher vom linken Außenspiegel, zu hören. Der Ein-Liter-Motor braucht zwar eine Weile, bis er die gewünschte Geschwindigkeit erreicht, hat aber danach kein großes Problem, sie zu halten.

Auf Reifen mit der Profilkennzahl 215/60 ist der Captur relativ straff, aber vom Fahrwerk sind keine Schläge zu hören. Trotz der Verwendung von Reifen mit höherer Seitenwand hüpft der Captur etwas mehr, als ich erwartet hätte. Und bei zügigerer Fahrt neigt er sich dafür wiederum etwas mehr. Zudem hat der Motor nicht genug Kraft, um mit all den Kräften fertigzuwerden, die in der Kurve auf ihn einwirken. Seine Domäne ist leichtes Einsteigen (erfüllt), ausreichend Platz (erfüllt), einfache Manövrierbarkeit (bis auf die fehlende Kamera, erfüllt) und Stil (erfüllt).

Neben der subjektiven Bewertung ergänze ich noch einige technische Daten - der 4227 mm lange Captur mit dem Ein-Liter-Dreizylinder beschleunigt von null auf hundert in 13.3 Sekunden und soll laut WLTP-Tabellen 5 bis 5,2 Liter auf hundert km verbrauchen. Unsere Messung hat diese Werte diesmal überschritten. Normalerweise weichen wir von den WLTP-Werten nur wenig ab, auch der Clio mit diesem Motor war sehr sparsam, aber beim Captur lässt sich die 6-Liter-Marke nicht unterschreiten. Eine positive Überraschung war dagegen der Verbrauch von 6,3 Litern bei ruhiger Autobahnfahrt. Das ist paradoxerweise sparsamer als die übliche Überlandfahrt, bei der man dem Motor beim Beschleunigen etwas mehr abverlangen muss, sodass sich der Verbrauch bei 6,7 Litern einpendelte, was schon kein so hervorragender Wert mehr ist. Aber immer noch im Rahmen des Anstands.

Der Captur in der Basisversion erfüllt, was man von ihm erwartet. Auch mit dem Ein-Liter-Motor lässt sich zügig und mit vernünftigem Verbrauch fahren. Auch das Fünfganggetriebe stört nicht besonders. Er könnte jedoch etwas komfortabler abgestimmt sein, und hätte er auch in der niedrigeren Ausstattung ein farblich abgestimmtes Interieur wie die höhere Ausstattung, wäre er ein starker Konkurrent für die fadere Modelle für Käufer, die ihr Auto vor allem nach Gefühl auswählen. Es gibt nicht viele Autos in dieser Klasse, die eine verschiebbare Rücksitzbank bieten (etwa der deutlich teurere T-Cross schon). In meinen Augen ist der Kamiq etwas besser abgestimmt, und dessen Ein-Liter-TSI-Motor hat etwas bessere Werte und ist etwas sparsamer, doch sein faderes Außen- und Innendesign ist seine Schwäche.