Volkswagen will der erste europäische Hersteller sein, der ein autonomes Taxi im Regelbetrieb einsetzt. Der Schlüssel dazu ist der ID. Buzz AD – eine modifizierte Version des elektrischen Minivans, die von der Tochtergesellschaft MOIA in Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen Mobileye entwickelt wurde. Der Betrieb soll noch dieses Jahr in Hamburg beginnen.
Während BMW und Mercedes ihre Ambitionen rund um Level 3 bei Pkw zurückgeschraubt haben und Tesla mit Full Self-Driving erst noch einen Weg nach Europa sucht, schlägt Volkswagen die entgegengesetzte Strategie ein – der Konzern investiert in Robotaxis als Dienstleistung und startet dabei in Europa.
Der ID. Buzz AD ist laut Autoblog NL das erste Fahrzeug des Volkswagen-Konzerns, das auf autonomes Fahren der Stufe 4 (SAE Level 4) abzielt. In der Praxis bedeutet das, dass das Auto Fahrsituationen in einem definierten Gebiet ohne menschliches Eingreifen bewältigen soll.
Die Sensorausstattung soll 27 Sensoren umfassen: 13 Kameras, neun Lidare und fünf Radare. Den Kernteil des Systems liefert Mobileye – Volkswagen verlässt sich damit anders als Waymo oder Tesla nicht auf eigene Software, sondern auf die Technologie eines externen Zulieferers. Ergänzt wird das autonome Fahren durch die Plattform AD MaaS (Autonomous Driving Mobility as a Service), die das Flottenmanagement, die Kommunikation mit den Fahrgästen und die Fernüberwachung übernimmt.

Erster Kunde von MOIA soll die Stadt Hamburg sein, wo der ID. Buzz AD den öffentlichen Nahverkehr als Ride-Pooling-Dienst auf Abruf ergänzen wird. Verfügbaren Informationen zufolge sollen im Laufe des Jahres 2026 deutlich mehr als 500 Fahrzeuge durch die Straßen Hamburgs fahren.
Es gibt jedoch einen Haken: Zu Beginn werden Sicherheitsfahrer in den Fahrzeugen anwesend sein. Ein Betrieb völlig ohne Mensch am Steuer wird in Hamburg frühestens ab 2027 erwartet – abhängig von der gesetzlichen Entwicklung in Deutschland und der gesamten EU.
Parallel zu Hamburg startet Volkswagen eine Zusammenarbeit mit Uber in Los Angeles – der ersten amerikanischen Stadt, in der der ID. Buzz AD im Angebot der Plattform erscheinen soll. „Auf unserem Weg, ein weltweit führendes Technologieunternehmen zu werden, bringen wir nachhaltige autonome Mobilität in großem Maßstab sowohl nach Europa als auch in die USA“, erklärte Konzernchef Oliver Blume laut der Pressemitteilung der VW Group.
Das langfristige Ziel ist ambitioniert: Bis 2033 will Volkswagen weltweit 100.000 autonome Fahrzeuge betreiben.
Das Timing ist bemerkenswert. BMW und Mercedes haben in den vergangenen Monaten ihre Ambitionen rund um autonomes Fahren der Stufe 3 bei Pkw gedämpft. Der US-Anbieter Cruise (General Motors) hat seinen Betrieb nach einem schweren Unfall deutlich eingeschränkt, seine Zukunft im Robotaxi-Geschäft bleibt ungewiss.
Volkswagen setzt auf ein anderes Modell. Statt autonomes Fahren als Zusatzoption für Pkw anzubieten, baut der Konzern es als Dienstleistung auf. MOIA verkauft Städten und Verkehrsbetrieben eine Komplettlösung – Fahrzeug, Flottenmanagement-Software und Schulung der Betreiber. Das senkt das geschäftliche Risiko: VW muss nicht Millionen Endkunden überzeugen, sondern braucht nur einige Dutzend städtische Aufträge.
| Akteur | Region | Technologie | Status (2026) |
|---|---|---|---|
| VW / MOIA | Hamburg, Los Angeles | Mobileye (Level 4) | Start mit Fahrer 2026 |
| Waymo (Alphabet) | USA (SF, Phoenix, LA) | Eigenentwicklung (Level 4) | im Betrieb ohne Fahrer |
| Tesla | Austin (USA) | eigenes FSD (Level 2+) | Cybercab im Testbetrieb |
| Cruise (GM) | — | Eigenentwicklung | Betrieb nach Unfall eingeschränkt |
| BMW / Mercedes | — | — | Level 3 für Pkw zurückgestellt |
VW testet die autonomen Fahrzeuge unter europäischen Bedingungen – also auch bei Regen, Nebel und im Winter. Das ist ein Vorteil gegenüber Waymo, das überwiegend im sonnigen Arizona und Kalifornien unterwegs ist. Erfahrungen mit schlechtem Wetter könnten für die Expansion in weitere europäische Städte entscheidend sein.
Andererseits ist die Abhängigkeit von Mobileye eine potenzielle Schwäche. Mobileye ist ein Zulieferer, der dieselbe Technologie auch an die Konkurrenz verkaufen kann. Volkswagen riskiert also nicht nur, dass die Technologie nicht funktioniert – es riskiert auch, dass es selbst dann, wenn sie funktioniert, keine Exklusivität hat. Das ist ein anderer Ansatz als bei Waymo oder Tesla, die ihre Software selbst entwickeln und sie als ihren wichtigsten Wettbewerbsvorteil betrachten.
Volkswagen erwähnt bislang weder Prag noch eine andere tschechische Stadt unter den geplanten Standorten. Hamburg ist die erste, weitere europäische Städte sollen ab 2027 hinzukommen. Der realistische Zeithorizont für Tschechien – falls überhaupt – liegt eher nach 2030. Einen gesetzlichen Rahmen für den Betrieb autonomer Fahrzeuge der Stufe 4 gibt es in Tschechien bislang nicht.