Škoda hat die Produktion von LFP-Batterien in Mladá Boleslav gestartet. Täglich entstehen über 1 100 für den gesamten VW-Konzern

Škoda hat die Produktion von LFP-Batterien in Mladá Boleslav gestartet. Täglich entstehen über 1 100 für den gesamten VW-Konzern

Jiří Zelinka, 27. Februar 2026

Škoda Auto hat in Mladá Boleslav die Serienproduktion von Batterien für Elektroautos aufgenommen. Auf einer vollautomatisierten Fertigungslinie mit 270 Kameras und 600 Beschäftigten entstehen täglich mehr als 1 100 Batteriepakete mit der günstigeren und sichereren LFP-Chemie. Die Batterien sind für den Škoda Elroq, den Enyaq und weitere Elektroautos des Volkswagen-Konzerns bestimmt.

234 Tausend Zellen täglich, 936 Tausend Schweißverbindungen

Die Zahlen der Batteriefabrik in Mladá Boleslav sind beeindruckend. Vier Fertigungslinien produzieren täglich 9 000 Batteriestacks und benötigen dafür 234 000 einzelne Zellen. Die Roboter setzen dabei pro Schicht mehr als 936 000 Schweißverbindungen. Jede Linie fertigt alle 30 Sekunden vier Stacks.

Die Lagerkapazität entspricht 5 000 Mehrwegbehältern — also rund 1,2 Millionen Zellen. Die fertigen Batterien werden anschließend auf speziellen Stahlpaletten transportiert, wobei ein autonomes Fahrzeug vier Exemplare mit einem Gesamtgewicht von mehr als zwei Tonnen befördert. Eine Batterie wiegt ungefähr 450 kg.

Fertiger Batteriestack in der Produktion von Škoda Auto in Mladá Boleslav
Foto: Škoda Auto

LFP statt NMC: günstigere und sicherere Chemie

Die neuen Batterien nutzen anstelle der bisherigen NMC-Chemie LFP (Lithium-Eisenphosphat). Laut Škoda Storyboard bietet LFP eine höhere thermische Stabilität, niedrigere Produktionskosten und eine geringere Umweltbelastung. Bei der Konstruktion kommt das Cell-to-Pack-Verfahren zum Einsatz — die Batterie wird ohne den Zwischenschritt über Module direkt aus den Zellen aufgebaut.

Der Wechsel der Zellchemie ist auch unter Sicherheitsaspekten relevant. Während es bei NMC-Batterien im Falle eines Defekts schnell zu einem thermischen Durchgehen kommen kann, reagiert LFP deutlich langsamer. „Bei der LFP-Technologie ist die Brandgefahr minimal und der Vorgang langsam, sodass wir genügend Zeit haben, die Batterie sicher aus der Linie zu bringen“, erklärt Produktionskoordinator Jan Houser. Zum Vergleich — Volvo rief kürzlich 40 Tausend Fahrzeuge des Typs EX30 zurück, ebenfalls wegen Problemen mit den Batterien.

Robotergestütztes Schweißen von Batteriestacks in der Produktion von Škoda Auto
Foto: Škoda Auto

85 % der Arbeit übernehmen Roboter

Der Automatisierungsgrad der Produktion liegt bei 85 %. „Die Roboter übernehmen hier ungefähr 85 % der Arbeit“, sagt der Produktionskoordinator. Vor sechs Jahren, als Škoda mit der Batterieproduktion begann, war das Verhältnis noch umgekehrt. Die Qualität wird von 270 Kameras überwacht und jeder Parameter wird aufgezeichnet — für jede Batterie lässt sich die vollständige Produktionshistorie nachträglich nachvollziehen.

Die Batteriemontage umfasst mehrere Schritte: das Verbinden von Rahmen und unterem Deckel mit einem speziellen Dichtstoff, das Einkleben der Stacks mit einer 25-minütigen Frist für die weiteren Arbeitsschritte, die elektrische Verbindung der Hochvoltkontakte sowie das Ergänzen der Verkabelung samt Steuergeräten. Das Kühlsystem ist in den oberen Deckel integriert — anders als bei der älteren Konstruktion, bei der sich die Kühlung an der Unterseite befand.

ParameterWert
Tägliche Batterieproduktion1 122 Stück
Tägliche Stack-Produktion9 000 Stück
Täglicher Zellenverbrauch234 000 Stück
Schweißverbindungen täglich936 000
Beschäftigte600 (Dreischichtbetrieb)
Automatisierung85 %
Batteriegewichtca. 450 kg
ChemieLFP (Lithium-Eisenphosphat)
Quelle: Škoda Storyboard
Fertige Škoda-Batterie mit oberer Abdeckung und darin verlaufenden Kühlleitungen
Foto: Škoda Auto

Mladá Boleslav als Batteriezentrum des gesamten Konzerns

Laut Pressemitteilung wird Škoda Auto zum größten europäischen Produzenten von BEV-Batterien im Volkswagen-Konzern. Die Batterien aus Mladá Boleslav sind nicht nur für die Škoda-Elektroautos Elroq und Enyaq bestimmt, sondern auch für Modelle weiterer Marken der VW-Gruppe, die auf der MEB-Plattform basieren.

Der neue Batterietyp ist mit der bestehenden MEB-Plattform kompatibel. Damit sind keine grundlegenden Anpassungen der Fertigungslinien bei den einzelnen Marken erforderlich. Für Škoda ist dies ein strategischer Schritt innerhalb des Konzerns — vom reinen Montagewerk entwickelt sich der Standort zum Hersteller einer Schlüsselkomponente der Elektromobilität.

Was das für den tschechischen Elektroautomarkt bedeutet

Die Ansiedlung der Batterieproduktion in Tschechien wirkt sich unmittelbar auf die Beschäftigung aus — sie schafft 600 Arbeitsplätze im Dreischichtbetrieb an fünf Tagen pro Woche. Der Umstieg auf die günstigere LFP-Chemie könnte sich auch in den Endpreisen der Škoda-Elektroautos auf dem tschechischen Markt niederschlagen, konkrete Auswirkungen auf die Preise hat der Autohersteller bislang jedoch nicht kommentiert.

Der Škoda Elroq gehört zu den meistverkauften Elektroautos Europas, und die eigene Batterieproduktion stärkt die Position des Autoherstellers aus Mladá Boleslav als eine der Säulen der Elektromobilität im Volkswagen-Konzern. Spannend bleibt die Frage, ob die Produktionskapazität von 1 122 Batterien täglich ausreichen wird, um die wachsende Nachfrage zu decken, oder ob die Linie weiter ausgebaut werden muss.

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