Der Autohersteller Škoda Auto hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der University of Salford die Fahrradklingel DuoBell entwickelt, deren Klang selbst Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) durchdringen kann. Laut Angaben des Herstellers erhalten Fußgänger nach dem Klingeln mit DuoBell bis zu 22 Meter mehr Reaktionsraum als bei einer herkömmlichen Klingel.
„Fahrradklingeln haben sich in den letzten hundert Jahren kaum verändert, die Welt um sie herum jedoch schon. Die Škoda DuoBell ist die erste Klingel überhaupt, die so konzipiert wurde, dass sie Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung durchdringt“, erklärte Ben Edwards von der Agentur AMV BBDO, die an der Entwicklung beteiligt war.
Das Projekt entstand aus einem wachsenden Problem in den Städten. Die Zahl der Radfahrer in den Metropolen steigt — in London soll sie laut Pressemitteilung von Škoda Auto in diesem Jahr erstmals die Zahl der Autofahrer übersteigen. Gleichzeitig wächst das Risiko von Zusammenstößen mit unaufmerksamen Fußgängern.
Allein im Jahr 2024 stieg laut Daten von Transport for London die Zahl der Kollisionen zwischen Radfahrern und Fußgängern um 24 Prozent. Dazu trägt auch die Beliebtheit von ANC-Kopfhörern bei — in den Straßen Londons tragen sie bis zu die Hälfte der Fußgänger. Viele davon sind so wirkungsvoll, dass nicht einmal der Klang einer gewöhnlichen Klingel durchdringt.
Der Schlüssel zur Funktionsweise der DuoBell liegt in der Identifizierung der sogenannten Sicherheitslücke (safety gap) in den Algorithmen der ANC-Kopfhörer. Forscher der University of Salford stellten durch akustische Tests fest, dass ein schmales Frequenzband von 750–780 Hz die ANC-Filter durchdringen kann.

Die Klingel besitzt zwei Resonatoren — daher der Name DuoBell. Einer ist exakt auf dieses Frequenzband abgestimmt, der andere auf eine höhere Frequenz. Ein speziell entwickelter Hammermechanismus erzeugt schnelle und unregelmäßige Schläge, wodurch Schallwellen entstehen, die die ANC-Algorithmen nicht schnell genug auswerten können, um sie zu unterdrücken.

Praxistests fanden im Februar 2026 in den Straßen Londons in Zusammenarbeit mit Kurieren des Unternehmens Deliveroo statt. Die Klingel bewährte sich laut Škoda so gut, dass die Kuriere sie nach den Tests behalten wollten. Messungen zeigten, dass Fußgänger mit Kopfhörern nach der Aktivierung der DuoBell im Vergleich zu einer herkömmlichen Klingel bis zu 22 Meter mehr Reaktionsraum hatten.
Am Design des Prototyps war Chefdesigner von Škoda Auto Oliver Stefani beteiligt. „Dieses Projekt ist ein Ausdruck unserer Designprinzipien“, sagte Stefani. Das Design der Klingel basiert auf der Unternehmensphilosophie Simply Clever. Die Klingel greift die aktuelle Designsprache Modern Solid auf — Farben, Oberflächenausführung und Materialien entsprechen den aktuellen Fahrzeugen der Marke, und sie trägt das neue Logo von Škoda Auto.
Škoda begann vor mehr als 130 Jahren genau mit der Herstellung von Fahrrädern und ist im Radsport bis heute aktiv. Die Marke ist langjähriger Partner der Tour de France, unterstützt Rennen wie die La Vuelta, Paris–Roubaix oder Lüttich–Bastogne–Lüttich und ist für die Saison 2026 UCI-Partner für die Mountainbike- und Gravel-Weltmeisterschaften.
Die DuoBell existiert bisher nur als Prototyp — Škoda hat angekündigt, die Forschungsergebnisse veröffentlichen und eine breitere Fachdiskussion über die Sicherheit im Stadtverkehr fördern zu wollen. Wann und ob die Klingel in Serienproduktion geht, hat der Hersteller nicht mitgeteilt.