Test: Volkswagen T-Cross 1.0 TSI - kleiner als ein kleiner Touareg

Jiří Zelinka, 6. Juni 2019

Deutscher Anzug

In den T-Cross einzusteigen ist wie einen gut sitzenden Anzug anzuziehen: Sowohl vorn als auch hinten steigt man hervorragend ein, die Sitze haben eine angenehme Form und Polsterlänge, sodass sich die richtige Position sehr leicht finden lässt. Der Verstellbereich der Sitzhöhe von etwa 10 cm ermöglicht es, tief versunken oder unglaublich „herausragend“ im Auto zu sitzen. Mir gefielen das neue Lenkrad mit angenehmem Leder, die dahinter verborgenen klassischen Instrumente und daneben das bekannte Infotainment aus dem VW-Konzern, das übersichtlich, schnell und intuitiv ist. Bei der Basisversion, die nur Radio und SD-Karten-Unterstützung hat, wirken Grafik und Darstellung vielleicht sogar unnötig luxuriös. 

Ein Bereich, in dem die Herkunft des Autos aus den kleineren Klassen sichtbar wird, sind die Materialien. Beim Anfassen keine große Sensation, aber ihre Verarbeitung muss ich loben – und vor allem, dass die Materialien überall dort, wo man sie berührt (Ellbogen, Hände), angenehm und weich sind, selbst in dieser Basisversion. Dass die Kunststoffe auch bei den Topversionen, die über 600 tisíc kosten können, weiterhin hart sind, würde ich wiederum nicht so sehr loben. Doch der T-Cross bietet gegen Aufpreis eine ganze Reihe an Individualisierungs- und Personalisierungsmöglichkeiten, außen wie innen, und versucht so, den Ruf eines konservativen Konzernfahrzeugs abzulegen – genannt seien etwa farbige Dekore für Räder, Armaturenbrett und Sitze. Gerade das ist ein großer Reiz solcher stilvollen Autos: anders sein, man selbst sein. In dieser Basisversion kann das allerdings beispielsweise beim erwähnten Audiosystem zum Problem werden – die Klangquellen beschränken sich nämlich recht eigenwillig auf FM-Radio oder eine SD-Karte. Ein USB-Anschluss fehlt in dieser Version tatsächlich ebenso wie Bluetooth. Paradoxerweise gibt es hinten aber zwei USB-Anschlüsse, allerdings nur zum Laden.

Sicherheit an erster Stelle

Bluetooth und weiche Kunststoffe werden Ihnen jedoch in dem Moment egal, in dem es auf einen Unfall hinausläuft. Wie kürzlich die NCAP testy bestätigten, schützt Sie der T-Cross dann außergewöhnlich gut. Das liegt neben der hervorragenden Konstruktion auch daran, dass er serienmäßig mit Front Assist inklusive Fußgängererkennung und City-Notbremsfunktion, Spurhalteassistent Lane Assist, Berganfahrassistent und einem proaktiven Insassenschutzsystem ausgestattet ist. Dieses schließt bei drohendem Unfall automatisch die Fenster einschließlich des Schiebedachs, strafft die Sicherheitsgurte und erhöht den Druck in der Bremsanlage. Im Video von NCAPu wird deutlich, wie stark der T-Cross im Bereich Sicherheit unterstützen kann.

Konsequent straff unterwegs

Beim Fahren lässt sich kaum etwas Negatives finden. Der T-Cross ist straffer abgestimmt, sodass sich auch kleinere Schlaglöcher im Innenraum durchaus bemerkbar machen können, aber gerade dadurch fährt er sich sehr sicher. Der T-Cross ist bestens darauf vorbereitet, die Tücken selbst auf den 74. schlechtesten Straßen der Welt zu meistern – also bei uns. In diesem Fall würde ich größere Räder unbedingt vermeiden, wenn das Auto überwiegend in der Stadt eingesetzt wird. Weil das Fahrwerk zugunsten der Fahreigenschaften und zur Begrenzung der Karosserieneigung straffer ausfällt, werden größere Räder das definitiv nicht verbessern. Sie sehen zweifellos schön aus, aber man kauft den T-Cross nicht in erster Linie wegen seines Designs. Der T-Cross ist eher praktisch, sein auffälligstes Detail ist das Reflektorband, das die Rückleuchten verbindet – ein bisschen wie ein Konzernmitarbeiter mit rebellischen Socken. Von hinten ist das Auto fotogen, von vorn erscheint es mir persönlich (und ich bin ein Fan dieser streng einfachen Formen) eher durchschnittlich. Außergewöhnlich wird es erst mit dem R-line Paket.

Und wie sieht es auf längeren Reisen aus? Der T-Cross ist definitiv nicht nur ein Stadtauto. Auch mit dem 70 kW Motor und dem Fünfganggetriebe muss man keine Angst vor längeren Strecken haben. Hervorragende Lenkung, sehr gute Sitze, angenehme Schaltung, gut gedämmter Motor- und Aerodynamiklärm – das sind Eigenschaften eines modernen Autos, die der T-Cross mit Bestnote erfüllt. Das Fünfganggetriebe dreht bei 130 km/h im fünften Gang rund 3000 otáček za minutu, was nicht gerade wenig ist. Doch der Motor ist nicht zu hören, auch nicht besonders durstig und hat dadurch noch Kraft zum Beschleunigen. Zwar nicht gerade atemberaubend, aber man muss nicht überall der Erste sein. Über den Dreizylinder-TSI mit einem Liter Hubraum wurde bereits genug geschrieben – deshalb nur kurz: Er ist ein sehr guter Motor mit sehr ausgereifter Technik. Seine Vorteile sind das geringe Gewicht, der kräftige Durchzug, ein insgesamt gutes Ansprechverhalten und nicht zuletzt, dass er sehr schnell seine Betriebstemperatur erreicht – was Ihnen beim Verbrauch und der Umwelt bei den Emissionen hilft.

 Im Angebot ist außerdem eine 85 kW Version mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder DSG převodovkou. Einen Diesel gibt es nicht; meiner Meinung nach wäre sein Aufpreis angesichts des Verbrauchsunterschieds nicht gerechtfertigt und würde dem Auto seine (subjektiv empfundene) Leichtfüßigkeit und Agilität nehmen. Beim Verbrauch nennt der Hersteller nach WLTP für beide Varianten nahezu identische Werte von 5.8 (resp. 5.9 litru), die weder schlecht noch unerreichbar sind. Ich gab das Auto mit 6.2 litry zurück (der Motor hatte knapp tisíc km gefahren) und war nicht nur auf Straßen unterwegs. Wenn es schon ein SUV ist, fuhr ich damit auch über meinen Lieblingsfeldweg, hatte aber ziemlich Respekt – und die schönen Kunststoffteile sowie die schreckhaften Parkassistenten halfen mir dabei nicht wirklich. Das erhöhte Fahrwerk steckt einiges weg, man muss aber lernen, seine Möglichkeiten beziehungsweise die Möglichkeiten der vorderen Stoßstange richtig einzuschätzen.

Klein auf dem Parkplatz, groß im Innenraum

Wo der T-Cross glänzt, ist die Praktikabilität: Auf so kleiner Grundfläche so viele Ablagen, so viel Platz in alle Richtungen und dazu noch so viel Raum für Gepäck. Das ist schlicht ein unbestreitbarer Vorteil der höheren Karosserie. Die verschiebbare Rückbank, die in dieser Klasse einzigartig ist, lässt sich im Gegensatz zu anderen Autos auch dann sinnvoll nutzen, wenn sie ganz nach vorn geschoben wird, denn es bleibt weiterhin etwas Knieraum übrig. Und so kann gerade dieses kleine Detail vielleicht der Grund sein, warum der T-Cross zum einzigen Auto einer Familie wird, die in dichter Bebauung mit ihrem Fahrzeug nicht zu viel Platz beanspruchen möchte und bei Bedarf den Kofferraum durch Verschieben der Bank auf rekordverdächtige 455 litrů vergrößert. Oder sie nutzt die 14 centimetrů Verstellweg zugunsten der Fondpassagiere, und es bleiben immer noch ordentliche 385 litrů (übrigens fast genau wie im Golf). Dafür gibt es den Daumen nach oben.

Gibt es keinen Haken?

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